«Damit Forstbetriebe eine Zukunft haben» | Der Landanzeiger
Zwei der Referenten zum Thema Wald: Revierförster und Betriebsleiter Marcel Hablützel (links) und Fabian Dietiker, Leiter Abteilung Wald des Kantons Aargau hoben die Besonderheiten des Waldes und des Vertragswerks hervor.
Teufenthal

«Damit Forstbetriebe eine Zukunft haben»

Viel Lob vonseiten des Kantons gab es für den neuen Betriebsplan der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Seon, deren Vertragsgemeinden Teufenthal, Dürrenäsch, Schafisheim und Seon das Dokument endlich unterschreiben konnten. Nach zweijähriger Vorarbeit verhinderte die Pandemie eine frühere Unterzeichnung.

Für die meisten Menschen ist der Wald einfach da. Dass der Wald aber auch die Lunge der Erde ist, dass sich Interessen der Wirtschaftlichkeit und der Nachhaltigkeit oft die Wege kreuzen und die entsprechende Bewirtschaftung gut durchdacht sein will, wird erst beim zweiten Blick klar. Oder wenn man das Leitbild der Forstbetriebsgemeinschaft Seon liest.

Dem Vertrag liegt ein Leitbild zugrunde
Dieses Leitbild lag dem umfangreichen Vertragswerk zugrunde, das nach zweijähriger Vorbereitungszeit bereits in Kraft getreten ist, obwohl es die Vertreterinnen und Vertreter der Vertragsgemeinden erst jetzt unterschrieben haben. Die Pandemie verhinderte ein früheres Zusammenkommen, doch auf das Signieren per Zirkulation wollte man bei einem so wichtigen Dokument verzichten. Und das Dokument ist wichtig: Im Wesentlichen berücksichtigt es die klimatischen Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der heutigen Holzproduktion unter Erhaltung eines gesunden, den Gefahren des Klimawandels bestmöglich angepassten Waldes, der den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. «Es ist ein Miteinander», fasste Revierförster und Betriebsleiter Marcel Hablützel die Lage zusammen. «Man hat es verschiedentlich probiert mit dichten Monokulturen, bis man gemerkt hat, dass es besser ist mit der Natur zu gehen, statt gegen die Natur», sagte der Betriebsleiter gegenüber den anwesenden Vertragspartnern bei einem Rundgang durch den Wald. «Es ist heute bekannt, dass die Bäume über die Wurzeln miteinander kommunizieren und der Wald eine Einheit bildet», fuhr Hablützel fort. Auf Räumungen würde deshalb verzichtet und nur mit kleinen Lücken gearbeitet, die in einem Rhythmus von ungefähr sechs Jahren bearbeitet werden.

Pionierarbeit geleistet
Gut möglich, dass unter der Federführung von Marcel Hablützel ein mögliches Standardwerk entstanden ist. In Zusammenarbeit mit dem Forstingenieurbüro Hasspacher & Iseli, den Gemeindevertretern und der Abteilung Wald des Kantons Aargau wurde aber auf jeden Fall Pionierarbeit geleistet. Ob der Plan aufgeht, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit auf die gewünschte Weise zu verbinden, wird freilich erst die Zukunft zeigen – der Vertrag gilt bis ins Jahr 2035.

Die Vielfältigkeit des Waldes
«Haben Sie sich geachtet, an wie vielen Baumarten wir vorbei gegangen sind?» fragte Hablützel zum Abschluss des Rundgangs. Man brauche schon ein etwas geschultes Auge: Fichten, Tannen, Föhren, Lerchen, Douglasien, Buchen, Bergahorn, Eschen, Eiche, Roteiche, Linde, Kirschbaum, Birke, Aspen, Edelkastanie, Hagenbuche, Weide und sogar ein Mammutbaum war dabei. «59 Prozent der Bäume sind Laubholz und 41 Prozent Nadelholz, wobei das vor allem junge Laubholz deutlich mehr Platz in Anspruch nimmt als das Nadelholz.» Das sei ein gewollter Umwandlungsprozess, der ebenfalls dem Klimawandel geschuldet ist. Fichten werden irgendwann keine mehr wachsen in Schweizer Wäldern.

Im Anschluss an die spannenden Ausführungen folgte die feierliche Unterzeichnung des umfangreichen Betriebsplans durch die Gemeindeammänner und Gemeindeschreiber der Vertragsgemeinden. Und weil es die Schutzvorschriften endlich zuliessen, konnte beim Apéro aus der Küche des Hallenbads Seon auf das gelungene Werk angestossen werden.

Text & Bildmontage: RC.
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