Mari­an­ne Wehr­li, LL.M Rechts­an­wäl­tin

Geld­ge­schen­ke des Vaters – ein Bume­rang?

Von | 23. Janu­ar 2018 | Rat­ge­ber Recht

FRAGE | Ich habe drei Geschwis­ter. Nach dem Tod unse­rer Mut­ter kümmerte ich mich meh­re­re Jah­re um unse­ren Vater. Ich habe ihm anfäng­lich ein­zel­ne Arbei­ten im Haus­halt und Gar­ten abge­nom­men. Im Lau­fe der Zeit kam immer mehr Unterstützung dazu. Mein Vater war immer sehr dank­bar und hat mir meh­re­re Male Geld geschenkt als Dan­ke­schön für mei­ne Hil­fe. Mei­ne Geschwis­ter haben sich kaum um unse­ren Vater gekümmert. Kaum ist er ver­stor­ben schreibt mir ihr Rechts­an­walt, ich müsse einen Teil des geschenk­ten Gel­des zurückzahlen, damit mei­ne Geschwis­ter gleich viel erhiel­ten. Ist das rech­tens?

ANTWORTVer­mut­lich ja. Ihr Vater durf­te zu Leb­zei­ten zwar grund­sätz­lich frei über sein Ver­mö­gen verfügen. Natürlich durf­te er auch Schen­kun­gen vor­neh­men. Wer­den Schen­kun­gen oder ande­re Ver­mö­gens­vor­tei­le aber an gesetz­li­che Erben gewährt, unter­ste­hen die­se Vor­tei­le den Aus­gleichs­vor­schrif­ten des Erb­rechts. Kin­der haben gemäss Art. 626 Abs. 2 ZGB (fast) alles zur Aus­glei­chung zu brin­gen und sich an ihren Erb­an­teil anrech­nen zu las­sen, was sie z. B. als Erbvorbezüge von Geld­be­trä­gen, Gegen­stän­den, Grundstücken, usw. vom ver­stor­be­nen Eltern­teil zu Leb­zei­ten erhal­ten haben.

Der Erb­las­ser muss sei­ne Nach­kom­men ausdrücklich von der Aus­glei­chungs­pflicht befrei­en, wenn er ein Kind gegenüber den ande­ren begünstigen möch­te.

 

Damit sind die For­de­run­gen Ihrer Geschwis­ter nicht abwe­gig. Es bleibt Ihnen aber die Mög­lich­keit nach­zu­wei­sen, dass Ihr Vater Sie bevor­zu­gen woll­te, bzw. dass er Sie für Ihre jah­re­lan­ge Hil­fe ent­schä­dig­te und es sich nicht um aus­glei­chungs­pflich­ti­ge Schen­kun­gen han­del­te.

Ich emp­feh­le Ihnen, sich von einem im Erbrecht spe­zia­li­sier­ten Anwalt bera­ten zu las­sen oder Ihren Geschwis­tern alter­na­tiv eine Media­ti­on vor­zu­schla­gen um eine ein­ver­nehm­li­che Lösung zu fin­den.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mari­an­ne Wehr­li, Rechts­an­wäl­tin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aar­au
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch