Mari­anne Wehrli, LL.M Rechts­an­wältin

Scheidung – wie und wann?

Von | 14. März 2018 | Rat­geber Recht

FRAGE | Nach der Tren­nung von meiner Frau im Sommer 2016 habe ich zuerst bei Kol­legen und im Hotel gewohnt, bis ich mir auf November wieder eine Woh­nung nahm und in der neuen Wohn­ge­meinde anmel­dete. Ich möchte mich jetzt scheiden lassen. Meine Ehe­frau wil­ligt grund­sätz­lich ein, ist aber nicht bereit auch nur einen Finger dafür zu krümmen. Sie will die Anord­nungen vom Gericht abwarten. Wie und wann kann ich die Schei­dung ein­leiten?

ANTWORTAuch wenn Ihre Frau keine aus­ser­ge­richt­li­chen Ver­gleichs­ge­spräche führen will, können Sie das Schei­dungs­ver­fahren ein­leiten. Sie haben dazu zwei Alter­na­tiven zur Aus­wahl: Unter der Vor­aus­set­zung, dass Ihre Frau wenigs­tens eine Teil­ver­ein­ba­rung unter­zeichnet, in der sie bestä­tigt, die Schei­dung eben­falls zu wollen und den Ent­scheid über die Neben­folgen dem Gericht zu überlassen, können Sie das Schei­dungs­be­gehren umge­hend bei Gericht ein­rei­chen. Ist Ihre Frau auch dazu nicht bereit, können Sie nach Ablauf der zwei­jäh­rigen Tren­nungs­frist aktiv werden. Diese Tren­nungs­zeit begann mit Ihrem Auszug im Sommer 2016, den Sie not­falls mit Bestä­ti­gungen Ihrer Kol­legen, einer Hotel­rech­nung oder einer Adress­än­de­rung bei der Post beweisen könnten. In Ihrem Schei­dungs­be­gehren müssen Sie dem Gericht bean­tragen, welche Neben­folgen Ihre Schei­dung haben soll. Das Gerichts­ver­fahren läuft anschlies­send in beiden Fällen ähn­lich ab. Das Gericht wird Sie zur Ein­zah­lung eines Gerichts­kos­ten­vor­schusses auf­for­dern und Sie nach dem Zah­lungs­ein­gang zu einer Ver­hand­lung ein­laden.

In dieser Ver­hand­lung wird geklärt, ob ein Schei­dungs­grund gegeben ist (beid­sei­tige Zustim­mung oder Ablauf der 2-jäh­rigen Tren­nungs­zeit) und wird ver­su­chen mit den Par­teien eine Ver­ein­ba­rung über die Neben­folgen zu erar­beiten. Wenn dies gelingt, ergeht das Urteil und das Schei­dungs­ver­fahren ist abge­schlossen. Gelingt es nicht, muss das strit­tige Ver­fahren durchgeführt werden mit jeweils zwei schrift­li­chen Stel­lung­nahmen der Par­teien an das Gericht und einer wei­teren Ver­hand­lung. Dies führt oft zu einer Ver­län­ge­rung des Ver­fah­rens um ein gutes Jahr.

Rechts­fragen können gestellt werden an:

Mari­anne Wehrli, Rechts­an­wältin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch