Eiche und Buche verraten ihr Alter | Der Landanzeiger
Fast gleich «dick» und doch nicht gleich alt: Die gefällte Eiche (rechts) ist rund 135 Jahre alt, die gefällte Buche hingegen nur rund 90 Jahre alt
Leserreporter Hans Bärtschi

Wenn Bäume erzählen könnten …

Auf einem seiner täglichen Waldspaziergängen im oberen Uerkental haben vor einer Woche zwei Stapel frisch gefällter Bäume das Interesse von Hans Bärtschi (Wiliberg) geweckt. Kurzerhand hat er alles festgehalten und dem Landanzeiger einen Beitrag eingeschickt.

Das erste Merkmal, das dem breit interessierten Pensionär ins Auge gestochen ist, waren die über dem Durchschnitt liegenden Durchmesser der gefällten Buchen- und Eichenstämme. Aus seiner frühesten Jugendzeit war ihm mitgegeben worden, dass man das Alter der Bäume aufgrund der «Jahrringe » bestimmen kann. Also warum nicht wieder mal Kind sein und die Ringe zählen, sagte sich Hans Bärtschi.

Die Buche und die Eiche standen etwa 500 Meter Luftlinie voneinander in zwei gut bewirtschafteten Privatwäldern. Beide standen am nach Westen ausgerichteten Waldrand. Beide hatten somit in etwa gleiche Wachstums-Voraussetzungen.

Jahresringe verraten viel
Jedes Jahr wächst ein Baum und bildet vom Zentrum ausgehend einen neuen Ring Holz. Das bewirkt, dass der Stamm immer dicker wird. Im Sommer und Herbst wächst der Baum dann etwas langsamer und hinterlässt eine dünnere und dunklere Schicht. Die helle und die dunkle Schicht zusammen bilden den neuen Jahresring. Diese zu zählen war bei den beiden gefällten Bäumen aufgrund der guten Schnittstellen recht gut möglich, wenn auch ohne Gewähr.

Die Ringbreite gibt zudem über die Lebensbedingungen Auskunft. Schmale Ringe deuten auf Probleme hin, etwa Trockenheit oder Schädlingsbefall, bei breiten Ringen ging es dem Baum gut. Ovale Ringe entstehen an Bäumen, die am Hang wachsen oder starkem Wind ausgesetzt sind.

Wachstum ist artenbedingt
Im vorliegenden Fall sind beide Stämme in etwa von gleichem Durchmesser. Dennoch ist die Buche mit rund 90 Jahren «schneller» gewachsen, hat breitere Jahrringe als die Eiche mit ihren rund 135 Jahren, und das, obwohl beides Hartholzbäume sind.

Bei beiden Schnittstellen ist ersichtlich, dass das Zentrum nicht in der Mitte des Stammes liegt. Dies hängt auch mit dem Lichteinfluss zusammen. Beide Bäume wurden gefällt, damit der dahinter wachsende Jungwuchs mehr Licht bekommt. Schauen wir doch in Einhundert Jahren wieder vorbei, was aus ihnen geworden ist, schreibt Hans Bärtschi mit einem Augenzwinkern.

Was 1885 geschah
Geht man davon aus, dass die Eiche aus dem Jahr 1885 stammt, so war es das Jahr, in dem in den USA die erste Blinddarm-Operation durchgeführt wurde. Im Juli des selben Jahres hat Louis Pasteur einen neunjährigen Knaben erfolgreich gegen Tollwut geimpft, nachdem dieser von einem Hund gebissen wurde. Am 1. Juli haben sich die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein eine gegenseitige Zulassung von Medizinern zur Berufsausübung im Grenzgebiet geeinigt und am 10. November fand die erste Fahrt eines Motorrads mit Benzinmotor, der beiden Herren Daimler und Maybach statt.

Den Altersrekord unter den Bäumen hält laut dem Internet eine kalifornische Grannenkiefer, die 4768 Jahre alt geworden ist. Die Jahresringe wurden unter dem Mikroskop gezählt.

Text & Bilder: HBÄ
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