NAB Regio­nal­stu­die |

Aar­gau noch auf dem Podest!

Von | 25. Okto­ber 2017 | News

Noch liegt der Kan­ton Aar­gau in der all­jähr­lich erho­be­nen Regio­nal­stu­die hin­ter Zug und Zürich auf dem drit­ten Rang. Aller­dings wird es in Zukunft recht schwie­rig, die­sen Rang zu hal­ten, denn Fach­kräf­te­man­gel und Steu­er­erhö­hun­gen könn­ten nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen haben.

Eines hat die dies­jäh­ri­ge Stu­die deut­lich auf­ge­zeigt: Will man lang­fris­tig auf dem Podest blei­ben, müs­sen wir die Berufs­bil­dung noch mehr ver­stär­ken. In den nächs­ten fünf Jah­ren wer­den 40 000 recht gut aus­ge­bil­de­te Arbeits­kräf­te der Baby­boo­mer­jah­re in Pen­si­on. Dann dürf­te sich der Fach­ar­bei­ter­man­gel noch ver­stär­ken und man soll­te wenn mög­lich die­se Leu­te min­des­tens teil­wei­se noch beschäf­ti­gen kön­nen. Will man die Stand­ort­qua­li­tät hal­ten, muss da Gegen­steu­er gege­ben wer­den. 60 Pro­zent der rekru­tie­ren­den KMU haben heu­te Schwie­rig­kei­ten, geeig­ne­te Kan­di­da­ten für Fach­ar­bei­ten zu fin­den. NAB-CEO dazu: «Alle Akteu­te sind gefor­dert – ich den­ke an Unter­neh­men, Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen, Berufs­be­ra­tung, Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten zu moti­vie­ren, sich für eine Kar­rie­re in den vom Fach­kräf­te­man­gel betrof­fe­nen Berei­chen zu ent­schei­den».

Das Frau­en­po­ten­ti­al wird zu wenig genutzt

Die Stu­die zeig­te auch auf, dass das Poten­ti­al bei den Frau­en zu wenig abge­ru­fen wird. Da müs­sen sowohl die Poli­tik wie die Wirt­schaft noch Wege fin­den, um die­se gut aus­ge­bil­de­ten Leu­te wie­der an den Arbeits­platz zu brin­gen. Neue Arbeits­mo­del­le und Kin­der­krip­pen sind gefragt. Laut der NAB-Stu­die wer­den immer mehr Rou­ti­ne­ar­bei­ten ins Aus­land aus­ge­la­gert oder dann auto­ma­ti­siert. Schlecht oder gar nicht aus­ge­bil­de­te Leu­te haben da auf dem Arbeits­markt in Zukunft schlech­te Kar­ten.

Bil­dungs­stand unter­durch­schnitt­lich

Hoch­qua­li­fi­zier­te Leu­te sind im Aar­gau unter­ver­tre­ten. Ins­ge­samt domi­niert im Indus­trie- und High­tech-Kan­ton Aar­gau die beruf­li­che Grund­bil­dung (z. B. Berufs­leh­re), die von den Aar­gau­er KMU als zen­tra­ler Fak­tor für die hie­si­ge Stand­ort­at­trak­ti­vi­tät geschätzt wird. Der Bil­dungs­stand steigt zwar im Kan­ton Aar­gau wie in der gan­zen Schweiz, den­noch besteht eine deut­li­che Lücke zum Lan­des­mit­tel – und der Abstand ver­grös­sert sich gar.

Der Aar­gau fällt bei den Hoch­schul­ab­schlüs­sen wei­ter zurück, und dies nicht nur bei den Uni­ver­si­tä­ten, son­dern auch bei den Fach- und päd­ago­gi­schen Hoch­schu­len. Auch die Matu­ri­täts­quo­te liegt deut­lich unter dem Schwei­zer Durch­schnitt. Beliebt ist dage­gen die Berufs­ma­tu­ri­tät.

Qua­li­fi­zier­te Leu­te arbei­ten aus­wärts

Als aus­ge­prä­ge­ter Pend­ler­kan­ton und auch dank der hohen Attrak­ti­vi­tät als Wohn­kan­ton ist der Aar­gau ein deut­li­cher «Net­to­ex­por­teur» von Arbeits­kräf­ten: Die Zahl der Weg­pend­ler
(107’468) ist rund dop­pelt so hoch wie die Zahl der Zupend­ler (53’714). Bei den Hoch­qua­li­fi­zier­ten ist der Net­to­ab­fluss beson­ders dras­tisch: Rund 37 Pro­zent der Aar­gau­er Erwerbs­be­völ­ke­rung mit ter­tiä­rem Abschluss ver­las­sen den Kan­ton und ste­hen dem Aar­gau­er Arbeits­markt nicht zur Ver­fü­gung. Somit bleibt es für Kan­ton und Unter­neh­men eine Her­aus­for­de­rung, das Ange­bot an Qua­li­fi­ka­tio­nen best­mög­lich zu nut­zen.

Frau Dr.  Sara Car­naz­zi Weber ver­fass­te die NAB-Regio­nal­stu­die