Aar­gau­er Alt­städ­te |

Geht ohne poli­ti­sche Steue­rung nichts?

Von | 25. Okto­ber 2017 | News, aar­au info

An der Herbst­ver­samm­lung des ZENTRUM Aar­au erläu­ter­te Peter C. Beye­ler, ehe­ma­li­ger Regie­rungs­rat und Prä­si­dent der IG Aar­gau­er Alt­städ­te, wes­halb in den Alt­städ­ten nicht nur der Detail­han­del selbst vom Wan­del betrof­fen ist.

Die Alt­städ­te ste­hen bei der Fest­le­gung der künftigen Nut­zung vor gros­sen Her­aus­for­de­run­gen. Bleibt der Detail­han­del ein wich­ti­ger Bestand­teil oder gibt es neue Nut­zungs­for­men. Vom schnel­len Wan­del sind nicht nur die Fach­ge­schäf­te betrof­fen, son­dern auch das gan­ze Umfeld, so die Stadt­exe­ku­ti­ven, die Eigentümer der Lie­gen­schaf­ten, die Anwoh­ner­schaft, die Wir­te der Gast­stät­te und die Kund­schaft. «Nur wenn die Kund­schaft die Wer­te des Detail­han­dels in den Aar­gau­er Städ­ten und Alt­städ­ten erkennt, kann mit den erfor­der­li­chen Umsät­zen gerech­net wer­den », hielt Beye­ler fest. Die Trends in der Gesell­schaft und in der Wirt­schaft führen zu Ver­än­de­run­gen in vie­len Lebens­be­rei­chen. «Sie öff­nen neue Chan­cen, sie for­dern aber auch», fügte Beye­ler an. Zu den Eigen­hei­ten der heu­ti­gen Trends gehört die Schnel­lig­keit des Ver­laufs, die Mit­be­stim­mung von Soci­al­me­dia und der Anspruch, dass man sich irgend­wann dar­auf ein­stel­len muss. Aber wie und wann?

Der Wan­del läuft

Die Ver­än­de­run­gen in Städ­ten wie Aar­au sind viel­fäl­tig. Läden schlies­sen, der Bran­chen­mix schwin­det, Gast­städ­te wan­deln sich, Lie­gen­schaf­ten wer­den auf­wän­dig reno­viert mit teu­ren Woh­nun­gen, was zur Ver­än­de­rung sozia­ler Struk­tu­ren führt. Kurz: Damit die Alt­städ­te wei­ter pul­sie­ren, muss gehan­delt wer­den. Die wich­tigs­te Erkennt­nis im Bedürfnis der Zusam­men­ar­beit ist, dass es die Anbie­ter, die Lie­gen­schafts­be­sit­zer, die Behör­den und die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer braucht. «Die Eigen­heit ist, dass die Inter­es­sen der Betei­lig­ten und Betrof­fe­nen teils widersprüchlich sind», stell­te Beye­ler fest. Hier liegt das Pro­blem.

Kern­fra­ge im Ver­än­de­rungs­pro­zess

Die Ant­wort auf die Fra­ge «Wie wer­den Mass­nah­men pra­xis­be­zo­gen umge­setzt und wer hat das Poten­ti­al zu steu­ern, zu kon­trol­lie­ren und durch­zu­set­zen» ist zen­tral. Soll man den Ver­än­de­rungs­pro­zess ein­fach lau­fen las­sen oder soll er gesteu­ert wer­den?

Für den Vor­stand der IG Aar­gau­er Alt­städ­te ist klar, dass auf­grund des schnel­len und mar­kan­ten Ver­än­de­rungs­pro­zes­ses (Digi­ta­li­sie­rung, Ein­kaufs­ver­hal­ten) gehan­delt wer­den muss. Han­deln heisst aber auch Mass­nah­men tref­fen, und zwar effi­zi­ent und zeit­rich­tig. «Führen Mass­nah­men zu einer bes­se­ren Ent­wick­lung der Alt­stadt, pro­fi­tie­ren alle Betrof­fe­nen und Betei­lig­ten», fol­ger­te Beye­ler. Er zeig­te sich auch überzeugt davon, dass der Lead bei der Stadt­exe­ku­ti­ve lie­gen muss. «Der Stadt­rat hat die Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Stadt­ent­wick­lung, er kann sich auf eine pro­fes­sio­nel­le Orga­ni­sa­ti­on abstützen und ein übergeordnetes Con­trol­ling lei­ten».

Stamm­tisch mit Betei­lig­ten

Seit gerau­mer Zeit wird von der Stand­ort­för­de­rung Baden ein Stamm­tisch mit Betrof­fe­nen des Detail­han­dels, der Gas­tro­no­mie, der Lie­gen­schafts­be­sit­zer und mit an der Ent­wick­lung der Innen­stadt inter­es­sier­ten Per­sön­lich­kei­ten geführt. Die Stand­ort­för­de­rung ist Teil der Ver­wal­tung, womit die Ein­bin­dung der Behör­den gewähr­leis­tet ist. An den monat­lich statt­fin­den­den Mee­tings wer­den nicht nur aktu­el­le Sor­gen und Nöte behan­delt, auch anste­hen­de Akti­vi­tä­ten und weit­sich­ti­ge Ent­wick­lungs­dis­kus­sio­nen wer­den geführt. Der Gedan­ken­aus­tausch mit Direkt­be­trof­fe­nen wird als effi­zi­ent und zielführend bezeich­net. Das ZENTRUM Aar­au hat nicht nur die Gründung eines Stamm­ti­sches in Aar­au ange­scho­ben, es wur­de auch ein ers­tes Tref­fen zum Erfah­rungs­aus­tausch in Baden ver­ein­bart. Es gilt nun, die Teil­neh­men­den am Stamm­tisch zu erfas­sen und das Mee­ting vom 21. Novem­ber in Baden vor­zu­be­rei­ten. Im März 2018 wer­den die Stadt­rä­te aller 13 Aar­gau­er Städ­te zum Alt­stadt­gip­fel ein­ge­la­den. An die­ser Ver­samm­lung wird über die Erkennt­nis­se und Mass­nah­men infor­miert und es ist das erklär­te Ziel, dass die Ent­wick­lung der Alt­städ­te in allen Städ­ten auf die Lis­te der Legis­la­turzie­le kommt. Klar ist aber allen: Es muss schnell gehen.

IG Aar­gau­er Alt­städ­te

Im Juni 2015 haben die 13 Aar­gau­er Alt­städ­te zur För­de­rung und Ver­mark­tung der Innen­städ­te einen Ver­ein gegründet. Am 30. Novem­ber wer­den an der 4. Jah­res­ver­samm­lung Berich­te und Mass­nah­men prä­sen­tiert.

Der Kan­ton Aar­gau verfügt über ein­zig­ar­ti­ge his­to­ri­sche Alt­städ­te. Die­se haben regio­na­le Aus­strah­lung und wir­ken bei der Bevöl­ke­rung iden­ti­täts­stif­tend; sie sind Spie­gel der Geschich­te des Kan­tons und in unter­schied­li­chen Aus­prä­gun­gen bil­den sie die kul­tu­rel­len und gesell­schaft­li­chen Zen­tren ihrer Regi­on. Städ­te, wel­che über einen his­to­ri­schen Kern verfügen, sind aber auch mit spe­zi­el­len Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert. Bei­spie­le sind ver­än­der­te gesell­schaft­li­che und wirt­schaft­li­che Ansprüche oder Nut­zungs­kon­fl ikte. Mit dem Ziel, die gemein­sa­me För­de­rung und Stär­kung der Alt­städ­te im Kan­ton Aar­gau an die Hand zu neh­men, wur­de 2015 der Ver­ein Aar­gau­er Alt­städ­te gegründet. Mit­glie­der des Ver­eins sind alle zwölf Aar­gau­er Städ­te und der ehe­ma­li­ge Markt­fl ecken Bad Zurz­ach. Seit der Gründung des Ver­eins wur­de die Stär­kung der Alt­städ­te unter den drei Gesichts­punk­ten «Ent­wi­ckeln», «Bele­ben» und «Ver­net­zen» inten­siv vor­an­ge­trie­ben. Mit­glie­der des Vor­stan­des sind Peter C. Beye­ler (Baden, Prä­si­dent), Peter And­res (Zurz­ach, Geschäftsführer), Bri­git­te Albis­ser (Zofi ngen, Tou­ris­mus), Kurt Schnei­der (Aar­au, Nut­zer und Ent­wick­lung), Mar­cel Suter (Aar­au, Wirt­schaft), Oli­ver Bach­mann (Metron AG, Brugg).

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