Prahlende Superreiche frusten die «Büezer»

Von | 9. Dezember 2017 | Gedanken

In den letzten drei Wochen weilte ich in Süd­ame­rika. Dass dort die Kor­rup­tion hoch ist, weiss man. Die Löhne sind eben sehr tief und da pro­biert selbst der Poli­zist, noch etwas zusätz­lich zu ver­dienen. Da wird ver­ständ­li­cher­weise jede Mög­lich­keit genutzt, irgendwie zu Geld zu kommen, denn da gehts oft ums Über­leben. Das ist nach­voll­ziehbar, wenn man bedenkt, dass ein Gärtner in Para­guay zehn Franken im Tag ver­dient. Wenn der nun noch ein paar Hanf­pf­anzen hinter dem Haus hoch­zieht, ist das normal. In der Schweiz wäre das schon ein Skandal.

Aber hat die Schweiz punkto Kor­rup­tion, ille­galem Geld­ver­dienen und Geld­wä­scherei wirk­lich so eine weisse Weste? Ich denke, dass es hier nicht so aus­ge­prägt und offen­sicht­lich abläuft, aber dass auch hier nicht alles so super­kor­rekt ist, wie das immer dar­ge­stellt wird. Ab und zu wird ein schwarzes Schaf geop­fert. In der Regel exis­tieren da stets noch wei­tere Hin­ter­männer oder auch -frauen? In den Panama Papers sind offen­sicht­lich auch etlich Schweizer in Geld­wä­sche­rei­af­fären ver­wi­ckelt. Die Ver­haf­tung eines Mannes aus der Region Zofingen letzte Woche in Süd­ame­rika spricht da eine deut­liche Sprache.

Dass dieser da allein agiert hat und eine abso­lute Aus­nahme ist, glauben wohl nur die sehr Naiven. Die Gesetz­ge­bung in der Schweiz ist klar, aber auch hier­zu­lande halten sich wie überall nicht alle an die Gesetze. Diese werden nicht selten aus­ge­hölt und unter­graben.

Da müssen sich jene, die täg­lich hart arbeiten und kaum auf einen grünen Zweig kommen, schon ganz blöd vor­kommen. Die Folge wären dann soziale Kon­flikte.

Alle Jahre vor Weih­nachten zeigt die Zeit­schrift Bilanz auf, wie viel rei­cher die reichsten Schweizer geworden sind. Für einen gewöhn­li­chen «Büezer» ist diese Ent­wick­lung frus­trie­rend. Wäh­rend sich die Nor­mal­ver­diener in der Schweiz kaum mehr Wohn­ei­gentum leisten können, stieg das Ver­mögen der Super­rei­chen auf sagen­hafte 674 Mil­li­arden Franken an. Nir­gendwo hätten die Ein­wohner so viel Geld wie in der Schweiz – wird dazu geschrieben. Da müssen sich ganz viele Leute recht blöd vor­kommen, wenn sie in diesen Tagen bei den Lohn­ver­hand­lungen erneut abblitzen.

Noch ein Wort zu den reichsten Schwei­zern. Einer dieser Mil­li­ar­däre soll sogar regel­mässig in Caritas-Läden ein­ge­kauft haben. Früher wie heute stimmt die Fest­stel­lung, dass das Geld eben die Welt regiert, auch wenn das einige nicht wahr­haben wollen. Wie die Super­rei­chen ihr grosses Geld gemacht haben, hin­ter­fragt man gescheiter nicht.

Viel­leicht sollte sich die «Bilanz» mal was Neues aus­denken, denn dass sich das Geld der Super­rei­chen explo­si­ons­artig ver­mehrt, ist nun hin­läng­lich bekannt und für den nor­malen Arbeiter frus­trie­rend.