Integration findet in den Gemeinden statt | Der Landanzeiger
Die Co-Leiterinnen der Regionalen Integrationsfachstelle Sara Hadad und Louise Leibundgut, Andreas Ruf vom kantonalen Amt für Migration und Integration und Stadträtin und Präsidentin der Steuergruppe Angelica Cavegn-Leitner.
Regionale Integrationsfachstelle Aarau

Integration findet in den Gemeinden statt

Seit diesem Jahr arbeiten Sara Hadad und Louise Leibundgut als CO-Leiterinnen der Regionalen Integrationsfachstelle (RIF) Aarau zusammen. Welche Aufgaben haben die beiden zu erfüllen? Für welche Gemeinden sind sie zuständig? Und wie läuft die Zusammenarbeit bisher? Der Landanzeiger hat nachgefragt.

Wie kann ich mich freiwillig im Asylbereich engagieren? Wie schaffe ich es als Verein wirklich alle Einwohnerinnen und Einwohner einer Gemeinde zu erreichen? Gibt es in meiner Gemeinde jemanden, der mir als Neuzuzüger das Schulsystem erklärt, mich auf die Gepflogenheiten beim Wohnen, auf Deutschkurse oder Treffpunkte aufmerksam macht? Wie kann ich als Gemeinde den Austausch zwischen der einheimischen und der zugezogenen Bevölkerung fördern? Mit Sara Hadad und Louise Leibundgut hat die Region Aarau zwei Fachpersonen, die sich im Auftrag der Gemeinden Aarau, Buchs, Suhr, Hirschthal, Muhen und Unterentfelden und des Kantons um solche und weitere Anliegen kümmern.

Unter einem Dach
Die beiden bilden die Regionale Integrationsfachstelle Aarau (kurz: RIF Aarau), die als Teil der Sektion Gesellschaft der Stadt Aarau an der Heinerich-Wirri-Strasse 3 ansässig ist. Diese fasst die Angebote der Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit im Asylbereich (KFA) und der Mobilen Integration Region Aarau (MIRA) seit Beginn dieses Jahres unter einem Dach zusammen: Sara Hadad leitet KFA bereits seit 2016. Sie weiss, welche Angebote es für Asylsuchende gibt und kennt und vernetzt Organisationen für freiwilliges Engagement in diesem Bereich. Louise Leibundgut kam vor einem Jahr dazu als Leiterin der MIRA. Der Fokus der MIRA liegt auf der Beratung und Sensibilisierung von Akteuren der Regelstrukturen (Gemeindeverwaltungen, Vereine, Schulen, etc.) im Umgang mit Themen rund um Migration, Integration und Diversität – auch ausserhalb vom Asylbereich.

Die sechs beteiligten Gemeinden und der Kanton finanzieren das Projekt gemeinsam, die Steuerung erfolgt ebenfalls gemeinsam durch eine Steuergruppe, die von Stadträtin Angelica Cavegn präsidiert wird. Vizepräsidentin ist Gemeinderätin Irene Bärtschi aus Hirschthal.

Zeigt bereits Wirkung
Die Zusammenarbeit als Regionale Integrationsfachstelle Aarau läuft offiziell seit 1. Januar 2021 als Pilotprojekt und soll ab 1. Januar 2022 verfestigt werden. «Die enge Zusammenarbeit von Gemeinden, Kanton, Fachpersonen und zivilgesellschaftlichen Akteuren entfaltet in den sechs Gemeinden bereits Wirkung», sagt Louise Leibundgut. Sara Hadad ergänzt: «Mit unserer Zusammenarbeit hat sich gezeigt, dass es richtig ist, den Asylbereich nicht so strikt vom Ausländerbereich abzutrennen und stattdessen das Zusammenleben als Ganzes zu betrachten. Die Gemeinden der RIF Aarau sollen eine Ansprechstelle haben für jegliche Fragen im Bereich Integration, und nicht zuerst nach Status unterscheiden müssen.»

Stetig wieder anpassen
Jede Region ist wieder etwas anders, jede Gemeinde tickt etwas anders. In jeder Region und in jeder Gemeinde sind auch der Bedarf und die Gegebenheiten wieder etwas anders. Und so wird der Aufbau einer solchen regionalen Integrationsfachstelle auch nach dem Pilotprojekt nicht wirklich abgeschlossen sein. «Die Anforderungen an eine Integrationsfachstelle sind dynamisch und verändern sich stetig», so Louise Leibundgut. Und weiter: «Ebenso anspruchsvoll ist das konsequente Verfolgen des Regelstrukturansatzes innerhalb der Integrationsförderung. Der Kanton Aargau und somit auch unsere Fachstelle verfolgen in der Integrationsförderung den Regelstrukturansatz. Das heisst, dass keine separaten Sonderstrukturen aufgebaut, sondern bestehende Angebote gestärkt und Zugangsbarrieren abgebaut werden sollen. So zum Beispiel bei Vereinen, bei der Gemeindeverwaltung, in der Schule oder im Arbeitsmarkt. Die Gemeinden und der Kanton sehen die regionale Zusammenarbeit, wie sie mit der RIF Aarau umgesetzt wird, deshalb als ein langfristiges Angebot an, an dem wir dranbleiben und laufend Anpassungen vornehmen müssen.»

Synergien nutzen
«Integration findet vor Ort in den Gemeinden statt», sagt Andreas Ruf, der beim Kanton (Amt für Migration und Integration) für die Gemeindezusammenarbeit zuständig ist. Im ganzen Kanton existieren Stand heute sechs Regionale Integrationsfachstellen, denen insgesamt rund 60 Gemeinden angeschlossen sind, und sieben Koordinationsstellen für Freiwilligenarbeit im Asyl- und Flüchtlingswesen. Wie dies nun im Raum Aarau geschieht, sollen beide Bereiche auch in den anderen Regionen unter einem Dach zusammengeführt werden, um Synergien zu nutzen und die regionale Kooperation zwischen staatlichen Stellen, Fachpersonen und Zivilgesellschaft zu stärken.

Der Kanton unterstützt die beteiligten Gemeinden finanziell beim Aufbau und Betrieb dieser Regionalen Integrationsfachstellen im Rahmen des Kantonalen Integrationsprogramms (KIP) und der Verbundaufgabe Integration. In den kommenden Jahren möchte der Kanton diese Zusammenarbeit weiter verstärken. Weitere interessierte Gemeinden können sich den bestehenden oder im Aufbau befindlichen regionalen Strukturen anschliessen.

Weitere Informationen gibt es auf: www.integrationregionaarau.ch und auf www.ag.ch/rif.

Text & Bild: Sarah Künzli
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