Neue Ofenlinie erst um 2035 nötig | Der Landanzeiger
Die neue Heizzentrale wird Mitte Dezember in Betrieb gehen.
KVA Buchs

Neue Ofenlinie erst um 2035 nötig

Die KVA Buchs passt ihre strategische Investitionsplanung an: Weil die Ofenlinie 1 so gut läuft, muss sie erst etwa zehn Jahre später als geplant ersetzt werden. Die Abgeordneten des Gemeindeverbandes genehmigten die entsprechende Anpassung der Vorfinanzierung und tiefere Verbrennungstarife.

Industrie und Gewerbe haben von Januar bis Oktober 2½ Prozent weniger Abfall in die Kehrichtverwertungsanlage KVA Buchs geliefert als in der Vorjahresperiode. Entsprechend ging auch die in diesem Zeitraum verbrannte Kehrichtmenge mit rund 112’600 Tonnen etwas zurück (–2,9%). Umgekehrt nahm der Bedarf an Fernwärme um 15 Prozent und damit deutlich zu, was hauptsächlich auf den Ausbau der Nutzung der Verbrennungsenergie zurückzuführen ist: Im Oktober konnte nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit die Mittelland Molkerei von Emmi in Suhr an eine neue Dampfleitung der Fernwärme Wynenfeld AG (FEWAG, eine Tochtergesellschaft des Gemeindeverbands für Kehrichtbeseitigung Region Aarau-Lenzburg GEKAL) angeschlossen werden. Der GEKAL selbst baut auf der KVA eine neue Heizzentrale. Sie formt den Dampf in Heisswasser um und wird ab Mitte Dezember Haushalte in den umliegenden Gemeinden mit Komfortwärme versorgen.

Ein Teil der anfallenden Wärme wird in Buchs in Elektrizität umgewandelt (–1,2% weniger als in der Vorjahresperiode). Dieses Geschäft lohnt sich in jüngster Zeit besonders, sind doch die Strompreise seit August stark gestiegen. Darauf machte Harald Wanger, der Geschäftsleiter der KVA Buchs, an der Abgeordnetenversammlung des GEKAL am Mittwoch in Kirchleerau aufmerksam.

Frühzeitiger Ersatz nicht sinnvoll
Im Hinblick auf langfristige strategische Grossinvestitionen legt der GEKAL jedes Jahr Geld zur Seite. Diese sogenannte Vorfinanzierung wird nun verlängert – und der Grund dafür ist ein erfreulicher: Statt die 1994 in Betrieb genommene Ofenlinie 1 und die Turbine zur Stromerzeugung wie ursprünglich geplant bereits um 2025/26 zu ersetzen, hat sich inzwischen herausgestellt, dass beide zentralen Anlagenelemente saniert bzw. optimiert und somit vorläufig weiterbetrieben werden können. «Ein frühzeitiger Ersatz ist aus betriebswirtschaftlicher und technischer Sicht nicht sinnvoll», sagt Finanzchef Rolf Messmer. Die Sanierung der Ofenlinie kostet einen Bruchteil eines Ersatzes, der nun erst um 2035 vorgesehen ist. Die AV genehmigte die Aufstockung der Vorfinanzierung von aktuell 23,3 auf 45 Mio. Franken.

Gemeinden zahlen erneut weniger
Die Investitionsplanung – das Investitionsvolumen bis 2035 beträgt inkl. Ersatz der Ofenlinie 1 gut 144 Mio. Franken – ist Teil der Finanzplanung. Diese geht auf der Ertragsseite unter anderem von einer Erhöhung der budgetierten Auslastung der KVA von 125’000 auf 130’000 Tonnen Kehricht pro Jahr und von höheren Energieerträgen durch Effizienzsteigerungsmassnahmen aus. Auf der Aufwandseite steigen etwa die Unterhaltskosten leicht, und Umweltauflagen verteuern die Entsorgung der Verbrennungsrückstände. Unter dem Strich ermöglicht die überarbeitete Strategie- und Finanzplanung, dass die Verbrennungsgebühren per 2022 erneut gesenkt werden können. Verbandsgemeinden zahlen ab nächstem Jahr pro Tonne Kehricht noch 85 statt wie bisher 105 Franken. Die letzte Tarifsenkung um 10 Franken datiert von 2020. Eine Erhöhung zeichnet sich erst 2034 ab, wenn die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) jeweils für die Hälfte der jährlich produzierten Strommenge ausläuft. 2017 sorgte dieses Förderinstrument des Bundes beim GEKAL für die vorletzte Gebührenanpassung nach unten.

Unbedenkliche Dioxinwerte in der Luft
Die Geschäftsleitung sprach an der Versammlung auch die Medienberichterstattung über die Dioxinproblematik in Zusammenhang mit KVAs an. Es geht um einen aktuellen Fall in Lausanne, überschrittene Prüfwerte des giftiges Stoffs in den 1990er-Jahren in der Umgebung der KVA Turgi und erkrankte Tiere auf Bauernhöfen in der Nähe der KVA Buchs in den 1970er-Jahren. Eine Bodenanalyse von 1992 hatte in Buchs unbedenkliche Werte gezeigt. Die Abteilung für Umwelt des Kantons Aargau will 2022 neue Analysen durchführen. Harald Wanger bekräftigt, die KVA Buchs habe die gesetzlichen Vorgaben für die Rauchgasreinigung stets eingehalten. Der Grenzwert für Dioxine und Furane gemäss Luftreinhalteverordnung von 0,1 Nanogramm pro Kubikmeter sei etwa 2019 bei einer Messung von 0,004 ng/m³ massiv unterschritten worden. Dies gelte auch für andere Schadstoffe wie Quecksilber, Kadmium, Blei und Zink.


KVA Buchs steht fünf Tage lang still

Weil die Mittelspannungs-Schaltanlage umgebaut werden muss, kann die KVA Buchs vom 6. bis 10. Dezember keinen Abfall verbrennen. Kehrichtanlieferungen von Industrie- und Gewerbekunden sowie Privatpersonen sind in dieser Zeit deshalb nicht möglich. Davon nicht betroffen ist die ordentliche Kehrichtabfuhr in den 83 Verbandsgemeinden.


Text: KVA | Bild: zVg
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