Marianne Wehrli, LL.M Rechtsanwältin

Bezahlen für einen abgesagten Termin?

Von | 26. Oktober 2017 | Ratgeber Recht

FRAGE | Vor einiger Zeit hatte ich mich wegen längerdauernden Schulterbeschwerden dazu durchgerungen, bei einem Masseur einen ersten Termin zu vereinbaren. Im Nachhinein kam ich zur Überzeugung, dass er nicht die richtige Fachperson ist und sagte den Termin einen Tag vorher ab. Nun habe ich eine Rechnung von Fr. 100.– erhalten für den verpassten Termin. Muss ich diese Rechnung bezahlen?

ANTWORT | Nein. Terminabsprachen dienen in erster Linie der besseren Organisation. Erst die am Termin erbrachte Leistung gibt einen Anspruch auf Vergütung. Mit Ihrer ersten Terminanfrage haben Sie noch keinen Behandlungsvertrag mit dem Masseur abgeschlossen. Stattdessen hätte sich beim ersten Treffen gezeigt, ob der Masseur Ihnen überhaupt hätte helfen können und ob Sie mit seinem vorgeschlagenen Behandlungsplan einverstanden gewesen wären. Es hätte auch sein können, dass der Masseur die Behandlung abgelehnt hätte. Mit Ausnahme eines kurzen Telefonats zur Terminvereinbarung gab es keine weiteren Gespräche zwischen Ihnen und dem Masseur. Damit hatte der Masseur keinen Anlass, auf einen Vertragsabschluss zu vertrauen und darf keine Entschädigung für den ausgefallenen Termin verlangen. Anders sähe die Sachlage aus, wenn Sie während laufender Behandlung einen Termin verpasst oder zu spät abgesagt hätten.

In diesem Fall bestünde eine vertragliche Grundlage zwischen Ihnen und dem Masseur und die Termin- vereinbarung diente nicht nur der Arbeitsorganisation sondern wäre eine verbindliche Auftragserteilung, die den Masseur ver- pflichtete sich Zeit für Sie zu reservieren. Kann er die entstan- dene Lücke im Terminkalender nicht anderweitig mit verre- chenbarer Arbeit füllen, entsteht ihm ein Schaden und Sie wären zu Ersatz verpflichtet.

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Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau
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