Markus Bircher (FDP) | Der Landanzeiger
Markus Bircher (FDP), Gemeindeammann Oberentfelden
Oberentfeldens Gemeindeammann Markus Bircher zur Abstimmung über den Zukunftsraum Aarau

«Bei einem Zusammenschluss sind die Wege viel kürzer»

Der Oberentfelder Gemeindeammann Markus Bircher (58) hofft, dass sich das Ja anlässlich der Gmeind vom 2. September, auch am Sonntag an der Urne wiederholt. Er sieht in einem Zusammenschluss mit Aarau und Unterentfelden viele Vorteile. 

Markus Bircher, mit welchem Gefühl blicken Sie der Abstimmung über den Zukunftsraum Aarau in Ihrer Gemeinde entgegen? 
Markus Bircher: Ich bin sehr zuversichtlich. Dank dem guten Ergebnis an der Gemeindeversammlung mit dem Verhältnis 2:1. Trotz den auch vielen Unterschriften für die Referendumsab-stimmung glaube ich, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger einfach wollten, dass möglichst alle an der Urne darüber abstimmen können.

Was sind aus Ihrer Sicht die Pluspunkte des Zukunftsraums Aarau für Oberentfelden?
Der Zusammenschluss zu einer neuen Kantonshauptstadt schafft für alle Beteiligten einen Mehrwert. Es werden die vorhandenen Ressourcen wie Personal, Immobilien, Finanzen, usw. besser genutzt. Die bereits heute intensiv verflochtene und baulich stark zusammengewachsene Region bildet eine lebenswerte und wettbewerbsfähige Stadt mit mehr Ausstrahlungskraft. Man setzt ein positives Zeichen für eine gemeinsame Entwicklung für einen attraktiven Wohn- und Arbeitsraum.

Und was die Minuspunkte?
Von den Gegnern wird immer wieder der Verlust der direkten Demokratie wegen der Abschaffung der Gemeindeversammlung erwähnt. Das mag zum einen auch so sein. Allerdings ist  zu bezweifeln, ob das wirklich noch der richtige Weg ist, wenn an der Gmeind jeweils knapp 2 Prozent der Stimmberechtigten teilnehmen und dabei über Kredite von mehreren huntertausend, ja millionen Franken abstimmen. Da ist der künftige Einwohnerrat doch demokratisch viel breiter abgestützt.

Welche grossen Herausforderungen stehen in und um Oberentfelden an, die Sie lieber im Verbund mit Aarau, als alleine lösen würden? 
Gemeinsam können wir die unterschiedlichsten Bedürfnisse bezüglich Mobilität, Arbeit, Wohn- und Freizeit besser befriedigen. Da gehören altersgerechte Wohnformen, Betreuung im Alter, Pflege, Begegnungsmöglichkeiten für Jung und Alt und selbstverständlich auch gut erreichbare Einrichtungen wie z.B öffentlicher Verkehr.

Sie arbeiten in vielen Bereichen bereits eng mit den Nachbargemeinden (auch Suhr und Muhen) zusammen. Was wird einfacher im Zukunftsraum?  
Sie sagen es richtig; man arbeitet in vielen Bereichen zusammen, aber befruchtend oder zielführend ist es eher selten. Zudem wird viel an verschiedene Gemeindeverbände delegiert. Die Mitsprache ist auch dort jeweils sehr stark eingeschränkt. Schlussendlich geht’s immer ums eigene Portmonnaie. Da werden viele zeitliche Ressourcen verbraucht, zustande kommt aber eher selten etwas Grosses. Bei einem Zusammenschluss sind die Wege viel kürzer und es ziehen alle am gleichen Strick, weils alle gleichermassen betrifft.

Das liebe Geld wird von beiden Seiten immer wieder ins Spiel gebracht. Die Befürworter sagen, es könne gespart werden, die Gegner sagen, die Bürger müssen viel mehr Gebühren und mehr Steuern bezahlen. Wer hat nun Recht? 
Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil es sich nicht direkt vergleichen lässt. Zudem sind es zwei verschiedene paar Schuhe. Wie ich bereits erwähnt habe, spart man, indem die bestehenden Ressourcen besser genutzt werden. Da liegen fundierte Erkenntnisse vor, die auch von externen Fachleuten plausibilisiert wurden. Aber das spürt der einzelne Stimmbürger ja nicht direkt. Bei den Gebühren hinkt der Vergleich mit den Steuern ebenfalls gewaltig. Es gibt Gebühren, die sind in Aarau sogar günstiger. Es wird auch immer wieder behauptet, dass wir keine Grüngutabgabe hätten. Das stimmt einfach nicht, diese werden bei uns mit der Grundgebühr verrechnet. Die Gegner wollen dies einfach nicht wahrhaben.

Die Vereine befürchten, dass Aarau künftig diktiert, wer wo spielen, üben und auftreten darf und dass alles viel teurer wird.
Das ist aus heutiger Sicht sehr schwer zu beurteilen. Was ist in fünf bis zehn Jahren? Ich verstehe die Ängste, wobei es auch immer wieder Chancen gibt. Da gibt es Vereine, die um’s Überleben kämpfen, wieso kann man da nicht gleich auch zusammenschliessen. Man hört ja immer wieder die Rivalität mit Unterentfelden. Dennoch haben bereits verschiedene Vereine einmal fusioniert. Ich kenne keinen, der es rückgängig machen würde.

Die Gegner von Gemeindefusionen behaupten (siehe LA 3. Dez., Seite 5), dass bei einer Fusion nicht gespart werden könne. Wie sehen Sie das? 
Da gibt es ganz andere Zahlen. Im Gemeindestrukturbericht 2017 sind die Auswirkungen der Gemeindezusammenschlüsse klar ersichtlich. Die Erfahrung zeigt, dass bei praktisch allen Gemeindezusammenschlüssen eine Reduktion des Steuerfusses stattgefunden hat. Die längerfristige Entwicklung bei den Steuerfüssen von zusammengeschlossenen Gemeinden bestätigt zudem, dass diese Steuerfusssenkungen in den meisten Fällen nachhaltig sind. Übrigens orientierten sich sämtliche Steuerfüsse bei den Fusionsgemeinden jeweils am günstigsten Steuerfuss.

Sagt Oberentfelden Ja, aber Aarau Nein, könnten Sie sich dann einen Zusammenschluss von Ober- und
Unterentfelden vorstellen?

Das könnte durchaus ein Thema werden. Verschiedentlich wurde dies ja auch immer wieder diskutiert. Selbst an einer Umfrage zu Beginn des Fusionsprojekts gab es diesbezüglich einige Befürworter. Die Erfahrung aus diesem Fusionsprojekt würden uns auch bei einem solchen Vorhaben etwas bringen. Auch aus etwas Kleinem kann später etwas Grosses entstehen.

So nah an einem Zusammenschluss wie jetzt standen sich die beiden Gemeinden aber noch nie zuvor.
Ja, da gebe ich Ihnen recht. Auch diese Fusion würde auf jeden Fall Sinn machen. Im Grundsatz gilt hier das gleiche wie beim Zukunftsraum. Synergien nutzen, zusammenführen, was zusammen gehört.

Hand aufs Herz, was tun Sie, wenn es ein Ja zum Zukunftsraum gibt?
Dann werde ich mich natürlich sehr freuen und sicher auch darauf anstos-sen. Die Arbeit ist aber damit noch nicht getan. Sie geht weiter, indem wir die
Fusionsverträge ausarbeiten und genau analysieren, da die Rahmenbedingungen ja leicht verändert sind, da Suhr nicht mehr dabei ist. Wir setzen alles daran, dass wir auch diese Abstimmung über die Fusionsverträge gewinnen können. 

Interview: Raphael Nadler | Bild: zVg
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