Kopf spricht für Fusion, Herz dagegen | Der Landanzeiger
Das Suhrental profitiert stark von den Dienstleistungen und den Angeboten der Zentrumsgemeinde Schöftland.
Keine Grossfusion im Suhrental

Kopf spricht für Fusion, Herz dagegen

Sieben Gemeinden aus dem Suhrental liessen das Potential einer engeren Zusammenarbeit oder gar einer Fusion der Gemeinden durch die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) prüfen. Nun liegt die 99-seitige Studie vor und zeigt verschiedene Möglichkeiten.

Die Gemeinden sind mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Dies zeigt sich insbesondere bei den Gemeindefinanzen, dem Fachkräftemangel in den Verwaltungen und der zunehmenden Komplexität der einzelnen Aufgaben. Im Weitern wird es immer schwieriger geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für die Exekutive und die Kommissionen zu finden, welche dafür die nötigen zeitlichen Ressourcen zur Verfügung stellen können. Diese Entwicklung macht auch vor Gemeinden im Suhrental nicht halt.

Die sieben Gemeinden, Hirschthal, Kirchleerau, Moosleerau, Reitnau, Schöftland, Staffelbach und Wiliberg, haben entschieden, sich proaktiv mit den sich abzeichnenden Herausforderungen zu beschäftigen. Sie haben deshalb bei der ZHAW eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben. Die Erarbeitung erfolgte in engem Austausch mit den Behörden und den leitenden Angestellten der Verwaltung. Die Bevölkerung wurde nicht befragt.

Schmerzgrenze noch nicht überschritten
Die Untersuchung der ZHAW zeigt, dass aktuell noch keine der teilnehmenden Gemeinden ihre Leistungsgrenze überschritten hat. In verschiedenen Bereichen sind diese jedoch in Sichtweite. Die Region profitiert stark von den Dienstleistungen und Angeboten der Zentrumsgemeinde Schöftland. Mit Ausnahme von Hirschthal und Schöftland sind die Gemeinden struktur- und finanzschwach. Besonders herausfordernd ist für Kirchleerau, Moosleerau, Reitnau, Staffelbach und Wiliberg der Umstand, dass sie im Kernraum Landschaftsentwicklung liegen. Durch diesen raumplanerischen Nachteil ist ihre wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeit stark eingeschränkt.

Drei mögliche Varianten
Die Studie zeigt verschiedene Vorgehensvarianten für die Zukunft auf. Die Variante 1 stellt die Fortführung der bisherigen Zusammenarbeit, allenfalls mit einem pragmatischen Ausbau, in den Vordergrund.
Bei der Variante 2 werden die Vor- und Nachteile einer Fusion von fünf Gemeinden (Kirchleerau, Moosleerau, Reitnau, Staffelbach und allenfalls Wiliberg) oder als Untervariante die Fusion von Kirchleerau und Moosleerau abgewogen.
Die Variante 3 beinhaltet die Fusion über den Gesamtperimeter der sieben teilnehmenden Gemeinden (Hirschthal, Kirchleerau, Moosleerau, Reitnau, Schöftland, Staffelbach und Wiliberg).

Fusion nicht umsetzbar
Am abschliessenden Workshop mit den Gemeinden wird eine Fusion im möglichst grossen Perimeter als einzige langfristige Möglichkeit gesehen, wieder an strategischer Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Aktuell wird aber die Akzeptanz für eine Fusion im Gesamtperimeter aus politischen und emotionalen Gründen als gering angesehen. Weil eine Fusion über alle sieben Gemeinden kurzfristig als nicht realistisch beurteilt wird, empfiehlt das Gutachterteam der ZHAW, die Zusammenarbeit vorderhand weiter zu vertiefen und zu vereinheitlichen.

Die umfassende Studie gibt es unter www.suhrental.info.

Text: LA | Bild: Raphael Nadler
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