Abzockerinitiative war für die Katz!

Von | 14. März 2018 | Gedanken

Vor fünf Jahren hat das Schweizer Volk über die soge­nannte Abzo­cker­initia­tive abge­stimmt. Das Ziel war klar: Keine Auswüchse mehr in Sachen Vergütungen an Top­ma­nager. Nach der Annahme dieser Volks­in­itia­tive durch die Stimmbürger war der Schweizer Bun­desrat ver­pflichtet, eine ent­spre­chende Ver­ord­nung zu erlassen, welche unter dem Titel «Ver­ord­nung gegen übermässige Vergütungen bei bör­sen­ko­tierten Akti­en­ge­sell­schaften für Schweizer Akti­en­ge­sell­schaften» ver­bind­lich anzu­wenden sei. Fünf Jahre nach der Annahme muss man sagen, dass die Initia­tive wenig bis nichts gebracht hat, ausser dass der Initiant Thomas Minder in den Stän­derat gewählt wurde. Der jüngste Fall Raiff­eisen zeigt in aller Deut­lich­keit, dass Manager immer Wege finden, sich zusätz­liche Ein­nahmen zu ver­schaffen.

Es muss ja nicht immer so übertrieben werden wie im Fall Vin­cenz. Man kann sich auch in der Grau­zone bewegen! Top­ma­nager haben zu anderen Unter­neh­mungen meist aus­ge­zeich­nete Ver­bin­dungen, wes­halb eine neben­amt­liche Zusam­men­ar­beit oder ein zusätz­li­ches Geschäft nichts Aus­ser­ge­wöhn­li­ches ist. Die Panama Papers sind ein wei­teres Indiz dafür, dass ein­zelne Manager nie genug ver­dienen können. Der Fall Thiam (Credit Suisse) ver­deut­licht eben­falls, wie man ele­gant weiter extra­or­bi­tant ver­dienen kann. Offi­ziell ver­diente er im Jahr 2015 zwar «nur» 4,6 Mil­lionen Franken.

Für ent­gan­gene Lohn­an­teile erhielt er dafür Aktien, so dass er letzt­lich auf eine «beschei­dene» Jahresvergütung von 18,9 Mil­lionen Franken kam. Selbst­ver­ständ­lich lief das alles legal ab. Das Bei­spiel zeigt aber in aller Deut­lich­keit, wie man die gesetz­li­chen Gege­ben­heiten ele­gant umkurven kann. Inter­es­sant ist auch die inter­na­tio­nale Korn Ferry Hay Studie:

Die im ver­gan­genen Jahr ver­öf­fent­lichte Studie ergab fol­gendes Bild: Durch­schnitt­lich ver­dienen euro­päi­sche CEOs 3,6 Mil­lionen Euro. Die Schweizer toppen gemäss Unter­su­chung die Werte deut­lich: Top-Manager erhalten gemäss der Studie 172 Pro­zent des euro­päi­schen Mit­tel­wertes. In einer anderen euro­päi­schen Studie ist fol­gendes Fazit zu lesen: «Im Schnitt ergab sich eine durch­schnitt­liche Gehalts­summe der Top­ma­nager von 3,7 Mil­lionen Euro. Wäh­rend ein Gross­teil der Vergütung in Deutsch­land bar aus­be­zahlt werde, erhielten die Chefs bri­ti­scher oder schwei­ze­ri­scher Unter­nehmen den Löwen­an­teil in Form von Aktien.»

Fazit des Land­an­zei­gers zur Situa­tion: «Wer hat, dem wird gegeben – aber nicht nur Bares ist Wahres!» Klappt das nicht, findet man bestimmt einen Weg, durch Zusatz- und Neben­ge­schäfte zu einem «ange­messen» Gehalt zu kommen.