Mari­anne Wehrli, LL.M Rechts­an­wältin

Drohbrief von einem deutschen Anwalt

Von | 16. Mai 2018 | Rat­geber Recht

FRAGE | Ich habe auf meiner Inter­net­seite ein Gedicht auf­ge­schaltet, auf das ich in einem älteren Buch gestossen bin. In diesem Buch wird der Ver­fasser als unbe­kannt ange­geben. Das habe ich auch auf meiner Web­seite so gemacht. Nun erhielt ich ein Droh­schreiben eines deut­schen Anwalts, der mir eine Ver­let­zung des Urhe­ber­rechts vor­wirft und von mir mehr als 1000 Euro Straf­geld ver­langt. Er behauptet, er ver­trete einen Verlag, der an diesem Gedicht berech­tigt sei. Er gibt auch einen Namen des angeb­li­chen Dich­ters an. Im Internet habe ich nichts über diesen Dichter gefunden. Über den Anwalt seinen Kli­enten gibt es dagegen viele Ein­träge von Leuten, die auch zahlen sollen. Kann ich das Schreiben ein­fach igno­rieren oder muss ich mir Sorgen machen?

ANTWORTWeder noch. Ein­fach igno­rieren sollten Sie das Schreiben nicht. Sich ein­schüch­tern lassen und bezahlen müssen Sie aber auch nicht. Das Urhe­ber­recht dauert in vielen Län­dern bis 70 Jahre nach dem Tod des Künst­lers. Bei anonymen Werken erlischt das Urhe­ber­recht 70 Jahre nach der Ver­öf­fent­li­chung, bzw. Schaf­fung des Werkes.

Ohne nähere Angaben zum Künstler und einem Nach­weis, dass das Urhe­ber­recht auf den vom Anwalt ver­tre­tenen Verlag über­ge­gangen ist, können Sie die Recht­mäs­sig­keit der For­de­rung nicht über­prüfen.

Ich emp­fehle Ihnen des­halb, den Anwalt per Ein­schreiben um Infor­ma­tionen und Belege zu seinem Man­danten, dessen Urhe­ber­recht sowie zum Künstler und Gedicht bitten. Sollten Sie keine Unter­lagen erhalten, ist an der Sache nichts dran und Sie müssen auf die For­de­rung sicher nicht ein­gehen.

Rechts­fragen können gestellt werden an:

Mari­anne Wehrli, Rechts­an­wältin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch