Aargauer Polit-Rücktritte wiegen schwer!

Von | 31. Januar 2018 | Gedanken

Gerät der Aargau poli­tisch ins Hin­ter­treffen? Die ange­kün­digten Rück­tritte von Bun­des­rätin Doris Leu­thard und Stän­de­rätin Pas­cale Bru­derer kommen zu einer schlechten Zeit und vor allem über­ra­schend. Innert kür­zester Zeit kann keine echte Alter­na­tive auf­ge­baut werden. Beide Poli­ti­ke­rinnen hatten eine starke Aus­strah­lungs­kraft – ob man sie nun mochte oder nicht.

Pas­cale Bru­derer war gar ein Phä­nomen. In der Regel haben es sehr junge Poli­tiker schwer, gewählt zu werden. Sie aber mar­schierte locker durch und was vor allem wichtig ist, sie hielt auch, was sie ver­sprach und sie ver­hielt sich vor allem sehr gemäs­sigt – war also keine Extre­mistin. Die SP hat ihr sehr viel zu ver­danken. Nicht zuletzt dank ihr lebte die ange­schla­gene Arbei­ter­partei wieder auf. Wer soll’s nun im Stän­derat richten?

Zu erwarten ist wieder eine bür­ger­liche Dop­pel­ver­tre­tung im Stöckli, da sich in Bru­de­rers Partei nie­mand auf­drängt oder die, die es noch richten könnten, in die Jahre gekommen sind. Bru­derer hat ihre Partei buch­stäb­lich auf dem fal­schen Bein erwischt. Aber sie kann nicht Zeit ihres Lebens auf die Partei schauen. Diese kann sich nicht auf Lor­beeren aus­ruhen, son­dern muss selbst gute Leute auf­bauen.

Eigent­lich hat Bru­derer recht. Sie hat ihre poli­ti­schen Ziele erreicht und peilt nun neue an. Eine solch tüch­tige Frau findet immer wieder eine inter­es­sante Anstel­lung und das wie­derum wird ihr Leben positiv ver­än­dern. In der Politik ist man schliess­lich immer in den Par­tei­schranken gefangen. Gute Leute lassen sich bekannt­lich nicht ver­heizen – sie suchen stets Neues und finden das auch.

Ver­lieren wird der Aargau nicht nur sie, son­dern wohl auch den Bun­des­rats­sitz von Frau Leu­thard. Doch seien wir ehr­lich: Dieser kam damals auch etwas über­ra­schend und der Aargau kam schon ver­schie­dent­lich bei den Bun­des­rats­wahlen zum Hand­kuss. Kron­prinzen oder -prin­zes­sinnen aus unserem Kanton exis­tieren im Moment für diesen «Job» kaum. Viel­leicht ist es auch richtig, wenn nun andere Regionen wieder an die Reihe kommen. Zwei­fellos ist dieser Dop­pel­rück­tritt in Bern aber  für unseren Kanton nicht son­der­lich för­der­lich. Der Aargau ist ein moderner, auf­stre­bender Kanton, der auch in Bern Gehör finden muss. Das ist letzt­lich wirt­schaft­lich sehr wichtig. Des­halb tun die Par­teien gut daran, keine Blind­gänger, son­dern gute, eigen­wil­lige Leute auf­zu­bauen – auch wenn solche vom Kaliber «Bru­de­rers» eher einer Rarität ent­spre­chen.