Mari­anne Wehrli, LL.M Rechts­an­wältin

Muss ich zwei Anwälte bezahlen?

Von | 7. März 2018 | Rat­geber Recht

FRAGE | Meine Frau hat einen Anwalt bestimmt, der uns eine Tren­nungs­ver­ein­ba­rung auf­setzen sollte. Im Ent­wurf ist vor­ge­sehen, dass ich die Anwalts­kosten übernehme. Nun hat meine Frau einen zweiten Anwalt auf­ge­sucht, weil sie vom ersten nicht mehr überzeugt ist. Ich frage mich nun, wie­viele Anwälte meine Frau noch kon­tak­tieren darf, die ich bezahlen soll? Bin ich ihr aus­ge­lie­fert?

ANTWORT |Nein. Zwi­schen Anwalt und Klient besteht ein Auf­trags­ver­hältnis. In erster Linie ist also Ihre Frau als Ver­trags­part­nerin des Anwalts zur Bezah­lung des Anwalts­ho­no­rars ver­pflichtet. Der Anwalt könnte seinen Hono­rar­an­spruch nicht gegen Sie durch­setzen. Im Falle einer Tren­nung oder Schei­dung ist es viel­fach nicht nötig, dass beide Ehe­gatten einen eigenen Anwalt beauf­tragen. Sind sie gesprächs- und kom­pro­miss­be­reit kann auch ein Anwalt die Kon­ven­tion vor­be­reiten. In diesen Fällen ver­ein­baren die Ehe­leute meist, das Honorar dieses Anwalts je zur Hälfte zu bezahlen, gleichgültig von wem er ursprünglich beauf­tragt wurde. Eine solche Rege­lung setzt aber die Zustim­mung beider Ehe­leute voraus. Andern­falls bezahlt wie erwähnt der Auf­trag­geber das Honorar alleine.

In Ihrem Fall war Ihre Pflicht zur Bezah­lung des Anwalts­ho­no­rars erst ein Vor­schlag im Kon­ven­ti­ons­ent­wurf. Ihre Frau hat diesen Ent­wurf zwi­schen­zeit­lich ver­worfen. Damit fehlt es an einer ver­bind­li­chen Ver­ein­ba­rung und Ihre Frau muss sowohl den ersten als auch den zweiten Anwalt selbst bezahlen. Natürlich können Sie in einer spä­teren Ver­sion der Tren­nungs­ver­ein­ba­rung auch frei­willig anbieten, sich am Honorar des ersten oder zweiten Anwalts – oder beider – zu betei­ligen.

Rechts­fragen können gestellt werden an:

Mari­anne Wehrli, Rechts­an­wältin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch