Der Traum einer Olympiamedaille lebt | Der Landanzeiger
Rico Peter: «Läuft alles ideal, liegt an den Olympischen Spielen für die Schweiz eine Medaille drin.»
Bobsport

Der Traum einer Olympiamedaille lebt

Vor dem abschliessenden Weltcuprennen in St. Moritz zieht der Kölliker Rico Peter als Spartenchef Bob bei Swiss Sliding eine positive Zwischenbilanz.

In rund einem Monat kämpfen die Bobsportlerinnen und -sportler bei den Olympischen Winterspielen in Peking um die Medaillen. Für den Kölliker Rico Peter, Spartenchef Bob bei Swiss Sliding, beginnt die schwierigste Phase der Saison bereits in einer Woche. Nach dem letzten Weltcuprennen dieses Winters in St. Moritz nutzen die meisten Athletinnen und Athleten den anschliessenden Unterbruch bis zur Abreise nach China, um zu ihrer Familie zurückzukehren.

Die Krux dabei ist: Sie verlassen die «sichere» Corona-Bubble, womit die Gefahr einer Ansteckung automatisch steigt. Aus diesem Grund blickt Rico Peter mit zwiespältigen Gefühlen auf die kommenden Wochen. «Viele Athletinnen und Athleten sind schon lange unterwegs. Wir können es ihnen nicht verbieten, wenn sie ihre Familie wiedersehen wollen», sagt Peter, der sich selbst auf ein paar ruhige Momente mit seiner Tochter freut. Der 38-jährige Kölliker weiss aber auch: Erkrankt jemand in dieser Zeit an Corona, wären das denkbar schlechte Karten im Hinblick auf die Olympia-Teilnahme.

Regelmässige Tests gehören zum Alltag
Rico Peter lässt sich von diesem Schreckensszenario nicht beirren. Er vertraut seinen Schützlingen, für die der vorsichtige Umgang mit der Coronapandemie längst Alltag geworden ist. «Wir haben uns an das ständige Testen gewöhnt. Als Spitzensportler muss man damit leben», sagt Peter. Trotzdem werde der Betreuerstab nicht müde, die Athletinnen und Athleten zu sensibilisieren, die Maske zu tragen und Abstände einzuhalten. «Sie sollen sich im Teambus und nicht in der Garderobe umziehen und den Kontakt zu anderen Nationen wenn möglich meiden», erklärt er.

Auf Rico Peters Arbeit hat Corona indes nur bedingt Einfluss. Der frühere Bobpilot, der nach dem vierten Platz mit dem Vierer bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang seine Aktivkarriere beendete, tauscht sich regelmässig mit Teamchef Thomas Lohfing aus, um die idealen Bedingungen für die Athletinnen und Athleten zu schaffen. «Thomas erledigt alles Organisatorische wie Bahnreservationen oder Hotelbuchungen, damit ich mich auf meine Aufgabe an der Bahn und mit den Sportlerinnen und Sportler konzentrieren kann», sagt Peter, der im Sommer als Lastwagenchauffeur unterwegs ist. So sind die Hinflüge nach Peking am 30. Januar bereits gebucht und der Schlittentransport arrangiert. Während die Bobs vor dem Transfer ihr Olympia-Design erhalten, kann Peter mit seinem Team die offizielle Kleidung für die Spiele fassen und sich danach in einem kurzen Trainingslager in Kerenzerberg dem letzten Feinschliff widmen.

Nach der Ankunft in Peking bleiben dem Schweizer Tross zwei Wochen, um sich für die Olympischen Rennen vorzubereiten. Bereits vor dem Saisonauftakt weilte die Delegation in China, um den Eiskanal im neu erbauten Yanqing National Sliding Center erstmals zu befahren. «Wir haben gut trainiert und im Testrennen gesehen, wo wir stehen und wo es noch Defizite nach vorne gibt», sagt Rico Peter. Die Bahn selektioniere stark, «aber wenn wir so starten wie aktuell und vier saubere Läufe hinlegen, können wir vielleicht plötzlich ganz vorne mitmischen».

Trend stimmt optimistisch
Die Zuversicht des dreifachen Weltcupsiegers und WM-Bronzegewinners von 2016 rührt vom Saisonverlauf her. Die letzten drei Zweierrennen beendete Simon Friedli jeweils auf dem fünften Platz, im Vierer klassierte sich Michael Vogt als Sechster und Siebter in Sichtweite des Podests. Und Melanie Hasler hat mit dem Monobob gezeigt, dass sie im erstmals olympischen Frauen-Einsitzer das Potenzial für eine Medaille besitzt. «Der Trend zeigt nach oben. Auch die Zeiten am Start werden immer besser», sagt Rico Peter zufrieden. Angesichts der auch in dieser Saison schier übermächtigen Konkurrenz aus Deutschland und Kanada bleibt er aber realistisch, was die Zielsetzung betrifft. «Wir streben die Top 8 und damit die Diplomränge an», sagt Peter, wiederholt jedoch: «Sollten die Favoriten patzen und uns läufts super, liegt Bronze oder sogar noch mehr für uns drin.»

Text: Pascal Kamber | Bilder: PKA/zVg
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on print