Wie «Artofex» knetend die Welt eroberte | Der Landanzeiger
Die Aarauer Knetmaschine «Artofex» eroberte auch das Ausland, wie dieses Bild einer Ausstellung in Paris, aus der Zeit um 1920, zeigt.
Aargauer Industriegeschichten: Museum Aargau lanciert neue Buchreihe

Wie «Artofex» knetend die Welt eroberte

Museum Aargau beleuchtet mit der neue Publikationsreihe «Aargauer Industriegeschichten» einzigartige Firmen aus dem Kanton Aargau. Der erste Band widmet sich der F. Aeschbach AG: Die Aarauer Firma vertrieb unter dem Namen «Artofex» Teigknetmaschinen, die Bäckern auf der ganzen Welt das schweisstreibende Kneten abnahm.

Seit über 100 Jahren sind Aargauer Unternehmen ein starker Motor der industriellen Entwicklung der Schweiz. Zahlreiche Firmen produzieren bis heute für den Weltmarkt, andere sind längst verschwunden. Museum Aargau rückt mit der neuen Buchreihe «Aargauer Industriegeschichten» einige dieser Aargauer Industrieperlen ins Zentrum. Die erste Schrift «F. Aeschbach AG: Vom Messerschleifer zum Taktgeber im Backgewerbe» ist jetzt im Handel erhältlich. Das Buch von Historiker Manuel Cecilia widmet sich Friedrich Aeschbach (1856 –1936).

Der talentierte Schlosser Friedrich Aeschbach zog 1887 in die aufblühende Industriestadt Aarau und entwickelte in seiner kleinen Werkstatt Geräte wie Brot- und Käseschneidemaschinen oder Fruchtpressen. Der Betrieb expandierte schnell. Friedrich Aeschbach verlegte diesen ins Aarauer Torfeld – und legte damit den Grundstein für einen Welterfolg: 1904 baute er die türkisfarbene Knetmaschine «Artofex». Die Knetmaschine mit den zwei geschmiedeten Armen nahm den Bäckern erstmals das mühselige Kneten des Teiges ab. Das war revolutionär – und sorgte bei manchem Bäcker auch für Gewissensbisse: Weil die Kundschaft mit purer Muskelkraft hergestelltes Brot erwartete, wurden die Knetmaschinen auf Aarau oft bei Nacht und Nebel angeliefert.

Noch nie publiziertes Bildmaterial
Der Erfolg von «Artofex» sorgte für weitere Expansionen im Aarauer Torfeld. 1910 liess Firmengründer Friedrich Aeschbach jenes Gebäude bauen, das heute noch als Aeschbachhalle bekannt ist – das historische Herzstück des Aarauer Aeschbach-Quartiers. Nebst der Teigmaschine baute Aeschbachs Firma weitere Geräte für das Bäckerei- und Konditoreigewerbe sowie für Hotelküchen und die chemische Industrie weltweit. In Mailand, Paris und London gründete er Tochterfirmen. Bis zur Schliessung der F. Aeschbach AG 1988 wurden über 50’000 «Artofex»-Maschinen verkauft.

Die Publikation «F. Aeschbach AG: Vom Messerschleifer zum Taktgeber im Backgewerbe» besticht neben der Aufarbeitung der bewegenden Firmengeschichte durch ihr reichhaltiges, noch nie publiziertes Bildmaterial aus dem Firmenarchiv – und ist damit eine kurzweilige Lektüre mit überraschenden Einblicken in ein einmaliges Kapitel Aar(g)auer Industriegeschichte. «Die F. Aeschbach AG zeigt exemplarisch, dass auch Industriegeschichte von Kontinuität und Wandel geprägt ist», sagt Marco Castellaneta, Direktor von Museum Aargau. «In diesem Sinne ist auch die Geschichte von Friedrich Aeschbach ein Lehrstück für heutige Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich beispielsweise mit der Rolle von Digitalität und Robotik auseinandersetzen müssen.»

«Artofex»-Teigmaschinen ist nun ausgestellt
Der Band «F. Aeschbach AG: Vom Messerschleifer zum Taktgeber im Backgewerbe» entstand im Rahmen der Sonderausstellung «Von Menschen und Maschinen» von Museum Aargau. Die Ausstellung von Museum Aargau im SBB Historic-Gebäude in Windisch zeigt die bewegende Aargauer Industriegeschichte. Ausgewählte Objekte, Fotografien und einmalige Zeitdokumente vermitteln ein packendes Bild von der Vielfalt, Innovationskraft und weltweiten Vernetzung der Aargauer Industrie. In der Ausstellung ist auch eine originale «Artofex»-Teigknetmaschine der F. Aeschbach AG zu sehen. Ausgestellt ist zudem eine Miniatur-Version der Teigmaschine, die ebenfalls Teil der Sammlung Museum Aargau ist. Die kleine Version führten Verkaufsvertreter von «Artofex» damals in einem Lederköfferchen als Demonstrationsobjekt mit. Die Sonderausstellung läuft bis 31. Oktober 2021.

Wie «Artofex» knetend die Welt eroberte | Der Landanzeiger
Der erste Band der Aargauer Industriegeschichte widmet sich dem talentierten Schlosser Friedrich Aeschbach und seiner «Artofex».

Das Buch

Manuel Cecilia: F. Aeschbach AG:
Vom Messerschleifer zum Taktgeber im Backgewerbe.
Museum Aargau (Hg.).
72 Seiten, 50 Abbildungen,
UVP: 24 Franken.
ISBN 978 – 3-907 291 – 39 – 9.


Buchverlosung

Der Landanzeiger verlost 3 x 1 Buch F. Aeschbach AG

Wer gewinnen will, sendet ein Mail mit dem Betreff «Aargauer Industriegeschichten», seiner Adresse und Telefonnummer an wettbewerb@landanzeiger.ch

Einsendeschluss: Sonntag, 6. Juni 2021

Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Gewinn kann weder umgetauscht noch in bar ausbezahlt werden.


Bilder: zVg
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