Mordprozess mit fadem Beigeschmack!

Von | 21. März 2018 | Gedanken

Der Land­an­zeiger hatte nichts zu suchen am Mord­pro­zess von Rup­perswil, denn Sen­sa­ti­ons­ha­scherei überlassen wir gerne anderen. Der in Ober­ent­felden auf­ge­wach­sene Gerichts­prä­si­dent Daniel Aesch­bach lei­tete den heiklen Pro­zess her­vor­ra­gend.

Weniger gut kam die Ver­tei­di­gung weg – ja sie war sogar skan­dalös. Wenn man plötz­lich die Opfer zu Tätern machen will – in so einem klaren Fall – dann weiss ich wirk­lich nicht, was in dieser Frau vor­geht. Natürlich sollte eine Ver­tei­di­gung den Man­danten ver­treten und für diesen etwas her­aus­holen. Aber doch nicht so. Würde es nach ihr gehen, könnte der Vier­fach­mörder nach guter Führung und nach Abzug der bereits abge­ses­senen Haft schon in 15 Jahren wieder unter uns sein. Mich schau­dert vor dieser Sze­nerie.

Diese Ver­tei­di­gerin müsste sich einmal in die Ange­hö­rigen der Opfer hin­ein­denken oder sich vor­stellen, wenn das Ver­bre­chen in ihrer Familie pas­siert wäre. Würde sie dann auch so human reagieren? Wenn ja, soll sie den Vier­fach­mörder nach einer even­tu­ellen Haft­ent­las­sung doch gleich bei sich auf­nehmen. Skan­dalös sind auch ihre Pau­schal­rund­schläge. Die Behörden und die Medien gehören da natürlich einmal mehr zu den Vor­ver­ur­tei­lern und zu den Bösen. Dabei haben sich die Medien mehr­heit­lich zurückgehalten. Natürlich wurde über das Straf­mass spe­ku­liert, was auch richtig ist.

Die Tat war bekannt­lich unum­stritten, der Mörder geständig. Die Ver­tei­di­gerin mahnte das Gericht, nicht auf die Volks­mei­nung zu hören. Da stellt sich doch die Frage, ob diese Volks­mei­nung keinen Wert mehr hat? Soll man sich zu einem sol­chen Vor­fall letzt­lich gar nicht mehr äus­sern dürfen? Absurd. Senn wies aus­serdem auf das vor­bild­liche Ver­halten von Thomas N. für seine Arbeit als Trainer im Junioren-Fuss­ball hin. Als ehe­ma­liger Junio­ren­trainer des­selben Ver­eins schau­dert es mich beim Gedanke, dass ein Pädo­philer und Mehr­fach­mörder dort auch Trainer war. Leider suchen sich diese Leute immer solche Jobs aus. Da kommen sie am ein­fachsten zu ihrem Ziel.

Noch ein Gedanke zur Ver­wah­rung. Die Ver­wah­rungs­in­itia­tive wurde ursprünglich aus Opfer­kreisen lan­ciert und vom Schweizer Volk ange­nommen. Pas­siert jeweils etwas mit einem Ex-Häft­ling, wird der Ver­ant­wor­tungs­ball dann hin und her geschoben. Zu überdenken ist auch die Dauer einer lebens­langen Haft. Wenn man bedenkt, dass da einer im besten Fall schon nach 10 Jahren frei kommen kann, stimmt mich das sehr nach­denk­lich. Lebens­läng­lich müsste min­des­tens 50 Jahre heissen. Ansonsten schreckt dies kaum ab. Zudem muss man sich fragen, ob es sinn­voll ist, wenn einer hinter Gitter noch stu­dieren kann. Womög­lich erhält er noch ein Sti­pen­dium. Ein Mehr­fach­mörder sollte eher mög­lichst lange «Nach­stu­dieren» über das, was er ange­richtet hat.