«Bundesrat Brändli, das ist meine konservative Seite» | Der Landanzeiger
Matthias «Willi» Blaser zeichnet den Bundesrat Brändli in seiner Berner Wohnung.
Bern: Matthias «Willi» Blaser ist der Schöpfer des Bundesrat Brändli-Comic

«Bundesrat Brändli, das ist meine konservative Seite»

Wer ist der Mann, der jede Woche auf unserer Seite 3 den beliebten Comic zeichnet? Der Landanzeiger machte sich auf nach Bern zu Matthias «Willi» Blaser. Der Grafiker und Musiker wohnt dort in einem illustren Künstlerquartier. Den Bundesrat Brändli zeichnet er seit neun Jahren für den Nebelspalter – und für den Landanzeiger.

Ein ruhiges und dennoch lebendiges Quartier kurz nach der Autobahnausfahrt Bern Ostring. Das ist das Berner Murifeld. In einer ehemaligen Arbeitersiedlung stehen fast 100-jährige günstige Mietshäuser, die der Stadt gehören. Hier wohnt der Mann, der jeden Donnerstag im Landanzeiger den Bundesrat Brändli zeichnet: Matthias «Willi » Blaser. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft wohnen prominente Künstler aus der Berner Musikszene, von Polos Schmetterding bis Züri West.

«Du kannst Willi sagen», sagt der sympathische Satirezeichner zur Begrüssung. Aber eigentlich heisst er gar nicht Willi, sondern Matthias Blaser. «Willi war meine erste Comicfigur», erzählt er. Deshalb ist er für viele einfach der Willi. Den Bundesrat Brändli zeichnet er schon seit 2005. Blaser hatte bis dahin in einem Hanfladen in Thun gearbeitet und war Chefredaktor des Hanfmagazins «Hemp Times».

Der Laden lief super, denn Hanf war damals drauf und dran, legal zu werden. «Der Bundesrat wollte eine Liberalisierung», erzählt er, wie wenn es gestern gewesen wäre, «sogar der konservative Ständerat war dafür, aber der Nationalrat nicht, der hat die Gesetzesvorlage gebodigt, Wahnsinn!» Der florierende Hanfladen war plötzlich illegal und musste dichtmachen. Schlimmer noch, Willi als Geschäftsführer wurde zur Verantwortung und vor Gericht gezogen. Das war im Jahr 2007. «Ich war pleite, meine ganzen Ersparnisse wurden mir weggenommen, ich schlitterte in eine böse Krise», erzählt er.

Die Rettung wartete im Osten von Bern: Bei der Stadt hat er sich 2012 erfolgreich für die günstige Wohnung an der Gruberstrasse beworben, wo Willi Blaser heute noch sehr gerne wohnt. Hier kam er wieder auf die Beine. «Es war wie ein Lottosechser», erzählt er.

Der Ritterschlag
Und es ging weiter aufwärts: Im gleichen Jahr kam das Angebot vom Nebelspalter, den Bundesrat Brändli exklusiv für die berühmteste Schweizer Satirezeitschrift zu zeichnen. Ein Ritterschlag! Auch mit dem Landanzeiger wurde Willi Blaser handelseinig, denn hier arbeitet Deny Lanz, ein alter Musiker-Freund. So kam unsere Zeitung zu einem eigenen Bundesrat.

Der «Brändli» ist eines von mehreren beruflichen Standbeinen. Hauptsächlich arbeitet Willi Blaser als selbständiger Werbegrafiker, schafft Logos und Webseiten im Ein-Mann-Unternehmen (www.williswelt.ch). Dann ist der Led Zeppelin-Fan aber auch Herzblutmusiker in drei Bands. Noch erfolgreicher ist Willis Zwillingsbruder Chrigu Blaser, der als Berufsmusiker gleich in zehn Band aktiv ist. «Ich möchte in Zukunft mein Musikschaffen zumindest auf eine semiprofessionelle Ebene bringen», erhofft sich Willi, der begnadete Schlagzeuger und Sänger.

Wer ist Bundesrat Brändli?
Willi Blaser war schon immer interessiert an Politik. «Bundesrat Brändli ist für mich ein Kanal – und ein Privileg – um ohne mahnenden Zeigefinger, dafür mit viel Ironie die nationale und internationale Politik kritisch zu beleuchten», erklärt Willi seine Figur des Bundesrats Brändli, der politisch dem bürgerlichen Lager zuzuordnen ist. Im «Brändli» stecke aber auch einiges von ihm selbst, wie der Zeichner zugibt: «Bundesrat Brändli, das ist meine konservative Seite, die ich dank ihm ausleben kann.»

Den Namen von Bundesrat Brändli hat sich Willi Blaser im Übrigen von Mani Matter ausgeliehen. Im Lied «Dr Ferdinand isch gstorbe» gibt es die Songzeile: «So het au der Herr Brändli, mitmä Topf für d′Nacht, dem armä Ferdinändli es ändi gmacht.» Sein Bundesrat Brändli aber möge bitte noch lange weiterleben.

Text & Bild: Kaspar Flückiger
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on print