Dr. Hans-Kaspar Scherrer (Bild: zVg)

125 Jahre Strom für die Region

Eniwa – im neuen Daheim, mit Schwung in die Zukunft

13. Juni 2018 | News

Die Eniwa (ehe­mals IBAarau) feiert am kom­menden Wochen­ende mit einem Tag der offenen Tür einer­seits den Einzug ins neue Gebäude – ande­rer­seits auch das 125-jäh­rige Jubi­läum der regio­nalen Strom­ver­sor­gung. Der Land­an­zeiger hat sich im Vor­feld des wich­tigen Wochen­endes mit Geschäfts­leiter Dr. Hans-Kaspar Scherrer unter­halten.

Der Land­an­zeiger: Herz­liche Gra­tu­la­tion zum Jubi­läum und zum Neubau. Die Eniwa reitet offenbar auf einer Erfolgs­welle. Ist dem so?

Scherrer: Wir haben viele erfolg­reiche Jahre hinter uns und einige Inves­ti­tionen in unsere Zukunft getä­tigt, damit wir die Anfor­de­rungen der Eigen­tümer, der Politik und auch der Kun­dinnen und Kunden auch in Zukunft erfüllen können. Der Gewinn lag im 2017 trotz grossen Inves­ti­tionen nur knapp unter dem Vor­jah­res­wert. Mit dem Ausbau der Fern­wärme-/Fern­käl­te­ver­sor­gung, dem neuen Was­ser­re­ser­voir und dem geplanten Neubau des Was­ser­kraft­werks haben wir wei­tere span­nende Pro­jekte vor uns, welche lang­fristig die Ver­sor­gung sicher­stellen werden.

Der Land­an­zeiger: Einige Zeit­ge­nossen stören sich am teuren Neubau. Sie behaupten, dass dieser über hohe Strom­preise finan­ziert wird. In der Tat war ein Strom­preis­ver­gleich in der Aar­gauer Zei­tung für die Eniwa wenig schmei­chel­haft.

Scherrer: Der Neubau gibt dem Unter­nehmen die Mög­lich­keit, zum ersten Mal in der Unter­neh­mens­ge­schichte die Syn­er­gien zwi­schen Pro­jekt­lei­tung, Engi­nee­ring und Aus­füh­rung optimal zu nutzen und ver­fügt auch über Raum­re­serven für das wei­tere Wachstum. Ein Teil der Reserven ist bereits ver­mietet. Für die anderen Flä­chen gibt es auch schon Inter­es­senten. Der Strom­preis ist in der Schweiz durch die Eid­ge­nös­si­sche Elek­tri­zi­täts­kom­mis­sion über­wacht und regu­liert. Die Gewinne aus dem Strom­ge­schäft sind für alle Anbieter limi­tiert und hängen beim Strom­netz mit dem Wert und den Inves­ti­tionen in die Netz­er­neue­rung, bei der Energie mit den Beschaf­fungs­kosten zusammen. Der Neubau hat also auf den Strom­preis nur mini­malen Ein­fluss. Der höhere Strom­preis von Eniwa hängt mit der Qua­lität der gelie­ferten Energie zusammen, welche aus 100 Pro­zent Was­ser­kraft Schweiz besteht. Zudem hat Eniwa auch seit einigen Jahren Ersatz­in­ves­ti­tionen in das in die Jahre gekom­mene Mit­tel­span­nungs­netz getä­tigt, was sich in den Netz­kosten aus­wirkt.

Der Land­an­zeiger: Auch ver­schie­dene Gemeinden auf dem Lande wie etwa Ober- und Unter­ent­felden werden durch die Eniwa betreut. In Köl­liken aller­dings blitzte die Eniwa ab. Ein Grund war der tiefe Strom­preis. Wie sehen Sie die zukünf­tige Zusam­men­ar­beit mit den Land­ge­meinden um Aarau?

Scherrer: Wir sind ein regio­nales Unter­nehmen, das die Stadt Aarau und seit über 125 Jahren auch die umlie­genden Gemeinden mit Strom und Erdgas und teil­weise Trink­wasser ver­sorgt. Unsere Zusam­men­ar­beit mit den benach­barten Gemeinden in unserem Ver­sor­gungs­ge­biet ist seit Jahren sehr gut, Köl­liken ein­ge­schlossen. Wir haben den Köl­li­kern ein Modell ange­boten, wo sie wei­terhin von den der­zeit güns­tigen Grau-Strom­preisen am Markt hätten pro­fi­tieren können. Die Bevöl­ke­rung hat sich klar gegen einen Ver­kauf der EWK Energie AG ent­schieden – obschon dieser Ver­kauf ja nur eine 25-jäh­rige Kon­zes­si­ons­dauer für das Strom­netz umfasst hätte. Für die Eniwa ist die regio­nale Zusam­men­ar­beit in allen Energie und Ver­sor­gungs­themen sehr wichtig. Sie wird auf­grund der zahl­rei­chen Ver­än­de­rungen bei Markt und Tech­no­logie in Zukunft noch wich­tiger werden.

Der Land­an­zeiger: Den Ener­gie­kon­zernen (Bei­spiel Alpiq) weht ein rauer Wind ent­gegen. Kann man auch künftig als klei­nerer Ener­gie­lie­fe­rant noch genü­gend ver­dienen?

Scherrer: Mit­tel­grosse Quer­ver­bund-Unter­nehmen wie Eniwa haben einer­seits die finan­zi­elle Stärke, neue Geschäfts­felder zu ent­wi­ckeln, ande­rer­seits die Fle­xi­bi­lität, zeitnah auf Markt­ver­än­de­rungen reagieren zu können. Die breite Palette an Geschäfts­fel­dern gibt auch eine Robust­heit, falls einmal ein Geschäfts­feld etwas weniger Ertrag bringen sollte. Wir bieten – nebst der tra­di­tio­nellen Ener­gie­ver­sor­gung mit Strom, Erdgas, Wärme und Kälte – auch ver­mehrt Ener­gie­dienst­leis­tungen an, um unsere Anteile im freien Markt zu stei­gern.

Der Land­an­zeiger: Der Neubau ist zwar sehr schön, aber er wird even­tuell künftig beschattet durch die Hoch­häuser des Aar­auer Fuss­ball­sta­dions. Ist das für Sie ein grosses Pro­blem? Haben Sie an einem fal­schen Ort gebaut? Immerhin darf Ihr Unter­nehmen als Gegen­leis­tung der­einst das Sta­dion aus­leuchten.

Scherrer: Wir haben vor vielen Jahren die Areal­ent­wick­lung des ‹Mit­tel­land­parks› unter­stützt und wussten also bereits bei der Pla­nung des neuen Stand­orts im Tor­feld, dass das neue Fuss­ball­sta­dion nebenan gebaut werden sollte. Die ursprüng­liche Are­al­pla­nung, welche für die Über­bauung unseres Areals berück­sich­tigt wurde, hat eine deut­lich tie­fere Nut­zung und andere Gebäude vor­ge­sehen. Das nun mit mini­malem Grenz­ab­stand auf der ganzen West­seite vor­ge­sehen 75 m-Hoch­haus stösst bei uns sicher nicht nur auf Begeis­te­rung. Wir sind aber zuver­sicht­lich, dass im Rahmen des Gestal­tungs­plans noch Ver­bes­se­rungen rea­li­siert werden können. Wir sind zudem schon seit Jahren Spon­so­ring-Partner beim FC Aarau und pflegen eine gute Part­ner­schaft. Wir wollen das Sta­dion nicht ver­hin­dern und freuen uns, wenn auf der Nach­barspar­zelle attrak­tive Bauten ent­stehen, welche auch von uns genutzt werden können.

Der Land­an­zeiger: Die ehe­ma­lige IBA ver­kaufte einst Aktien. Wie sehen die Besitz­ver­hält­nisse heute aus? Sind von Ihrem Unter­nehmen noch Aktien erhält­lich?

Scherrer: Wir haben nach der Pri­va­ti­sie­rung im Jahr 2000 im Jahr 2011 das Aktio­na­riat der dama­ligen IBAarau AG geöffnet und knapp 3 Pro­zent oder eine Inves­ti­ti­ons­summe von 9 Mil­lionen Franken am freien Markt bei unseren Kun­dinnen und Kunden plat­zieren können. Der Stadtrat möchte nun wei­tere 15 Pro­zent Aktien der Eniwa Hol­ding AG an inter­es­sierte Inves­toren ver­kaufen. Damit findet eine wei­tere Ent­flech­tung von Politik und Ener­gie­ver­sor­gung statt.

Der Land­an­zeiger: Wieso der Namen­wechsel – und dann aus­ge­rechnet noch auf Eniwa? Das kos­tete bestimmt eine Unmenge Geld. Eniwa heisst auch ein Vulkan in Japan – gibt es da einen Bezug?

Scherrer: Wir haben den Zeit­punkt sehr bewusst zeit­gleich mit dem Umzug in den Neubau, der neuen Orga­ni­sa­tion per 1. Januar 2018 und dem Jubi­lä­ums­jahr gewählt, um nicht unnötig Mehr­kosten zu gene­rieren. Auch haben wir keine teure Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kam­pagne lan­ciert, son­dern vor allem Fahr­zeuge, Berufs­klei­dung und Gebäude dafür genutzt, das neue Erschei­nungs­bild in der Region bekannt zu machen. Die Öffent­lich­keit ist herz­lich ein­ge­laden, sich am kom­menden Wochen­ende am Tag der offenen Tür bei uns vor Ort ein Bild von unserem neuen Auf­tritt zu machen. Eniwa ist ein neu­traler Name, der bisher in der Schweiz noch nicht ver­wendet wurde. Wer etwas sucht, der findet sowohl das alte EWA oder auch die Abkür­zungen für Energie, Netze, Instal­la­tionen, Wasser und Aarau im neuen Namen wieder. Die Erfolge von Marie-The­rese Nadig und Bern­hard Russi in den Abfahrts­rennen am Mount Eniwa an der Olym­piade in Sap­poro mögen uns eben­falls zu Top­leis­tungen moti­vieren, denn diese braucht es in der Zukunft.

Der Land­an­zeiger: Welche Energie sehen Sie als Energie der Zukunft?

Scherrer: Die Eniwa Gruppe inves­tiert in erneu­er­bare Ener­gien mit Prio­rität im eigenen Ver­sor­gungs­ge­biet. Unser Fokus liegt der­zeit bei der Erneue­rung des Was­ser­kraft­werks Aarau, wo wir die dritte Kon­zes­si­ons­pe­riode von 2018 bis 2085 unter­zeichnet haben und dem­nächst mit den Erneue­rungs­ar­beiten starten sowie beim Ausbau der erneu­er­baren Fernwärme/​Fernkälte in den umlie­genden Gemeinden. Mit Sonne und Biogas planen wir wei­tere Anlagen in den nächsten Jahren. Beim Wind haben wir zusammen mit anderen Schweizer Stadt­werken bei Swis­spower Rene­wa­bles inves­tiert. Wir setzen uns ent­spre­chend den Umwelt­vor­gaben von Bund, Kan­tonen und der Stadt Aarau aktiv dafür ein, dass die Ener­gie­zu­kunft mög­lichst res­sour­cen­scho­nend und effi­zient gestaltet werden kann. Das ist ent­spre­chend auch unsere Fir­men­phi­lo­so­phie: Energie. Ein­fach nach­haltig.

Die aller­wich­tigste Energie ist aller­dings die Energie, die unsere Mit­ar­bei­te­rinnen und Mit­ar­beiter tag­täg­lich auf­bringen, damit die Ver­sor­gung ein­wand­frei klappt und neue Pro­jekte meist über viele Jahre und kom­plexe Ver­fahren zur Bewil­li­gung gebracht und dann rea­li­siert werden können.

Wir bedanken uns für die Beant­wor­tung der Fragen und wün­schen Ihrem Unter­nehmen viele Besu­cher zu den Tagen der offenen Tür sowie eine erfolg­reiche Zukunft. Der Land­an­zeiger bedankt sich bei dieser Gele­gen­heit für die jah­re­lange gute Zusam­men­ar­beit mit der ehe­ma­ligen IBA.

Inter­view: MS