Den Wildtieren Lebensraum zurückgeben | Der Landanzeiger
Die Vorarbeiten für den eigentlichen Brückenbau sind fast abgeschlossen
Wildtierbrücke über die A1 Suhr-Gränichen

Den Wildtieren Lebensraum zurückgegeben

Die in Gränichen wohnhafte Wildtierbiologin Dr. Cristina Boschi ist Vorstandsmitglied des Natur- und Vogelschutzvereins Gränichen und gehört der Arbeitsgruppe an, die den Bau der Wildtierbrücke zwischen Gränichen und Suhr fachlich begleitet.

Nördlich von Gränichen, im Waldstück, wo die Autobahn die Grenze zu Suhr bildet, ist eine grosse Baustelle in Betrieb. Hier entsteht eine Brücke alleine für die Tierwelt. Menschen werden auf diesem Teil des sogenannten Wildkorridors nicht geduldet.

Wichtig für eine gesunde genetische Durchmischung
Lange bevor nämlich der Mensch die Landschaft für seine Mobilität von Westen nach Osten zerschnitten hat, führten die Wege der Wildtiere hier von Norden nach Süden. Wild aus der Jura-Region zog bis in die Zentralschweiz und umgekehrt. «Der Wildkorridor ‹Suret› ist wichtig für die genetische Durchmischung», sagt Cristina Boschi. Die Gränicher Wildtierbiologin gehört der Arbeitsgruppe an, die das Brücken-Projekt fachlich begleitet. Ihre Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass die Brücke so gebaut wird, damit Wildtiere sie möglichst finden und nutzen.

Wildtierbiologin Dr. Christina Boschi | Der Landanzeiger
Wildtierbiologin Dr. Cristina Boschi

«Nachdem die 50 Meter breite Brücke gebaut ist, wird sie mit Lichtschutzwänden und den notwendigen Lebensraumelementen versehen, zum Beispiel Hecken und Sträuchergruppen, Magerwiesen, Stein- und Asthaufen, damit sie für Wildtiere attraktiv ist. Dann werden die Eingangsbereiche und die nahe Umgebung der Brücke gestaltet. Lichte Waldflächen, dichte Naturverjüngungsflächen, Tümpel, Asthaufen usw. dienen den unterschiedlich grossen Tieren als Schutz oder Warteraum und führen sie schliesslich über den neuen Weg.»

Die Brücke werde für Menschen nicht zugänglich gemacht, erklärt Boschi weiter. «Waldwegabschnitte werden aufgehoben und zum Teil neu angelegt, so dass sie nicht direkt an der Brücke vorbei führen. Die Zugänglichkeit der aufgehobenen Wege wird gezielt mit Bepflanzung, Ast und Erdwälle erschwert. Allenfalls müssen für die Menschen Informationstafeln aufgestellt werden.» «Die Annahme der Brücke durch verschiedene Wildtierarten ist ein Prozess, der einige Jahre in Anspruch nehmen wird», relativiert die Gränicherin allfällige Erwartungen auf sofortige Erfolge. «Die Tiere stehen ja nicht an und warten, bis die Brücke endlich fertig ist» − «Dazu kommt», ergänzt Boschi wieder im ernsteren Ton, «dass der Korridor weiterhin an anderen Stellen unterbrochen ist. Ganz in der Nähe verhindert die Aaretalstrasse A1R (ehemals T5) die Wanderung der Tiere ebenfalls komplett.

Einer der wichtigsten Korridore im Schweizer Mittelland Entlang der Autobahnen gibt es weitere Korridore, etwa mit der Bezeichnung «AG 1 Möhlin- Wallbach-Zeiningen» und «AG 5 Böttstein-Villigen», die zusammen mit dem Wildkorridor «AG 6 Suret» zu den drei wichtigsten, auch gesamtschweizerisch bedeutenden Wildtierkorridoren gehören.

«Der Aargau ist in diesem Zusammenhang weiter als andere Kantone. Er war der erste Kanton, der die Wildkorridore in den Richtplan aufgenommen hat», freut sich Boschi. Für die Brücke über die A1 ist allerdings der Bund zuständig und der Kanton kann Projekte nur vorschlagen – das hat er getan. Bei den Bauarbeiten im Rahmen der Umfahrung Suhr (Projekt VERAS) sind grosse Wildpassagen übrigens nicht nötig, da der Korridor nicht tangiert wird.

Text: RC | Bilder: Remo Conoci & zVg
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