Stefan Rüdlinger | Der Landanzeiger
Stefan Rüdlinger sitzt in seiner Wohnung in Schöftland auf dem allerersten Prototyp des Schulbanks, der in Sansibar schon bald in optimierter Version in Serie gehen soll
Stefan Rüdlinger hat mit Freunden den Verein «kila kitu fresh» gegründet

Schöftler Schulbänke für Sansibar

Eine junge Gruppe aus Schöftland und Holziken hat letztes Jahr den Verein «kila kitu fresh» gegründet. Dieser bietet im August, September und Oktober erstmals drei Workcamps an mit jungen Schweizer Handwerkern, die in Sansibar zusammen mit einheimischen Handwerken Schulbänke zimmern, Dächer ausbessern und das Stromnetz reparieren.

Bei seinem ersten Besuch in Sansibar vor zwei Jahren hat Stefan Rüdlinger gesehen, wie rund 100 Schülerinnen und Schüler in einem Raum auf dem Boden sitzend unterrichtet werden. Schnell wurde ihm klar, den öffentlichen Schulen in Sansibar fehlt es an einfachen Sitz- und Schreibmöglichkeiten, Dächer sind undicht und es regnet auf die elektrischen Anlagen. Dies ist ein untragbarer Zustand.

Der 25-jährige Schöftler war nicht ganz zufällig auf der afrikanischen Insel. «Ich suchte eine Herausforderung, wo ich mit meinem Handwerk etwas Nützliches tun kann», erklärt Rüdlinger seine Motivation. Er kam in Kontakt mit Theres Bärtschi von der internationalen Nichtregierungsorganisation Service Civil Organisation (SCI). Jedes Jahr bietet SCI weltweit rund 1000 Workshops in 90 Ländern an.

Workcamp in Sansibar für junge Schweizer Handwerker
Für den Schöftler war klar, dass er auf Sansibar einen solchen Workshop auf die Beine stellen möchte mit jungen Handwerkern aus der Schweiz und aus Sansibar als aktive Teilnehmende. Ziel ist, dass die Infrastruktur von öffentlichen Schulen Sansibars verbessert wird. Dafür hat er den Prototyp eines Schulbanks gezimmert, welcher im Workshop gebaut werden soll. 21 davon braucht es pro Klassenzimmer. «Es geht aber nicht nur um Schulbänke», betont Stefan Rüdlinger, «wir reparieren auch, wo nötig, die Dächer der Schulen und verbessern das Stromnetz.»

Im letzten Jahr wurde sein Projekt konkret. «Mit meinem Bruder und Jurastudenten Robert, der Freundin und Pädagogikstudentin Catja und dem Freund und Verleger Enrico gründeten wir den Verein «kila kitu fresh», mit dem Ziel, die interkulturelle Bildung in Sansibar zu verbessern.» Auf Swahili bedeutet «kila kitu fresh» umgangssprachlich «alles wird gut».

Das Workcamp durfte er vor einem Jahr an der Berufsschule Lenzburg den Abschlussklassen vorstellen. «Viele junge Handwerker suchen für die Zeit nach der Abschlussprüfung und vor dem Militär eine solche oder ähnliche Herausforderung», erklärt Rüdlinger.

Und tatsächlich meldeten sich genügend junge Handwerker aus der Schweiz für das Workcamp. Dank der Hilfe von SCI und einer Freiwilligenorganisation vor Ort in Sansibar werden auch junge einheimische Handwerker am Camp mitmachen. Aktuell ist Stefan Rüdlinger mit den Planungsarbeiten voll beschäftigt. Wegen des Coronavirus muss der Juli-Workshop in den Oktober verschoben werden.

Seine ehrenamtliche Arbeit leistet der Schöftler neben seinem 80%-Pensum als Zimmermann bei der Zubler AG Holzbau in Hunzenschwil.

Eine «Karma-Investition»
Angesprochen auf die Frage, ob er mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit irgendwann mal Geld verdienen möchte, antwortet Stefan Rüdlinger kurz und bündig: «Es ist für mich eine Karma-Investition!»

Unterstützung per Crowdfunding 
Der Verein «kila kitu fresh» setzt sich ein für die interkulturelle Bildung in Sansibar. Auf der Afrikanischen Insel wird der Verein im August, September und Oktober Workshops anbieten. 
Infos unter www.kilakitufresh.com
Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann dies tun unter: www.crowdify.net/kila-kitu-fresh 

Text & Bild: KF
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