Die Aar­au­er Spray­er­sze­ne lebt |

Zu wenig Frei­räu­me

Von | 25. Okto­ber 2017 | News

Die Mei­nun­gen über Spray­kunst gehen aus­ein­an­der. Eines dürf­te indes klar sein: In der Aar­au­er Spray­er­sze­ne exis­tie­ren wah­re Künst­ler.

Begreif­li­cher­wei­se wol­len die­se aber anonym blei­ben, denn sonst droht der Gang vor Gericht, den erst letz­te Woche der bekann­tes­te Spray­er der Schweiz, Harald Näge­li gehen muss­te. Man muss sich da schon fra­gen, ob die Staats­an­walt­schaft nichts ande­res zu tun hat, als einen mitt­ler­wei­len 77-jäh­ri­gen Mann wegen «ein paar Strich­mandli» vor Gericht zu zitie­ren. Wie dem auch sei: Näge­li wur­de frei gespro­chen – die Staats­kas­se unnö­tig belas­tet und viel Zeit ver­schwen­det. Absurd ist die Sache des­halb, weil aus­ge­rech­net die nun als Klä­ge­rin auf­tre­ten­de Stadt Zürich schon Wer­ke Näge­lis kon­ser­vie­ren liess, um die­se zu erhal­ten. Der Ver­dacht liegt nahe, dass da jemand ein­mal auf dem Buckel eines Künst­lers gross Kas­se machen will, ihn aber zuerst ernied­rigt. Man muss bei die­sem The­ma stark unter­schei­den zwi­schen Schmie­re­rei­en und Spray­kunst. Wil­de Schmie­re­rei­en an irgend­wel­chen Gebäu­lich­kei­ten sind zu ver­ur­tei­len und zie­hen ver­ständ­li­cher­wei­se Anzei­gen nach sich. Die Spray­kunst hin­ge­gen ist sehr oft hohe Schu­le. Lei­der sind für die­se Sze­ne zu wenig Plät­ze vor­han­den. Die IBA Aar­au hat dies erkannt und an der Erlins­ba­cher­stras­se sol­che Frei­räu­me geschaf­fen. Die Aar­au­er Künst­ler dank­ten es ihr mit sehens­wer­ten Wer­ken (sie­he die Mehr­zahl unse­rer Bil­der). Zu hof­fen bleibt, dass die­ses Bei­spiel Schu­le macht. Die Spray­er­sze­ne darf nicht völ­lig ver­kri­mi­nia­li­siert wer­den, denn dar­un­ter befin­den sich Talen­te, die es zu för­dern gilt und die es man­gels Bezie­hun­gen nicht gleich ins Kunst­haus schaf­fen.

Bil­der: Mar­kus Schenk