Absage der Bundesfeiern Stadt Aarau und Gemeinde Schöftland

Absage 1. August-Feier Aarau 2021 | Der Landanzeiger

Die Stadt Aarau und die Gemeinde Schöftland haben mitgeteilt, dass wegen den schlechten Wetterprognosen für Sonntag, 1. August die geplanten Bundesfeiern abgesagt werden müssen. Es ist am Nationalfeiertag wiederholt mit Regen und teilweise auch mit kräftigen Gewittern zu rechnen.

Die Absagen betreffen die Feier der Stadt Aarau «Unter den Linden» in Aarau-Rohr, sowie die Feier der Gemeinde Schöftland beim «Blick zur Heimat».

Wenn es das Wetter zulässt, wird Schöftland aber sein Höhenfeuer beim «Blick zur Heimat» um ca. 22 Uhr trotzdem entzünden.

Beschwerde gegen Neubau mit Vergleich erledigt

Beschwerde gegen Neubau mit Vergleich erledigt | Der Landanzeiger

Die Erleichterung bei den Verantwortlichen des Kantonsspitals Aarau, der Stadt, aber auch des Kantons ist gross. Der Neubau des Kantonsspitals Aarau kann gestartet werden. Nach längeren Verhandlungen konnte mit dem Beschwerdeführer ein Vergleich gefunden werden.

Gegen den Neubau des Kantonsspitals Aarau wurde im Zusammenhang mit Erschliessungsfragen beim Regierungsrat des Kantons Aargau Beschwerde geführt. Am Donnerstag, 22. Juli, fand unter der Leitung des Rechtsdiensts des Regierungsrats eine Vergleichsverhandlung zwischen den Beschwerdeführenden und der Kantonsspital Aarau AG als Bauherrschaft sowie unter Einbezug der Stadt Aarau als Baubewilligungsbehörde statt. Dabei konnte ein Vergleich erzielt werden, über dessen Inhalt gegenseitig Stillschweigen vereinbart wurde. Damit gilt die Beschwerde als erledigt und die Baubewilligung rechtskräftig. Sie ermöglicht den sofortigen Baustart.

«Dank der Bereitschaft aller Beteiligten kann nun der Startschuss zur Realisation des Spitalneubaus erfolgen», erklärt ein hoch erfreuter Peter Suter, Verwaltungsratspräsident des KSA. Mit dieser zukunftsfähigen Infrastruktur wird es den Mitarbeitenden möglich sein, auch weiterhin Spitzenleistungen zu erbringen und Medizin auf höchstem Niveau zu praktizieren. Auch bei Sergio Baumann, CEO ad interim, ist die Begeisterung und gleichzeitig Erleichterung riesengross: «Für die Mitarbeitenden des KSA bietet dieser grosse Schritt die langersehnte Perspektive für die Zukunft.»

Der Aarauer Stadtrat hat dem KSA die Baubewilligung am 29. März 2021 erteilt und dabei drei Einwendungen abgewiesen. Mit zwei der drei Einsprecher konnten sich die Verantwortlichen einigen. Der Dritte hat den stadträtlichen Entscheid mittels Beschwerde beim Kanton angefochten. Doch nun kommt alles gut.

Derzeit laufen die letzten Vorbereitungsarbeiten auf dem Baufeld. Geplant ist ein zeitnaher Beginn der Aushubarbeiten im Sommer.

Ein beliebter Schreiber tritt ab

Ein beliebter Schreiber tritt ab | Der Landanzeiger

Nach mehr als 34-jähriger Tätigkeit als Gemeindeschreiber von Erlinsbach trat Bruno Vogel Ende Juni in den Ruhestand. Gemeindeschreiber ist er gesamthaft seit 42 Jahren. 1979 trat er seine Stelle in Birmenstorf bei Baden an. 1987 wählte ihn der Gemeinderat zum Gemeindeschreiber von Erlinsbach, als Nachfolger von Hans Dätwyler.

Aufgewachsen ist Bruno Vogel in der Region Aarau. Die Verwaltungslehre hat er damals in Unterentfelden absolviert. Bei seinem Stellenantritt in Erlinsbach zählte die Gemeinde 2600 Einwohner – heute sind es deren 4450. Bruno Vogel hat also die grosse Entwicklung von Erlinsbach nicht nur hautnah miterlebt, sondern auch mitgestaltet. Anfänglich, und bis zur Regionalisierung, war er auch Zivilstandsbeamter und während mehr als 20 Jahren zudem Bauverwalter. Neben dem Amt als Gemeindeschreiber, damals fast etwas wie eine Herkulesaufgabe, bei der schon damals wie heute immensen Bautätigkeit.

Ein Gestalter und Berater
Bruno Vogel hat auch die Entwicklung und Veränderung seines Berufstandes miterlebt. Dieser hat sich vom reinen Verwalter mehr und mehr zum Gestalter gewandelt. Er hat es immer als Privileg angesehen, den Gemeinderat bei der Entwicklung, Positionierung und Entfaltung der Gemeinde zu beraten und zu unterstützen.

Aber nicht nur die Behörde, sondern auch verschiedenen Kommissionen und Gremien, wie auch die Verwaltung konnten von seinem Wissen, seinem Elan und seinem Flair für unkomplizierte und pragmatische Lösungen profitieren. Sehr wichtig war ihm auch eine moderne, effiziente und bürgerfreundliche Verwaltung. Das Machbare stand für ihn stets im Vordergrund. Umständliche und komplizierte Papiertiger, langatmige Konzepte und Bürokratie waren gar nicht sein Ding, wie auch die zunehmende Flut von oft überflüssigen und nicht notwendigen Belehrungen und Weisungen, vor allem von Seiten des Kantons.

Bruno Vogel war stets Verfechter einer starken und echten Gemeindeautonomie. Falls nötig und angezeigt, hat er seine Meinung jeweilen auch klar und akzentuiert vertreten.

Viel Engegement für die Schule und die Vereine
Für die Bevölkerung war er ein kompetenter, offener und zugänglicher Ansprechpartner und auch Ratgeber für jegliche Fragen und Anliegen. Unzählig sind die Geschäfte und wichtigen Projekte, die er in seiner langjährigen Tätigkeit bearbeitet und mitbetreut hat. Als Sekretär des Schulvorstandes engagierte er sich auch lange Jahre für die Schule Erzbachtal. Er war damals auch massgeblich involviert in den gesamten Zusammenschluss der Erlinsbacher Schulen diesseits und jenseits des Erzbaches. Er war auch für die Dachorganisation der Erlinsbacher Vereine sowie den Trägerverein des Kultur- und Begegnungszentrums Wygärtli tätig. Sehr am Herzen lag ihm die Zusammenarbeit der beiden (früher drei) Gemeinden im Erzbachtal. Bruno Vogel präsidierte während 10 Jahren den Aargauer Gemeindeschreiberverband und bis vor kurzem auch den Aargauischen Rennverein.

Sein Steckenpferd sind jegliche geschichtlichen Aspekte von und um Erlinsbach. Er kennt sich hier bestens aus, wie auch in der umfassenden und wertvollen Fotosammlung, welche die Gemeinde vor Jahren aus einem Nachlass übernehmen konnte.Bruno Vogel war auch an insgesamt 20 Ausgaben der Erlinsbacher Dorfchronik sowie an der Jubiläumsschrift der Ortsbürgergemeinde massgeblich beteiligt.

Ein beliebter Schreiber tritt ab | Der Landanzeiger
Bruno Vogel

Bruno Vogel wurde anlässlich der Gemeindeversammlung vom 25. Juni offiziell verabschiedet. Als Zeichen der Wertschätzung und Dankbarkeit für die geleisteten Dienste, wurde ihm im Namen des Gemeinderates ein «Bänkli » geschenkt. Den Standort des «Bänklis » darf Bruno Vogel frei wählen.

Toller Platz zum Altwerden

Toller Platz zum Altwerden | Der Landanzeiger

Die Sanierungsarbeiten der Station Milchgasse des Pflegeheims Golatti in Aarau laufen auf Hochtouren. Am 18. Oktober sollen die Bewohner einziehen. Es hat noch freie Zimmer.

Die Stadt Aarau investiert in den kommenden Jahren rund 70 Millionen Franken für die Sanierung und den Neubau ihrer Pflegeheime und Alterssiedlungen Golatti und Herosé. Der Anfang wurde mit der Sanierung der Station Milchgasse gemacht, deren Sanierung 7,8 Millionen Franken kostet. Ein Rundgang auf der Baustelle zeigt, das Geld wird gut investiert und es solle eine «Punktlandung» geben, wie die zuständige Stadträtin Angelica Cavegn Leitner sagte.

Noch wird in der Station Milchgasse auf Hochtouren gearbeitet, doch schon Mitte Oktober sollen die Bewohnerinnen und Bewohner wieder einziehen können. Sie haben übergangsmässig an anderen Orten gewohnt. «Es hat noch freie Zimmer in der umgebauten Liegenschaft», sagt Rupert Studer, Leiter der Abteilung Pflegeheime der Stadt Aarau.

Toller Platz zum Altwerden | Der Landanzeiger
Auch der Raum (links) vor den einzelnen, hellen Zimmern mit je einer Nasszelle (rechts) wurde aufgewertet.
Toller Platz zum Altwerden | Der Landanzeiger

Die Rückkehrerinnen und Rückkehrer in die Station Milchgasse werden ihr ehemaliges Zuhause kaum mehr erkennen. Die Zimmer sind nun alle mit WC und Dusche ausgestattet, das war früher nicht so. Mehrere Bewohner mussten sich jeweils eine Dusche teilen. Zudem sind die Zimmer nun alle Richtung Schachen ausgerichtet und bieten viel Tageslicht. 25 der 27 Zimmer sind nun rollstuhlgängig und auch im Gang gibt es viel Tageslicht.

Die Station Milchgasse wurde so konzipiert, dass das Gebäude bei rückläufigem Bedarf an Pflegeplätzen anderweitig genutzt werden kann. So wie früher, als es ein Frauenkloster, ein Lateinschulhaus, ein Spital oder eine Seidenbandfabrik war. Am 2. Oktober ist ein Tag der offenen Tür geplant.

Mehrtägiger Praxistest mit dem Mazda MX-30

Mehrtägiger Praxistest mit dem Mazda MX-30 | Der Landanzeiger

Der Landanzeiger wollte genauer wissen, wie gross die Umstellung vom Benziner auf ein Elektro-Auto ist und welche Abläufe in der täglichen Routine neu zu lernen sind. Die Garage Aerni, Safenwil, stellte zu diesem Zweck den neuen Elektro-Mazda MX-30 zur Verfügung. Rolf Steiner vom Landanzeiger-Team ist vorher noch nie ein E-Auto gefahren.

Roger Aerni und der Mazda erwarten mich am Montagmorgen in Safenwil. Es ist für mich gleich eine doppelte Premiere: Ich bin noch nie einen Mazda gefahren und noch nie ein Mobil mit Elektroantrieb. Edel sieht er aus, der MX-30, der mich nun eine Woche im Alltag begleiten wird. Was mir sofort ins Auge sticht, ist das sogenannte «Freestyle-Door-System»: Die hinteren Türen öffnen gegenläufig, was sehr elegant aussieht. Beim Interieur wurden viele umweltfreundliche Materialien eingesetzt wie beispielsweise Kork an der Mittelkonsole oder rezykliertes PET in der Türverkleidung. Beim Hinweis «Sitzbezüge aus veganem Leder» musste ich allerdings schmunzeln, da es einfach die moderne Umschreibung für Kunstleder ist. Das Auto, mit dem ich die neuen Elektro-Auto-Erfahrungen vergleichen werde, ist der Skoda Yeti, ein Benziner, der mich zuverlässig durch die letzten 10 Landanzeiger-Jahre gefahren hat. Als Geschäftsauto bringt es der Yeti durchschnittlich auf 30’000 km pro Jahr bzw. 82 km pro Tag.

Die Funktionseinweisung für den Mazda MX-30 von Roger Aerni ist erfreulich schnell erledigt. Nachdem er mir gezeigt hat, wie man das Auto an der Stromsäule auflädt und wie die «Tank»-Anzeige am Armaturenbrett zu interpretieren ist, meinte er: «So, der Rest funktioniert, wie sie es von Ihrem bisherigen Auto gewohnt sind.»

Mehrtägiger Praxistest mit dem Mazda MX-30 | Der Landanzeiger
Elegant und modern: die Innenausstattung des Mazda MX-30.
Mehrtägiger Praxistest mit dem Mazda MX-30 | Der Landanzeiger
Mehrtägiger Praxistest mit dem Mazda MX-30 | Der Landanzeiger
Das MX-30-Türsystem mit gegenläufig öffnender Hintertür.

Funktioniert einfach
Die ersten Kilometer im neuen Auto beruhigen mich, es funktioniert alles wie bei einem klassischen Fahrzeug mit Automatikgetriebe. Der einzige Unterschied, die «Tank-Uhr» zeigt nicht den Stand des Benzins an, sondern den Ladestand der Batterie. Ebenfalls angezeigt wird die Restreichweite in Kilometern, bis der nächste Lade-Stopp fällig wird.

Wir haben uns schnell angefreundet, der Elektro-Mazda und ich. Der bequeme und gut stützende Fahrersitz hat es mir sehr angetan. Auch die gute Beschleunigung und die präzise Steuerung. Der Wagen ist wertig verarbeitet und ich habe es sehr geschätzt, dass während der Fahrt wichtige Funktionen wie Musiklautstärke oder Klimagebläse weiterhin auch über Drehregler und Knöpfe «blind» eingestellt werden können.

Suche nach Ladestationen
Wie ich im Testzeitraum feststellen konnte, hat es im Landanzeiger-Gebiet erfreulich viele öffentliche Ladestellen und fast täglich gehen neue ans Netz. Da diese aber selten bei Tankstellen stehen und jeder Anbieter eine eigene Verzeichniskarte seiner Ladestellen hat, ist es nicht immer einfach, diese Stationen zu finden. Zentrale Übersichtskarten für E-Ladestellen z. B. vom TCS oder auch von elektro suisse sind leider noch unvollständig.

Momentan geht es am einfachsten, wenn man sich einmal die Mühe macht und mit vollem Tank in seinem Fahrgebiet nach Ladesäulen Ausschau hält, diese anfährt und dort nachsieht, wer der Anbieter ist. Wenn man sich dann die App dieser Anbieter aufs Handy lädt, sieht man schnell, wo er im Gebiet weitere Ladestellen hat. Bei mir waren es am Ende die drei Anbieter eniwa, Fastned und Gofast.

Umweltschutz berücksichtigt
Weil der durchschnittliche Schweizer laut Mazda nur rund 40 km pro Tag fährt, hat man sich dafür entschieden, beim MX-30 eine kleinere Batterie mit einer Reichweite von 200 km zu verbauen. Durch die kleinere Batterie sollen über den ganzen Produktlebenszyklus des Autos weniger CO2-Emissionen entstehen. Zentrale Käuferzielgruppe des MX-30 sind also eher Stadtbewohner oder Zweitwagenhaushalte. Wie ich im täglichen Landanzeiger-Gebrauch feststellen musste, ist die Batterie- Reichweite für meine geschäftlichen Zwecke knapp bemessen. Speziell, da ich weder zu Hause noch im Geschäft eine Lademöglichkeit zur Verfügung habe. So musste ich im Testzeitraum täglich eine öffentliche Ladestation aufsuchen.

30 bis 45 Minuten Ladezeit
Der Ladevorgang an allen Stationen funktioniert unabhängig vom Anbieter erfreulich unkompliziert: App des jeweiligen Anbieters auf dem Handy öffnen, hinterlegte Kreditkarte anwählen, Stecker ins Auto stossen und «Laden starten»-Knopf auf dem Handy drücken. Und damit kommen wir zum einzigen unangenehmen Teil dieses Tests: Alle Elektro-Autos brauchen viel Zeit beim Laden.

Während ich bei meinem Benziner-Yeti fürs Tanken einmal pro Arbeitswoche rund 10 Minuten an der Tanksäule brauche, benötige ich für das Laden der Batterie des Mazda zwischen 30 und 45 Minuten. Wer ein Elektro-Auto kauft, sollte auch in eine Ladestation zu Hause investieren, um nachts den Akku laden zu können.

Eine Batteriefüllung von ca. 25% auf 80% Leistung kostete um die 10 bis 12 Franken. Beim Yeti verbrauche ich pro Arbeitswoche rund einen Tank Benzin à 85 Franken, beim Elektro-Mazda habe ich an öffentlichen Ladestationen in der gleichen Zeit 5 Ladungen zu total rund 60 Franken verbraucht. Eine eigene Ladestation zu Hause mit privater Nutzung des Nachtstroms würde die Stromkosten nochmals markant verringern.

Fazit des Praxistests
Es hat Spass gemacht, den Mazda MX- 30 testen zu dürfen. Ein formschöner, gut zu fahrender und wertiger Wagen. Der Umstieg vom Benziner zum reinen Elektro-Auto fiel mit diesem Fahrzeug leicht. Für Leute mit der von Mazda anvisierten täglichen Fahrleistung von durchschnittlich 40 km pro Tag sicher ein Modell für die engere Auswahl. Wenn man die Möglichkeit hat, zu Hause oder im Geschäft eine eigene Ladestation zu installieren, entfällt auch das lange Warten an den öffentlichen Ladestellen weitgehend.

Hier gelangen Sie zur Sommeraktion der Garage Aerni in Safenwil:
aerni-automobile.mazda.ch

«Montreal 1976 war ein grossartiges Erlebnis»

Montreal 1976 war ein grossartiges Erlebnis | Der Landanzeiger

Der ehemalige Uerkner Bahnrennfahrer Walter Bäni (64) blickt für den «Landanzeiger» zurück auf seine Olympia-Teilnahme im Jahr 1976 in Montreal. Was er damals alles erleben durfte, davon können viele Sportlerinnen und Sportler in Tokio zurzeit nur träumen.

Die Olympischen Spiele in Tokio wurden vor einigen Tagen eröffnet. Dabei werden viele schöne Erinnerungen an mein eigenes Olympia-Abenteuer wach. 45Jahre ist es her, aber ich weiss noch so viele kleine Details. Es war ein grossartiges Erlebnis!

Immer schon war Olympia für Sportler eine Art «Ritterschlag». Wer es nie an die Olympischen Spiele schafft, der hat etwas verpasst. Und doch tun mir die heutigen Athleten etwas leid. Olympia ohne Zuschauer, da fehlt die Stimmung, es ist einfach nicht dasselbe. Ich hoffe, die Athleten können sich dennoch freuen. So wie ich damals: Die 57 Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer, all die Sportgrössen der damaligen Zeit, versammelten sich in Kloten, um gemeinsam nach Kanada zu fliegen. Von ihnen hatte ich wenige Jahre zuvor noch Autogramme gesammelt, nun gehörte ich selber zu dieser Elite.

Andere Schweizer gesiezt
Ich war 19 und konnte es kaum glauben. Vor lauter Ehrfurcht sagte ich zunächst zu allen Sie! Für die Dauer der Spiele (drei Wochen lang) wohnten wir gemeinsam im Olympischen Dorf, und nach der Schlussfeier flogen alle zusammen wieder nach Hause. Wir sechs Radrennfahrer teilten uns ein winziges Appartement mit Etagenbetten mit den zwei Judokas. Ich hatte das Glück, bereits am fünften Tag im Einsatz zu sein. Danach konnte ich mehr als zwei Wochen lang den Geist der Spielegeniessen. Ich besuchte andere Wettkämpfe, ging im Olympischen Dorf ins Restaurant, ins Kino oder in die Disco und lernte Sportler und Sportlerinnen aus der ganzen Welt kennen. Auch bei den glanzvollen Eröffnungs- und Schlussfeiern durfte ich dabei sein. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Heute reisen die Athleten so kurz wie möglich vor ihrem Einsatz an und müssen Tokio, nach Beendigung ihres Wettkampfs, nach maximal 36 Stunden wieder verlassen. Wie schade, sie verpassen einiges.

Nie mehr vergesse ich den Tagmeines Wettkampfs. Ich wartete auf das Startkommando, und mir wurde bewusst: Dies war der Moment, von dem ich jahrelang geträumt hatte. Gleich würde ich im voll besetzten Stadion ganz alleinmeine Runden drehen. Ichwusste, dass praktisch alle Einwohner von Uerkheim jetzt vor dem Fernseher sassen und mir die Daumen drückten. Und ich wollte ja eine Medaille gewinnen. So viel Druck! Am liebsten wäre ich davongerannt, möglichst weit weg, auf eine einsame Insel in der Südsee.

Ich tat es dann nicht, sondern trat im Velodrome mit voller Energie in die Pedalen und «strampelte» die 1000 Meter ab. Am Ende wurde ich Achter, heute gibt es dafür ein Olympisches Diplom, damals bekamen das nur die ersten sechs. Ich weiss nicht, ob sich mein Leben verändert hätte, wenn ich eine Medaille gewonnen hätte. Aber zu erleben, wie man sich als kleiner Star fühlt, das war auch mir gegönnt.

Unvergesslicher Empfang
Der Empfang, den mir mein Heimatdorf Uerkheim bereitete, gehört zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens. Per Oldtimer wurde ich durchs Dorf gefahren und durfte den Leuten am Strassenrand zuwinken. Auf dem Schulhausplatz gab es eine grosse Feier mit der Musikgesellschaft, dem Jodlerchörli, dem Männerchor und vielen Festrednern. So manches Autogramm durfte ich schreiben, und meine Beliebtheit bei den Mädchen stieg schlagartig an. Später wurden wir auch im Bundeshaus in Bern von Bundespräsident Rudolf Gnägi empfangen. Lange stand beim Dorfeingang in Uerkheim eine grosse Tafel «Herzlich willkommen Walter Bäni». Ich habe all das genossen. Aber ich war auch froh, als nach ein paar Wochen wieder Normalität einkehrte. Viele Spitzensportler möchten auf dem Höhepunkt der Karriere zurücktreten. Hätte ich danach gehandelt, hätte ich mit 19 aufhören müssen. Im selben Jahr Zweiter der Weltrangliste, zwei Schweizer-Meister- Titel, fünf Schweizer Rekorde, einen Beinahe-Weltrekord und einen 8. Platz bei Olympia, das erreichte ich nie mehr.

Für mich war mit 22 die Zeit des Abschieds gekommen. Weil ich etwas anderes machen wollte: eine Rucksack- Weltreise! Natürlich kamen mir auch Zweifel an meinem Entschluss. Endgültige Klarheit erhielt ich im Südseeparadies Bora-Bora. Dort dachte ich an meine Kollegen der Nationalmannschaft, die nun in der härtesten Trainingsphase für die Olympischen Spiele von Moskau 1980steckten. Ich nahm einen weiteren Schluck meines gekühlten Drinks, streckte mich auf dem Liegestuhl, blinzelte in die Sonne und wusste: Mein Entscheid war richtig: der, für den Traum einer Olympiateilnahme auf vieles zu verzichten, und der, vom Velo zu steigen und im Leben auch noch andere Projekte anzupacken.


Eindrücke aus Walter Bänis Fotoalbum



Zur Person
Walter Bäni (17. Februar 1957) ist in Uerkheim geboren und aufgewachsen. Er hat als Radrennfahrer in der Disziplin Kilometerzeitfahren an den Olympischen Spielen von Montreal 1976 den8. Rangbelegt. Fast 30 Jahre lang lebte er in Davos, wo er bei der «Davoser Zeitung» als Sportredaktor tätig war, ehe er sich 2007 selbständig machte. 2017 zog er ins Zürcher Oberland. Nun kommt er zurück in seine Heimat. Ab Ende Oktober wohnt Walter Bäni in Schöftland.


Sprinter Silvan Wicki vertritt den BTV Aarau in Tokio

Regionale Olympiateilnehmer | Der Landanzeiger

Die 32. Olympischen Sommerspiele in Tokio sind seit sieben Tagen in vollem Gang. Am Samstag erfolgt der erste Einsatz des 100-Meter-Sprinters Silvan Wicki (26) vom BTV Aarau. Er ist der einzige Athlet aus dem «Landanzeiger »-Gebiet in Japan. Aber nicht der Erste, der die Farben des BTV Aarau bei Olympia vertritt. Ein Rückblick auf ehemalige Olympioniken aus der Region.

Mit Hansruedi Jost (Hammer) und Gusti Schlosser (Weitsprung) nahmen 1960 erstmals Sportler des BTV Aarau an den Olympischen Spielen teil. Diese fanden in Rom statt.

Der legendäre Aarauer Speerwerfer Urs von Wartburg (84) vertrat die Schweiz fünfmal an Olympischen Spielen. Seine beste Platzierung, einen 5. Platz, erreichte er vor 57 Jahren an den Olympischen Spielen 1964, ebenfalls in Tokio. Im Jahre 1965 wurde er zum Sportler des Jahres gewählt und bei den Olympischen Spielen 1972 war er Fahnenträger der Schweizer Delegation. Er gewann zwischen 1957 und 1980 nicht weniger als 26 Landesmeisterschaften, 22 im Speerwurf, drei im Fünfkampf, eine im Zehnkampf.

Mit 400-Meter-Läuferin Vreni Leiser (76) vertrat 1972 die erste BTV-Athletin die Aarauer Farben bei Olympia. Das Aarauer Olympia-Quintett in München wurde durch Werner «Düsewerni» Dössegger (10’000 m), Werner Meier (1500m) und Linus Rebmann (Weitsprung) komplettiert.

Der Moderne Fünfkämpfer Peter Minder (64) vertrat die Aarauer Farben 1984 an den Olympischen Spielen in Los Angeles. Dort erreichte das Team mit Andy Jung, Peter Minder und Peter Steinmann den 4. Platz und holte ein Olympisches Diplom. Im Einzel belegte Peter Minder Rang 19. Später machte er sich einen Namen als Sport-Kommentator und -Moderator beim Schweizer Fernsehen.

1988 gewann der in Aarau lebende Ruderer Beat Schwerzmann (55) zusammen mit Ueli Bodenmann im Doppelzweier die Silbermedaille in Seoul. Vier Jahre später, in Barcelona, belegte er im Doppelvierer Rang 4. In Seoul amtete Beat Schwerzmann als Schweizer Fahnenträger bei der Schlussfeier. Beat Schwerzmann gewann während seiner Karriere 14Schweizer-Meister-Titel in verschiedenen Bootsklassen.

Mit Martina Stoop (48) vertrat 1996eine 400-Meter-Hürdenläuferin die Aarauer Farben an den Olympischen Spielen in Atlanta. An denselben Spielen war der Suhrer Robbie Kostadinovich (48) Teil der Schweizer Handballnationalmannschaft, die am Ende den guten 8. Rang belegte. Kostadinovich bestritt 181 Länderspiele und erzielte deren 771 Tore.

Der Mountainbiker Florian Vogel (39) aus Kölliken vertrat die Region nicht nur regelmässig und erfolgreich an Welt- und Europameisterschaften, sondern 2008 (Peking) und 2012 (London) auch zweimal an den Olympischen Spielen. Vogel gewann in seiner Karriere zwei Europameistertitel, drei WM-Medaillen, zwei Weltcupsiege und mehrere Meistertitel.

Petra Henzi (52) aus Rombach vertrat die Region 2004 und 2008 als Mountainbikerin bei Olympia. 2008 in Peking fuhr sie auf den sehr guten 6. Platz. Sie stand auch vier Jahre zuvor in Athen im Aufgebot, verletzte sich dort jedoch in einer Trainingsfahrt vor Ort und konnte am Wettkampf nicht teilnehmen. Ihr grösster sportlicher Erfolg war der Marathon-Weltmeistertitel 2007 in Verviers. Sie gewann insgesamt auch sieben Titel an den Schweizer Meisterschaften in den Disziplinen Cross-Country, Mountainbike- Marathon und Querfeldein.

Weiter waren auch Trainer (z. B. Beat Stirnemann, Gränichen, MTB) oder Funktionäre (z. B. Daniel Plattner, Oberentfelden, Chef de Mission und Präsident des Schweizerischen Olympischen Verbands, des Vorgängers von Swiss Olympic) aus der Region Teil der olympischen Familie. Die Liste der Athleten ist nicht vollständig.