In Zukunft wird Heinz Gerber, wie hier an einem Spaziergang Mitte März, die Aktivitäten in Bottenwil aus der Distanz beobachten | Der Landanzeiger
In Zukunft wird Heinz Gerber, wie hier an einem Spaziergang Mitte März, die Aktivitäten in Bottenwil aus der Distanz beobachten
Nach 14 Jahren Politik zieht sich Bottenwils Gemeindeammann Heinz Gerber zurück

Der kühle Kopf in Krisenzeiten

Traktanden, Versammlungen und Sitzungen: Das alles gehört für Heinz Gerber seit einigen Tagen der Vergangenheit an. Ende März demissionierte Bottenwils alt Gemeindeammann und übergab die Zügel seinem Nachfolger Silvan Bärtschi. «Dieser politische Abschnitt ist für mich nun definitiv fertig», sagt Heinz Gerber.

14 Jahre war der 50-Jährige als Gemeinderat in Bottenwil aktiv, die letzten sechs Jahre amtete er als Gemeindeammann. Vor allem aufgrund der Coronakrise sei die Übergabe happiger ausgefallen als geplant, weil mehr auf der To-do-Liste stand. Trotzdem: Die Pendenzen und künftigen Termine sind ab sofort Sache der neuen Ressortleiter, die mit Silvan Bärtschi einen jungen Gemeindeammann erhalten. «Er ist der richtige dafür », sagt Gerber. «Er kennt das Dorf und die Leute – und ist eine ausgebildete Führungspersönlichkeit.»

Vor seinem Amt noch nie an einer Gmeind gewesen
14 Jahre sind eine lange Zeit. Wie begann es? «Es ist dumm gelaufen», antwortet Heinz Gerber mit einem Lachen. Vor seinem politischen Amt sei er an keiner Gemeindeversammlung gewesen. «Weil mein Hof etwas ausserhalb von Bottenwil liegt.» Trotzdem sei er am Geschehen in der Gemeinde immer interessiert gewesen. An einem Mittagstisch, an dem Gerber rege mitdiskutierte, sichtete ihn die Findungskommission und sprach ihn an. Seine spontane Zusage für das Amt passt perfekt in die Geschichte. Wieso er so lange am Ball blieb? «Attraktiv war die Herausforderung, nie zu wissen, was kommt. Ausserdem mochte ich es, den Leuten zu helfen und das Dorf voranzubringen. »

Der letzte offizielle Anlass für Heinz Gerber war die Einweihung des Mehrzweckgebäudes im Januar | Der Landanzeiger
Der letzte offizielle Anlass für Heinz Gerber war die Einweihung des Mehrzweckgebäudes im Januar

Als Gemeindeammann stellte er eine Tugend über alle anderen: Ehrlichkeit. «Mir war es immer wichtig, dass ich auf die Leute zugehen kann und ihnen mit Respekt und in einem sachlichen Ton die Wahrheit sagen kann.» Vor allem nach dem Unwetter 2017, das Bottenwil schwer getroffen hat, erlangte er durch seine Auftritte über die Gemeindegrenzen Bekanntheit.

Manch einer denkt sich nun, dass dies die schwierigste Phase in seiner politischen Karriere war, doch Gerber verneint. «Im Vergleich zu dem, was ich 2018 und 2019 privat erleben musste, war nichts in der Politik annähernd gleich schwierig.» Damit spricht er seine Krebserkrankung an. Nachdem er nach einer aggressiv geführten Chemotherapie anscheinend wieder gut zurück ins Leben fand, musste er erkennen, dass nichts mehr so sein würde wie vorher. «Ich wusste, dass ich neben dem Reduzieren meiner Arbeit noch mehr ändern muss», so der gelernte Mechaniker, der wegen der Krankheit vom Amt des Gemeindeammanns demissionierte.

«Ich bin glücklich, wenn ich wieder vermehrt das machen kann, was ich gerne mache.»

Heinz Gerber

Er versucht seither, unregelmässige Arbeitszeiten zu meiden und die Planbarkeit zu erhöhen. «Das Wort ‹Nein› kommt wieder vermehrt in meinem Wortschatz vor», sagt er. Bottenwil habe in den letzten 14 Jahren viel investiert, beispielsweise in die Sanierung des Mehrzweckgebäudes oder in die Sanierung der Graben- und der Weiermattstrasse. Auf einen Punkt scheint er besonders stolz zu sein: «Die Kommunikation ist seit meinen Anfängen viel offener geworden.» Während die Gemeindeversammlungen zu Beginn noch trocken daherkamen, sind sie mittlerweile viel informativer und werden von moderner Technik unterstützt. Auch habe er gemerkt, dass die Leute politisch aktiver werden und sich gerne engagieren. «Bottenwil hat das Zeug dazu, weiterhin eigenständig zu bestehen.»

Die neu gewonnene Freizeit widmet er vermehrt seinem Hof. Ausserdem möchte er mehr Zeit mit seiner Partnerin verbringen und häufiger in die Ferien reisen. Ob er seinen dreiwöchigen Kanadaaufenthalt im August wirklich in die Tat umsetzen kann, hängt wie so vieles zurzeit vom Coronavirus ab. Nicht davon abhängig ist seine Stimmungslage: «Ich bin glücklich, wenn ich wieder vermehrt das machen kann, was ich gerne mache.»

Text: KPE | Bilder: zVg
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