Stefan Jost und seine Frau Christina Jost | Der Landanzeiger
Stefan Jost, Inhaber von Küchenpunkt und Präsident von Zentrum Aarau zusammen mit seiner Frau und Geschäftsführerin Christina Jost.

«Corona hat das Jahr auf den Kopf gestellt»

Stefan Jost ist Inhaber des Aarauer Geschäfts Küchenpunkt, seine Frau Christina führt den Laden an der Kronengasse. Zudem ist Stefan Jost der Präsident der Detailhandelsvereinigung «Zentrum Aarau». Im Interview blickt er auf das Corona-Jahr zurück, erzählt von seinem ersten Eindruck der City Managerin und wagt einen Ausblick auf das Jahr 2021.

Herr Jost, wie haben Sie das Corona-Jahr erlebt?
Stefan Jost: Wie alle anderen auch. Corona hat das ganze Jahr komplett auf den Kopf gestellt. Als wir während des Lockdowns im Frühling die Läden schliessen mussten, das war eine sehr schwere Zeit. Wir sind aber stolz auf unsere Läden, die diese schwierige Zeit gut verarbeitet haben. Die meisten haben auch die Schutzkonzepte vorbildlich umgesetzt, um keinen Anlass zu geben, die Massnahmen zu verschärfen.

Nun kam es trotzdem dazu, dass die Massnahmen verschärft wurden. Wer nicht Güter des dringenden und täglichen Bedarfs verkauft, muss bis am 22. Januar schliessen. Was halten Sie von der Massnahme?
Ich verstehe grundsätzlich, was damit erreicht werden muss. Die Umsetzung mit dem Lockdown im Aargau ist einfach unglücklich, da jetzt alle in die anderen Kantone fahren. Auch ist es eine Verzerrung des Wettbewerbes, wenn Spezialgeschäfte schliessen und dann grosse Ketten doch alles verkaufen dürfen.

Wie hart trifft euch das?
Diejenigen, die es trifft, ganz hart. Vier Tage vor Weihnachten ist das Geschäft geschlossen oder komplett eingebrochen. Es ist leider so, mit der Botschaft, dass die Geschäfte geschlossen sind, kommen auch keine Kunden in die Läden, die noch offen hätten. Es trifft somit jedes Geschäft, nur nicht die grossen Ketten. Ich bin auch der Meinung, dass den meisten gar nicht klar ist, dass wir auch fast den ganzen Januar geschlossen haben werden.

Von welchen Seiten haben Sie bisher Unterstützung erfahren?
Im Rahmen der Hilfsprogramme des Bundes und der Stadt konnte, wer wollte, Unterstützung bekommen. Der Haken an der Sache, es sind Schulden. Die Kredite müssen zurückbezahlt werden.
Was uns aber besonders gefreut hat, ist das, was nach dem Lockdown im Frühling folgte. Die Leute unterstützen vermehrt das lokale Gewerbe. Auch die Zentrums-Gutscheine wurden rege genutzt. So verschenkten beispielsweise Firmen, anstelle des Weihnachtsessens, ihren Mitarbeitenden Gutscheine, damit sie sich selbst ein Weihnachtsgeschenk machen konnten. Das schätzen wir sehr.

Wie haben die Vermieter auf eure schwierige Situation, gerade während des Lockdowns, reagiert?
Beim Zusammenspiel von Vermietern und Ladenmietern gab es alle möglichen Szenarien. Die einen haben die Mieten komplett erlassen, andere haben eine gestaffelte Miete eingeführt, wieder andere haben gar nicht auf die Situation reagiert. Klar, die Vermieter können auch nichts für die Situation, aber ich bin der Meinung, wenn beide mit einem blauen Auge aus der Situation herauskommen, ist ihnen mehr geholfen, als wenn einer beide blauen Augen abkriegt.

Reichte die bisherige Unterstützung, die ihr bekommen habt?
Ja. Wir hätten uns aber gefreut, dass man für den Detailhandel pragmatische Lösungen gefunden hätte. Wir hätten zum Beispiel während der Adventszeit gerne Weihnachtshäuschen aufgestellt, damit wir auch Ladenfläche draussen gehabt hätten. Diese Idee wurde aber nicht unterstützt.

Wie haben die anderen Zentrumsmitglieder die bisherige Corona-Zeit erlebt?
Wer vor dem Lockdown bereits einen Onlineshop hatte, war sicher im Vorteil. Heute verfügen die meisten Geschäfte über diese Möglichkeit und können so auch auf diesem Weg mithalten – ohne geht es kaum noch. Wir haben aus den Reihen der Mitglieder keine negativen langfristigen Folgen herausgehört.
Seitens Zentrum haben wir die sozialen Medien verstärkt genutzt und unter dem #aaraueinkaufen die Beiträge der Mitglieder verbunden.

Corona ist aber nicht das einzige, das im Jahr 2020 geschehen ist. Ihr habt auch eine City Managerin bekommen. Hattet ihr bereits genügend Zeit einander kennen zu lernen?
Die City Managerin ist Teil von Aarau Standortmarketing und für uns die wichtigste Ansprechperson. Es ist ein neues Berufsmodell, das viel Entwicklungspotential hat. Es ist für uns alle Neuland und wir werden das Berufsfeld zusammen formen. Die ersten Kontakte mit Romana Waller waren sehr positiv und wir unterstützen uns gegenseitig. Denn wir wollen, dass sie Erfolg hat.

Wie ist der erste Eindruck?
Für uns war es wichtig, in diesem Job jemanden zu haben, der die Anliegen des Detailhandels versteht. Da hat die Auswahlkommission mit Romana Waller eine bestens qualifizierte Person gefunden. Wir sind absolut happy mit Romana. Der Start ist ihr absolut gelungen und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

Was erhofft ihr euch von der City -Managerin?
Für uns ist wichtig, dass Leerflächen wieder besetzt werden können. Es soll keine einseitige Nutzung entstehen, sondern einen guten Ladenmix haben. Sie ist mit den Liegenschaftsbesitzern und der Stadt in Kontakt, mit der -Gastronomie, mit dem Gewerbe, dem Citymärt und uns und wird somit zum Bindeglied. Wir sind eine Stadt und -jeder profitiert von jedem und genau das unterstützt Romana Waller in ihrer Aufgabe als City Managerin.

Wo sehen Sie momentan Handlungsbedarf?
Beim Veloverkehr. Ich begrüsse es, dass die Leute vermehrt mit dem Velo in die Stadt kommen. Damit die Velos nicht willkürlich überall hingestellt werden, braucht es aber gerade in der Altstadt öffentliche Veloständer. Der Veloverkehr müsste mehr gelenkt werden, damit es einerseits verkehrsmässig sicherer ist und andererseits die Betriebe durch den Veloverkehrt nicht gestört werden.

Welche Themen werden das Zentrum 2021 beschäftigen?
Momentan überlegen wir uns, ob es die Organisation Zentrum Aarau weiter in dieser Form braucht. Viele Geschäfte nutzen wohl die Plattform, wollen sich aber nicht beteiligen und verweigern eine Zusammenarbeit grundsätzlich. Da stellt man sich schon die Frage, ob ein Verein noch die richtige Organisation ist und ob man sich dafür weiterhin ehrenamtlich engagieren will. Zwar findet jeder gut, was wir machen, aber sich engagieren, will niemand. Wenn wir niemanden finden, der die Organisation mit allem Drum und Dran auf sich nimmt, wird auch beispielsweise das Night Shopping nicht mehr stattfinden können. Es ist nichts, was vom einen auf den anderen Tag geschehen wird, aber wir vom Vorstand beschäftigen uns mit der Zukunft des Zentrums.

Was wünschen Sie sich für 2021?
Ich wünsche mir, dass jedes Geschäft bei uns Mitglied wird, die Zentrumsgutscheine als Zahlungsmittel akzeptieren und wir eine gute Lösung für die Zukunft des Detailhandels finden.

Text & Bild: Sarah Künzli
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