Philipp Rank liegt das Wohl­ergehen der regional ange­sie­delten Wild­schweine am Herzen (Bild: WUIBKA)

Oster­sonntag, 15.00 Uhr, Tier­park Rog­gen­hausen

Wildschwein-Verabschiedung

29. März 2018 | News

In den letzten Wochen hat sich die Popu­la­tion der Wild­schweine im Tier­park Rog­gen­hausen massiv ver­viel­facht. 18 Frisch­linge erblickten das Licht der Welt. Das stellt die Betreiber sowie Tier­schützer vor diverse Pro­bleme, die es nun zu lösen gilt.

Philipp Rank, Leiter der Ver­ei­ni­gung «Wild­schweine und ihre Bedürf­nisse Kanton Aargau», kurz WUIBKA, erklärt die Dring­lich­keit der Lage: «Wild­schweine sind nicht für solche Umstände gemacht. Eine solche Anzahl dieser hoch­sen­si­blen Tiere auf relativ engem Raum zu halten, grenzt an Tier­quä­lerei.»

Zur­zeit würden die aus­ge­wach­senen Schweine stärker leiden als die Frisch­linge. «Die Lage wird jeden Tag pre­kärer», stellt Rank fest. Rank weiss wovon er spricht, hat er doch meh­rere Jahre neben­be­ruf­lich als Wild­hüter gear­beitet. Oft genug wurde er Zeuge von Revier­kämpfen, aggres­sivem Ver­halten und ver­letzten Tieren. «Wild­schweine heissen nicht ohne Grund «Wild-» Schweine. Sie brau­chen ihre Frei­heit. Bevor es noch zu einer gewalt­samen Bestands­min­de­rung kommt.»

Zu viele Wild­schweine in den Parks

Die alt ein­ge­ses­senen, aus­ge­wach­senen Schweine könne man jedoch nicht ein­fach so aus ihrem Habitat reissen. Das wäre ver­hee­rend. Bleiben also noch die 18 Frisch­linge. Doch wohin so auf die Schnelle mit 18 her­an­wach­senden Wild­schweinen? «Tier­gärten sind keine Option, jeder Zoo hat bereits eine maxi­male Anzahl von Wild­schweinen. So kämen wir nur vom Regen in die Traufe.»

Ver­ab­schie­dung am Sonntag, 15.00 Uhr

Des­wegen hat die WUIBKA einen anderen Plan aus­ge­ar­beitet. «Eigent­lich ist es die offen­sicht­lichste Lösung – die Frisch­linge gehören in ihr natür­li­ches Habitat – die Wildnis, die Frei­heit, den Wald.» erklärt Rank.

Des­wegen wird die Ver­ei­ni­gung am Oster­sonntag um 15.00 Uhr die Frisch­linge aus dem Gehege befreien und der freien Natur über­geben. «Pas­send zum Tag der Wie­der­auf­er­ste­hung», schmun­zelt Philipp Rank. Als Gue­rilla-Aktion sieht er das Ganze jedoch nicht. «Nein, das ist Quatsch. Eine Gue­rilla-Aktion hat einen kri­mi­nellen Cha­rakter, eine schlechte Absicht. Wir han­deln mit gutem Gewissen und im Inter­esse der Natur und des Tieres. Aus­serdem bedingt eine Gue­rilla-Aktion Heim­lich­tuerei. Und wenn das der Fall wäre, würde ich wohl kaum die Anwohner ein­laden, bei der Aktion dabei zu sein.» (Die Ver­ei­ni­gung hatte bereits im Vor­feld ihr Vor­haben ange­kün­digt und die Bevöl­ke­rung ein­ge­laden, am Oster­sonntag um 15.00 Uhr dabei zu sein, Anm. d. Red.)

Aber auch wie man in Zukunft einen sol­chen explo­siven Anstieg der Wild­schwein­po­pu­la­tion im Rog­gen­hausen-Gehege zu ver­hin­dern gedenkt, war in den letzten Tagen ein Thema bei der WUIBKA. «Eine Kas­tra­tion steht defi­nitiv nicht zur Dis­kus­sion. Finden Sie mal einen Tier­arzt der sowas macht. Das wäre ein­fach nur lächer­lich», erklärt Rank. Viel­mehr zieht Rank eine hor­mo­nelle Vor­beu­gung in Betracht: «Futter, wel­ches mit frucht­bar­keits­hem­menden Hor­monen ver­setzt ist, ist heute keine Sel­ten­heit mehr. Zur­zeit erscheint diese Lösung als die rea­lis­tischste.»

Nun bleibt noch das Hoffen auf den Good­will Petrus’ – und somit einen son­nigen Start in ein neues Leben für 18 kleine Schwein­chen.

MARA