Louis Blin­den­ba­chers Sprach­auf­ent­halt beim Rotary Club Tocama |

Sein Blick auf die USA hat sich verändert

Von | 16. November 2017 | News

Ein Jahr lang ver­brachte Louis Blin­den­ba­cher (Foto: Zweiter von rechts) an der Westküste der USA in Tacoma im Bun­des­staat Washington. Ermög­licht hat ihm dies der Rotary Club Aarau.

«Wir möchten den kul­tu­rellen Aus­tausch för­dern und die Scheu­klappen ent­fernen», sagt Walter R. Marti vom Rotary Club Aarau. Jemand wird auf­ge­nommen, jemand wird zum Gehen unterstützt: Das Aus­tausch-Pro­jekt ist welt­weit orga­ni­siert und hat bei den Rota­riern eine lange Tra­di­tion. Der Aus­tausch richtet sich an Schüler zwi­schen 16 und 17 Jahren. «Sie sollten eine gewisse Selbst­stän­dig­keit haben, dass das Jahr für sie nicht zur Qual wird. Es sollten aber auch keine Erwach­senen sein, denn dann ist es schwie­riger sich in die Gast­fa­milie zu inte­grieren und sich an die auf­er­legten Regeln zu halten.»

Enorme Aus­wahl an Schul­fä­chern über­for­dert

Louis Bil­den­ba­cher war 17 Jahre alt und die Reise in die USA kam ihm gelegen. Denn er besucht an der Kan­tons­schule die Abtei­lung Immer­sion, wird also auf Eng­lisch unter­richtet. Dort muss man in einem eng­lisch­spra­chigen Land einen Auf­ent­halt machen.

«Ich hatte extrem Glück mit meiner ersten Gast­fa­milie. Einer der drei Söhne war im meinem Alter. Wir haben uns auf Anhieb ver­standen. Wir hatten die glei­chen Inter­essen, besuchten die selben Events, er fuhr mich überall hin und hielt mir am ersten Schultag bereits einen Sitz­platz in der Mensa frei», erzählt er. So fiel ihm der Ein­stieg in die neue Welt leicht.

Das Ein­zige, das ihn am ersten Schultag überforderte, war die Anmel­dung für seine Schul­fä­cher: «Es gab hun­derte Aus­wahlen. Da waren auch Fächer wie Töp­fern und Spa­zieren dabei», sagt er und lacht. «Ja, Spa­zieren ist dort ein Sport­fach.» Er ent­schied sich schliess­lich für «gewöhn­liche» Fächer wie Mathe­matik, Chemie, Geschichte.

School-Spirit fehlt in der Schweiz

«Der grösste Unter­schied zwi­schen der Schule in der Schweiz und in der USA ist einer­seits der Schulweg, ande­rer­seits der School-Spirit, die Atmo­sphäre», sagt Louis Blin­den­ba­cher. «Die USA ist so gross, man ist vom Auto abhängig. In der Frei­zeit hätte ich Zuhause fest­ge­sessen, hätte mich nie­mand mit­ge­nommen.»

Der School-Spirit würde in der Schweiz kom­plett fehlen. Das liegt vor allem daran, dass man in den Schulen der USA Sport­mann­schaften hat. Foot­ball, Fuss­ball, Schwimmen… «Die Sportler sind die Stars der Schule. Bei Foot­ball­spielen kommen 2000 bis 3000 Leute zuschauen und jeder trägt mit Stolz die Farben der Schule», sagt er und zeigt auf den Pull­over, den er gerade trägt. «Das kennt man in der Schweiz nicht. Hier ist man sehr auf das Intel­lek­tu­elle beschränkt.»

Drei Staaten ken­nen­ge­lernt

Unter­schiede erkannte er auch beim Hockey­spielen, was er sowohl in der Schweiz als auch in den USA tat. «Dadurch, dass das ame­ri­ka­ni­sche Hockey-Feld kleiner ist als unser Olym­pi­sches, spielt man in den USA viel mehr auf Körper. Es war ein rus­ti­ka­leres Spiel mit vielen Ver­letzten», erzählt er. In der Schweiz spielt er in der U20, in den USA war er Teil der U18, spielte also mit Jüngeren zusammen. «Es war für mich span­nend, die Lea­der­po­si­tion zu übernehmen und daraus zu lernen.

«Vor allem die Reisen zu den Spielen und die Ausflüge am Wochen­ende, waren Louis Blin­den­ba­chers High­lights seines Auf­ent­halts. «Durch das Hockey­spielen bereiste ich drei Staaten. Ari­zona, Oregon und Washington.» Zurück in der Schweiz hat er den Anschluss sowohl beim Hockey­spielen als auch in der Schule wieder pro­blemlos gemeis­tert. Seit seinem Auf­ent­halt hat sich sein Blick auf die USA ver­än­dert: «Wir sehen von hier aus immer nur eine Seite, dabei gibt es in den USA so viele Men­schen, so viele ver­schie­dene Mei­nungen und Ansichten. Es ist nicht ein­fach nur ein Ein­heits­brei.» Dieser Blick­winkel wird ihm bleiben, genau wie sein Westküsten-Dialekt, den er ange­nommen hat.