Päuli Hofer ver­ab­schiedet sich von seiner Musik­kar­riere (Bild: Sarah Künzli)

Am 4. Mai ver­ab­schiedet sich Päuli Hofer mit einem Kon­zert mit Tex & Co. von seiner Musik­kar­riere

«Ich war gezwungenermassen einer der ganz seriösen Rockmusiker»

25. April 2018 | News 2

Mit der Hagel­wätter Blues Band und Blue­saho­lics tourte er durch die ganze Schweiz und Deutsch­land. Mit einem letzten Kon­zert mit Tex & Co. in der Baro­nessa Lenz­burg am 4. Mai beendet Päuli Hofer nun end­gültig seine Musik­kar­riere.

«Die erste Kon­zertan­frage von einem Alters­heim will ich mir ersparen», sagt Päuli Hofer lachend als wir ihn zum Inter­view in der Schule Köl­liken treffen. Dort unter­richtet Päuli Hofer seit 30 Jahren Real­schul­klassen. Neben seinem Leh­rer­da­sein war er aber vor allem eines: Musiker. 45 Jahre lang war die Musik sein Weg­be­gleiter. Er spielte, chrampfte, kom­po­nierte, tex­tete und orga­ni­sierte – alles für die Musik.

Päuli Hofer war ein musi­ka­li­scher Macher, einer der Ideen hatte und diese dann mit Herz­blut umsetzte. Ob Fes­ti­vals, Kon­zerte oder Musik in der Schule, Päuli Hofer hat sich für die Region enga­giert. So ent­stand bei­spiels­weise auch der Rock­chor, der erste seiner Art. Nach dem Jubi­läum zum 25-jäh­rigen Bestehen wurde er aber auf­ge­geben.

Immer auf dem Sprung

Musi­ka­lisch waren es vor allem Mundart-Songs, von denen Päuli Hofer angetan war. «Es hat mir unglaub­lich gefallen nicht ein­fach Musik zu machen, son­dern auch etwas zu sagen», erklärt Päuli Hofer. So war es auch eine Mundart-Band, die, nach seiner Zeit in der Band Rave Up, in den 80er Jahren sein erstes Gross­pro­jekt wurde. Mit der Hagel­wätter Blues Band spielte er überall: Open Air St. Gallen, Gurten, Mon­treux, 275 Kon­zerte und zwei Tour­neen. «Wir haben alles gespielt und waren immer auf dem Sprung», erin­nert er sich zurück. Sogar den Sprung in die Hit­pa­rade wurde mit «Tour de Sol» geschafft.

«Für eine Pro­fi­mu­si­ker­kar­riere reichte es aber nicht. Dafür stimmten die Ein­nahmen ein­fach nicht», sagt er. Zwar liefen Kon­zerte in der Region oder Fes­ti­vals immer super, sobald es aber weiter weg­ging, sie allei­niger Act des Abends waren, fehlten schlichtweg die Kon­zert­be­su­cher. «Um sie zu mobi­li­sieren, brauchst du das Radio und dafür wie­derum gute Ver­käufe. Fast schon ein Teu­fels­kreis», sagt Päuli Hofer. «Zudem war ich nie ein Crack am Instru­ment. Ich konnte vieles, Kla­vier, Gitarre, Mund­har­mo­nika, Singen, aber nichts her­aus­ra­gend.»

Wie ein Hagel­wätter bei­nahe Hagel­wätter ret­tete

«Bei Hagel­wätter habe ich die ver­rück­teste Zeit erlebt», erin­nert sich Päuli Hofer gerne zurück. Doch die Liebe kam dazwi­schen, eine Welt­reise war geplant und irgendwie schien die Luft bei Hagel­wätter raus zu sein. Ein Jahr setzte Päuli Hofer aus. «Da es mit Hagel­wätter aber nie ein Abschieds­kon­zert gegeben hatte, ent­schieden wir uns dies ein Jahr später nach­zu­holen.» Es folgte eines seiner ein­drück­lichsten Momente in seiner Musik­kar­riere.

Es kam Brienz: «Ein Mords­ge­witter kam aus den Laut­spre­chern aber auch auf Brienz zu. Genau in dem Moment als wir ange­fangen haben zu spielen, kam das Gewitter. Alle flüch­teten zu uns ins Fest­zelt vor die Bühne und wir hatten ein Zelt mit 800 Leuten gefüllt, die zu unserer Musik her­um­tobten und tanzten.

Ein unglaub­lich schönes Erlebnis», schwärmt Päuli Hofer. So kam es dann auch, dass Hagel­wätter noch vor Polo Hofer zum Publi­kums­lieb­ling gekürt wurde. «Eine Band, die es eigent­lich gar nicht mehr gab», sagt Päuli Hofer. Das Hagel­wätter konnte Hagel­wätter aber nicht retten. Die Band löste sich trotzdem auf.

Päuli und Polo Hofer

Apropos Polo Hofer. Mundart-Texte, der Musik­stil, der Name, da gibt es defi­nitiv mehr als eine Par­al­lele zwi­schen Polo und Päuli Hofer. «Polo Hofer habe ich gut gekannt und es gibt viele wit­zige Geschichten über Päuli und Polo Hofer», sagt der Hofer aus Köl­liken und beginnt zu erzählen: «An einer AKW-Demons­tra­tion in Gösgen haben wir uns hinter der Bühne getroffen und haben ein biss­chen geplau­dert. Ein Bekannter von mir kam dazu, grüsste mich und wech­selte einige Worte mit mir. Wäh­rend­dessen steht Polo daneben. Plötz­lich dreht sich mein Bekannter zu Polo um und fragt »Jä ond du? Machsch du au Musig?» Er nahms mit dem polo­üb­li­chen Humor.

Geschuftet wie ein Ochse

Musi­ka­lisch folgten nach kurzen Ver­su­chen mit Nata­scha und Toni Vescoli zwölf Jahre Blue­saho­lics. «Ich habe geschuftet wie ein Ochse», sagt Päuli Hofer. Drei Stu­dio­pro­duk­tionen, eine Live­scheibe mit DVD zum 10-jäh­rigen Bestehen, vier Tour­neen, 293 Kon­zerte. Er hat alles orga­ni­siert, war bei jedem Kon­zert dabei, wobei es bis zu 50 Kon­zerte in einem Jahr sein konnten, hat den Bus gefahren, ein- und aus­ge­räumt. «In meiner ganzen Musik­kar­riere hatte ich nie grosse Exzesse, weil ich immer der Fahrer war. Ich war »gezwung­ner­massen« einer der ganz seriösen Rock­mu­siker», sagt Päuli Hofer lachend.

Nach zwölf Jahren Blue­saho­lics wurde es ihm zuviel. «Ich wurde 2005 spät­be­ru­fener Vater und musste ein­sehen, dass die Zeit für Familie und Musik nicht reichte», so der heute 61-Jäh­rige.

Jetzt sind die Kinder dran

Doch es ging nicht lange so ganz ohne Musik. Nach einigen Kon­zerten mit der SWISS Band konnte er sich bei Tex & Co. noch einmal so richtig aus­leben: Orgel, Kla­vier, Gitarre und Bluesharp spielen, Singen, seine eigenen Stücke bringen. Das alles aber ganz sparsam mit sechs, sieben Kon­zerten im Jahr. «Mein Sohn fährt im Winter Ski­rennen und im Sommer Bikerennen und auch meine Tochter braucht viel Zeit», sagt Päuli Hofer. «Jetzt stehe ich für die beiden gerne zurück». Des­wegen wird sich Päuli Hofer am 4. Mai mit einem letzten Kon­zert ver­ab­schieden.

SAH

Tex & Co. das Päuli-Abschieds­kon­zert

4. Mai in der Baro­nessa Lenz­burg
Tickets im Vor­ver­kauf werden
emp­fohlen: www.starticket.ch

Tex & Ca. am Fricktaler Blues Festival und am 4. Mai in der Baronessa | Der Landanzeiger

Tex & Ca. am Frick­taler Blues Fes­tival und am 4. Mai in der Baro­nessa (Bild: zVg)