Lernen, spicken und Spass haben | Der Landanzeiger
Das waren noch Zeiten, als die Klassen – wie hier 1968 in Küttigen – noch über 40 Kinder umfassten.
Schule einst und heute

Lernen, spicken und Spass haben

Am Montag, 9. August, startet im Aargau das neue Schuljahr 2021/2022. Für über 7000 Kinder ist es der erste Tag im Kindergarten, für 7200 ist es der erste Schultag. Damen und Herren Gemeindeammänner aus dem Landanzeiger-Gebiet lassen die Leserschaft an ihren Erinnerungen an die Einschulung oder die Primarschulzeit teilhaben.

Früher war der Rektor der Chef der Schule, Rektorinnen waren äusserst selten. Heute nennt man sie Schulleiterinnen oder Schulleiter. Einmal pro Jahr kam der Schulinspektor. Hatte früher jede Klasse meist nur einen Lehrer oder eine Lehrerin, so sind die Pensen heute immer öfters auf mehrere Lehrpersonen aufgeteilt. Klassengrössen wie auf dem Bild der 1. Klasse aus Küttigen 1968, mit 41 Schülerinnen und Schülern, waren früher an der Tagesordnung. Heute ist das undenkbar. Samstagmorgen-Unterricht war noch lange Standard.

Während der Schulzeit wurden jeweils an einem Nachmittag auch Pro-Juventute-Marken, Schoggitaler und die Sterne der Winterhilfe verkauft. Das regelmässige Altpapiersammeln war ein Erlebnis für alle.

Der Hellraumprojektor war lange das einzige elektronische Gerät im Schulzimmer. Blätter wurde auf dem Matrizendrucker vervielfältig, die Weltkarte und die Karte der Schweizer gab es in Form von grossen Rollos. Der Wandtafelschwamm flog auch Mal quer durchs Schulzimmer und traf nicht immer den Richtigen. Auf das quadratische Holzlineal knien, «Tatzen» auf die Innenseite der Hand, Haare reisse, Ohrfeige oder in die Ecke stehen, waren Strafen, die man heute – zum Glück – nicht mehr anwendet.

Das Löschblatt, aber auch die Unterseite des Lineals, die Tischkannte oder die Innenklappe des Etuis dienten oft als Plätze für den Spickzettel. Erwischt wurden wir trotzdem. Statt SMS oder WhatsApp-Nachrichten schrieb man sich früher noch richtige Liebesbriefe, meist aber erst nachdem man sich im Poesie- und Erinnerungsalbum verewigt hatte.

Klassengrössen von 40 und mehr Schülern hatten den Vorteil, dass die Lehrer nicht alle ihre Schäfchen auf einmal im Auge behalten konnte und es durchaus auch Platz für Spässchen oder gar «Blödsinn» gab. Etwas hat sich aber nicht verändert: In der Schule lernt man fürs Leben.

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Rolf Buchser, Jahrgang 1963, wurde im Frühling 1970 in Therwil BL eingeschult.

Rolf Buchser, Schöftland

Meine Primarschulzeit war unbeschwert, obwohl meine Eltern aus wirtschaftlichen Gründen noch dreimal umzogen und Wohnort und Kanton wechselten. So erlebte ich eine Schulzeit in den Kantonen Basel-Land, Aargau, Solothurn und St. Gallen. Jeder Kanton hatte (und hat) ein eigenes Bildungssystem. Das Einzige was die kantonalen Bildungspolitiker seit 1970 schweizweit vereinheitlichen konnten, ist der Schulanfang anfangs August. Seit 50 Jahren wird unser Bildungssystem ständig angepasst, umstrukturiert, verbessert und teurer. Ob die Schülerinnen und Schüler nach absolvierter Schulzeit heute besser auf das (Berufs-) Leben vorbereitet sind, wage ich zu bezweifeln. Die föderalistischen Schulsysteme beeinträchtigen jedoch auch heute noch schweizweit die Mobilität von Familien sehr.

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Francisco Baños, Jahrgang 1980, wurde in Moosleerau eingeschult.

Francisco Baños, Moosleerau

Die Dorfschule in Moosleerau hat mir einen Teil meiner Lebenswurzeln gegeben, wofür ich dankbar bin. Ich ging sehr gerne zur Schule. Mein Lieblingsfach war Turnen, ich liebte es auch Fussball zu spielen oder an den eisernen Kletter- und Reckstangen auf unserem Schulhausplatz herumzuturnen.

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Urs Affolter, Jahrgang 1957, wurde in Langenthal eingeschult.

Urs Affolter, Buchs

Der Buchser Gemeindeammann Urs Affolter wurde am 20. April 1964 im Schulhaus Kreuzfeld III, im Zimmer 4, in der Oberaargauer Gemeinde Langenthal BE eingeschult. Seine Lehrerin hiess Frau Inversini.

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Erich Hunziker, Jahrgang 1971 (feiert heute seien 50. Geburtstag), wurde 1978 in Kirchleerau eingeschult. Das Bild stammt aus der Zeit des kleinen Kindergartens.

Erich Hunziker, Kirchleerau

Leider gibt es kein Foto meiner Einschulung, da ich an meinem ersten Schultag Richtung Schule davongerannt bin, weil ich mich nicht fotografieren lassen wollte. Das Ergebnis, ich war eine Stunde zu früh. Immer wieder ärgere ich mich über mich selbst, über das Verhalten von damals. Meine Kinder mussten deshalb an ihrem ersten Kindergarten- und Schultag stillhalten, weil ich ihnen genau das ersparen wollte. Zurück zur Schule: in der Unterstufe waren Rechnen und Heimatkunde (ja das gab es damals noch) meine Lieblingsfächer, später in der Bezirksschule Physik. Ich besuchte die Schule in Moosleerau, Kirchleerau (5. Klasse), die Bezirksschule in Schöftland (4 Jahre) und erinnere mich gerne an diese Zeit zurück.

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Peter Stirnemann, Jahrgang 1953, wurde in Gränichen eingeschult.

Peter Stirnemann, Gränichen

Auf Grund der grossen Schülerzahlen musste ich auf meinem Schulweg am Vorstadtschulhaus (400 m) vorbei laufen direkt ins Dorfschulhaus (900 m). Ohne Elternteil lief ich stolz mit meinem Schulranzen am ersten Schultag ins Dorf. Meine Lehrerin hiess Fräulein Kaufmann (heute Frau Bürki). Als kleinster Schüler musste ich natürlich in der ersten Sitzreihe Platz nehmen. Unsere Klassengrösse betrug damals 46 Schülerinnen und Schüler! Mein Lieblingsfach war natürlich Turnen. Schreiben und lesen war nicht so mein Ding, musste aber halt auch sein. Das Gekritzel mit dem «Griffel» auf der Schiefertafel machte keinen Spass. Als Linkshänder wurde ich umgehend auf Rechtshänder «umgepolt».

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Patric Jakob (rechts), Jahrgang 1966, wurde 1973 in Habsburg eingeschult.

Patric Jakob, Wiliberg

In Habsburg besuchte ich die Gesamtschule 1. bis 5. Klasse. Wir waren total 20 Kinder in einem Schulraum. Unterrichtet wurden wir von derselben Lehrerin in allen Fächern, inklusive Turnen. Wir hatten keine Turnhalle. Je nach Wetter und Jahreszeit fand der Turnunterricht auch mal im Wald statt. Nur bei ganz schlechtem Wetter kamen wir drinnen in den Genuss von einem Alternativprogramm. Rechnen und Geographie waren meine Lieblingsfächer. Singen und Zeichnen mochte ich am wenigsten. Im ersten Zeugnis stand beim Fach Singen keine Note, sondern «brummelt». Das Foto stammt aus dem ersten Schuljahr 1973 und wurde vor unserem Wohnhaus in Habsburg aufgenommen. Der Knabe mit den schwarzen Haaren war mein Schulfreund Andrea. Mit ihm habe ich meine ganze Schulzeit verbracht und wir sind heute noch eng befreundet.

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Mario Schegner, Jahrgang 1976, wurde am 22. August 1983 in Buchrain (LU) eingeschult.

Mario Schegner, Kölliken

Es war eine schöne Zeit, so im Detail sind die Erinnerungen zwar nicht mehr da. Viel Spass hatte ich immer bei Klassenausflügen oder später auch in Klassenlagern. In der Primarschulzeit habe ich gerne die Rechnungsfächer besucht. Ebenfalls habe ich immer gerne im Werken gearbeitet. Über all die Jahre an der Schule in Buchrain hatte ich eine schöne, ruhige und lehrreiche Zeit.

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Max Hauri, Jahrgang 1971, wurde in Staffelbach eingeschult.

Max Hauri, Staffelbach

Mein Lieblingsfach war immer das Rechnen, das man heute Mathematik nennt. Ich erinnere mich noch, dass ich gerne zu Frau Hanna Stauffer aus Bottenwil, in die 1. und 2. Klasse gegangen bin. Auch erinnere ich mich gerne an die Schulzeit bei Lehrer Harry Hunziker (4. und 5. Klasse). Wir machten Velotouren durch den Aargau und durften die Skipiste am Ankenberg in Staffelbach präparieren, anschliessend gab es Trainingsläufe und am Schluss das grosse Skirennen mit Zeitmessung.

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Tobias Leuthard, Jahrgang 1967, wurde in Frick eingeschult.

Tobias Leuthard, Küttigen

Mit der Einschulung verbinde ich zwei sehr gegensätzliche Gefühle. Zum einen habe ich mich sehr auf die Schule gefreut: Lesen und Schreiben zu lernen hat mir besonders Spass gemacht. Andererseits hatte ich grossen Respekt, fast ein bisschen Angst vor dem ersten Schultag, weil unsere Lehrerin «das Frölein Greber» im Ruf stand, ziemlich streng zu sein und auch vor Körperstrafen nicht zurückstreckte. Dieser Ruf wurde vor allem von unseren älteren Geschwistern mit ziemlichen Schauergeschichten zementiert und einiges hat sich dann auch bewahrheitet.

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Martin Goldenberger, Jahrgang 1961, bei der Einschulung in Schmiedrued.

Martin Goldenberger, Schlossrued

Wir wurden damals in Schmiedrued noch ohne den Besuch eines Kindergartens, also direkt eingeschult. Die Klassen waren sehr gross und hatten sehr viele Schüler. Heute aus pädagogischer Sicht wohl undenkbar, uns hatte es gefallen, die Lehrer hatten nicht immer Zeit, sich um jeden Einzelnen zu kümmern. Ich würde nicht sagen, dass wir die Schule liebten, wohl aber den Schulweg. Da konnte man so manches erleben. Geliebt habe ich alles, was nicht so streng kontrolliert werden konnte und keine Hausaufgaben zur Folge hatte, wie Singen und Zeichnen und natürlich das Turnen.

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Katrin Burgherr, Jahrgang 1975, wurde mit 6½ Jahren in Reitnau eingeschult.

Katrin Burgherr, Reitnau

Ich erinnere mich noch genau an den ersten Schultag mit meiner orangenen Lederschulhutte – ich konnte auslesen zwischen rot und orange. Ich hatte die gleichen Finken wie meine Freundin – diese besiegelten unsere Freundschaft für die ganze Schulzeit. Ich war sehr scheu und getraute mich keine Dummheiten zu machen. Der Sporttag war der schlimmste Tag im Jahr für mich. Ich schrieb sehr gerne Briefe. Mein Lieblingsfach war Mathematik.

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Robert Wernli, Jahrgang 1966 an seinem ersten Schultag am 24. April 1973 in Densbüren.

Robert Wernli, Densbüren

Gerne erinnere ich mich an die unbeschwerte Primarschulzeit mit meinen Freunden im familiären Umfeld in «Deischpere» zurück. «Hösi», unsere strenge Lehrerin, führte uns mehrklassig, mit eiserner Hand und offenen Schuhen, im Frontalunterricht durch den Schulstoff. Besonders liebte ich das Fach Zeichnen, nicht wegen dem Zeichnen, sondern wohl eher, weil diese Stunde nicht so streng geführt war und Raum für kommunikativen Austausch – sprich Blödsinn – liess.

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Andreas Urech, Jahrgang 1980, wurde 1986 in Leutwil eingeschult. Das Bild stammt aus der 3. Klasse.

Andreas Urech, Muhen

Die Primarschule begann ich in Leutwil. Spannend, dass es dort nur einen Raum brauchte für die 1. – 4. Klasse, da das Dorf früher noch viel kleiner war als heute, wobei auch heute noch keine 1000 Menschen dort leben. Ich erinnere mich an die extrem lebhaften Pausen, wo alle Kinder quer durch alle Altersschichten miteinander spielten und rauften. Und natürlich erinnere ich mich an den Hauswart, der seine Wohnung im Schulhaus Obergeschoss hatte, und so auf dem Schulareal quasi omnipräsent war. Am liebsten hatte ich die Fächer Deutsch und Mathematik.

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Hanspeter Hilfiker, Jahrgang 1965 wurde in Buchs eingeschult.

Hanspeter Hilfiker, Aarau

Meine Einschulung war 1972 in Buchs, im Alten Schulhaus, bei Fräulein Maurer; wir waren gut 30 Schülerinnen und Schüler, rund ein Drittel mit italienischem Hintergrund. Erinnerungen habe ich kaum konkrete, mir hat die Schule gefallen, mit einer Ausnahme: Turnen.

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Silvan Bärtschi, Jahrgang 1983, wurde 1990 in Bottenwil eingeschult.

Silvan Bärtschi, Bottenwil

Gerne erinnere ich mich an meine Primarschulzeit zurück, so hatte ich eine ganz gute Klasse erwischt. Ich war in Mathe ein ganz guter Schüler. Wäre es doch in den anderen Fächern nur auch so gut gelaufen … Die Examenfeste waren auch immer ein Höhepunkt; was haben wir da getanzt, gelacht und viel Spass gehabt.

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Marliese Loosli, ledige Altherr, Jahrgang 1978, wurde in Moosleerau eingeschult.

Marliese Loosli, Schmiedrued

Ich bin in Moosleerau aufgewachsen und habe dort die Primarschule besucht. Wir hatten eine tolle Zeit. Auch ich ging noch zu Daniel Gerhard in die Schule, der diesen Sommer in Pension ging. Meine liebsten Fächer waren Turnen und Singen, es waren auch die einzigen Fächer, welche mir die Note 6 bescherten. Mein Schulalltag hätte gut und gerne auch nur aus Sportlektionen bestanden können. Während der ganzen Schulzeit, war ich mehrere Male «schnellste Moosleerauerin».

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Markus Bircher, Jahrgang 1961, wurde 1968 im Dorfschulhaus in Küttigen eingeschult.

Markus Bircher, Oberentfelden

Den ersten Schultag habe ich noch gut in Erinnerung. Ich war ziemlich angespannt und etwas aufgeregt. Nachdem ich den Platz eingenommen habe, konnte ich erst den «Schulthek» nicht öffnen. Bald darauf wurde es mir schwarz vor Augen. Ein Getränk und ein kleiner Snack halfen mir dann wieder auf die Beine. Meine Lieblingsfächer waren Turnen und Rechnen. Die Primarschulzeit war auch geprägt vom Schulweg. Vieles haben wir dabei erlebt und auch «angestellt». Nicht selten sind wir spät zum Mittagessen gekommen oder im Winter «pflotschnass» wenn es viel Schnee gehabt hat. Die Elterntaxis waren zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch kein Thema.

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Herbert Räbmatter, Jahrgang 1968, wurde 1975 in Kölliken eingeschult. Das Bild stammt aus der 2. Klasse.

Herbert Räbmatter, Uerkheim

Mir wurde vermittelt, möglichst gute Schulnoten nach Hause zu bringen. War keine Zeugnisnote unter 5.0, wurde ich meist belohnt. So wie auf dem Bild aus der 2. Klasse. Mit einem Coup konnte man bei mir viel bewirken, auch heute noch. Was ich in meiner Schulzeit, besonders in den ersten Schuljahren, immer wieder erleben durfte, versuchte ich meinen Kindern weiterzugeben. Ich musste aber auch erkennen, dass Schule und Noten nicht das Leben sind und deshalb haben meine Kinder auch sonst Mal eine Glace bekommen.

Text: RAN | Bilder: zVg
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