Nun muss noch Reitnau entscheiden | Der Landanzeiger
Reitnaus Gemeinderat Peter Hochuli (SVP, links) erläuterte an der Infoveranstaltung die Vor- und Nachteile der Melioration
Hochwasserschutz und Melioration in Oberen Suhrental

Nun muss noch Reitnau entscheiden

Mehr als 100 Reitnauer lauschten auf angemessener Corona-bedingter Bestuhlung in der Mehrzweckhalle den Ausführungen der kantonalen Experten für Hochschwasserschutz, Revitalisierung und Melioration. Die Informationsveranstaltung bringt Klarheit über das Meliorationsvorhaben im Oberen Suhrental.

«So günstig kommen wir nie wieder zu einer Melioration», lautete der Appell von Gemeinderat Peter Hochuli. «Das Geld ist das eine, die Sicherheit die andere.» Wie es mit dem Hochwasserschutz aussieht, erläuterte Markus Zumsteg, Sektionsleiter Wasserbau im Kanton. Das als Jahrhundertprojekt zum Schutz von 600 gefährdeten Gebäuden und 18 Brücken mit Errichtung eines Rückhaltebeckens und einer Revitalisierung der Suhre wird auf 26.35 Mio. Franken geschätzt.

Bei der Bewilligung der Modernen Melioration spart allein Reitnau 2.4 Mio. Franken. Nebeneffekte sind Aufwertung des Lebensraums und Landschaftsbildes. Mit Neumodellierung der Landschaft im Zuge von Hochwasserschutz und Revitalisierung könne enorm gespart werden, sagte auch Matthias Müller, Leiter Landwirtschaft Aargau. In den nächsten 20 Jahren müssten sonst nach und nach Rohre ersetzt werden. Das Flickwerk würde das dreifache ausmachen. Vor allem wisse man nicht, wann welche Kosten anfallen.

Was passiert mit Biberdämmen?
Fragen aus den Reihen der Bevölkerung thematisierten den Schiesslerbach, den Umgang mit Biberdämmen, den Tausch von Flächen mit biologischem Anbau sowie die Finanzierung. Lösungen sind von Fall zu Fall angedacht. Gemeinderat Peter Hochuli beruhigte indes die Gemüter. «Wunschtage» erlauben den Landbesitzern, ihre Vorstellungen beim Flächentausch vorzubringen. Diskutiert wurde zudem die Situation auf Luzerner Gebiet, denn von dort würde das Wasser kommen. Öffentliche Auflagen und direkte Einflussnahme stützen den demokratischen Prozess. Um das Vorhaben juristisch auf die Beine zu stellen, gründen die Landbesitzer der Gemeinden Moosleerau, Staffelbach und Reitnau inkl. Attelwil eine Genossenschaft.

Man darf gespannt sein, wie Hochwasserschutz, Revitalisierung und Melioration sich mit einem Gesamtvolumen über 8.27 Millionen Franken für den Perimeter Reitnau entwickeln, davon 7 Millionen Franken für die Moderne Melioration. Auf den Ortsteil Reitnau entfallen 1,625 Millionen Franken. Den Rest übernehmen Bund, Kanton und Grundeigentümer. Das sei eine Investition für die nächste und übernächste Generation, wurde erklärt.

Attelwiler stimmen nur für Reitnau ab
Am 14. September stimmen die Reitnauerinen und Reitnauer an der Gemeindeversammlung über die Durchführung der Modernen Melioration ab. Dabei kommt es zur eigenartigen Situation, dass die Stimmberechtigten im Ortsteil Attelwil ein zweites Mal über die Melioration abstimmen, ohne dass der Entscheid sie selber betrifft.

Attelwil hat nämlich noch vor der Fusion mit Reitnau die Durchführung der Melioration beschlossen. Sollte die Gemeindeversammlung die Vorlage im September ablehnen, findet die Melioration im Ortsteil Attelwil dennoch statt – unter der Regie der Gesamtgemeinde, die für die Folgeaufgaben verantwortlich ist.

Text: AWE/RC | Bild: Alfred Weigel
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