BMW M3 Competition | Der Landanzeiger
Performance-Fahrzeuge wie der M3 Competition sind wie die Haute Cuisine oder Haute Couture, das Over-the-top ihrer Zunft.
BMW M3 Competition

Abgefahren und «over the top»

Im Falle des BMW M3 Competition stehen 510 PS nicht nur für überragende Kraft und Fahrdynamik, sondern auch für 510 Portionen Sinnlichkeit!

Braucht die Welt anno 2022 ein Auto mit 510 PS, das mit 650 Newton-Drehmoment in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 katapultiert und 10 Liter Benzin auf 100 km schluckt? Antwort: mehr denn je! Allein, damit wir in dieser kruden Welt weiterträumen können. Zum Beispiel bei einer Ausfahrt an Auffahrt oder wann auch immer. High-Performance-Fahrzeuge wie der M3 Competition sind wie die Haute Cuisine oder Haute Couture, das Over-the-top ihrer Zunft. Die Spitze der Nahrungskette und allein deshalb mit einem Persilschein punkto Daseinsberechtigung ausgestattet. Faszinierend, inspirierend, emotional berührend und eben, ein Traumspender.

Gesunde Selbsteinschätzung
Schon beim ersten Sitztest spürt Mann resp. Frau: Achtung, hier kommt etwas ganz Besonderes. Abgesehen davon, dass die Geschichte des M3 per se speziell ist. Die ersten erwachten 1985 zum Leben. Was von BMW Motorsport als Homologationsmodell für die Gruppe A konzipiert wurde, hat sich zum Meilenstein der sportlichen Mittelklasse entwickelt. Deshalb zurück ins Cockpit des stärksten Serien-M3. Die zwei roten Kippschalter am Lenkrad sind mit M1 und M2 angeschrieben. Rot ist die Bombe unter den Farben. Immer verbunden mit starken Emotionen: Hitze, Leidenschaft, Wut, Verlegenheit und Vorsicht. Trifft hier aber alles sowas von zu! Selbstkontrolle und ein gesundes Einschätzungsvermögen der eigenen Fähigkeiten und äusseren Gegebenheiten sind in diesem Auto angesagt; ansonsten schiesst man sich in null Komma nichts ab.

Die Sitze perfekt, die Distanzen zu Pedal und Lenkrad lassen sich präzis einstellen, alle Bedienund Anzeigeelemente sind voll intuitiv bedienbar und einfach abzulesen. In diesem Auto mit hochentwickelter, aus dem Motorsport adaptierter Antriebs- und Fahrwerkstechnologie fühlt man die Rennstrecke förmlich. So weit weg kann ein DTM-Bolide von diesem M3 nicht mehr sein – DTM für Deutsche Tourenwagen Masters. Natürlich, noch weniger Gewicht, noch mehr Anpressdruck, noch vielfältigere Setup-Varianten etwa punkto Balance, Bremse, Lenkkennlinie – aber sonst? Freilich kann man diesen M3 Competition auch zivilisiert im Alltag bewegen. Kein Problem. Wobei – die Dämpfung bleibt auch im komfortabelsten Modus knallhart – nix für schwache Bandscheiben also.

Physikalisch abnormal
Dann also das Gas mal voll durchgetreten: Ein Mikro-Verzögerer bis zum Ansprechpunkt ist da – dann aber heisst es: «Gute Nacht Gemeinde»! Getrieben von brachialem Schub schiesst der M3 Competition los, als gäbe es kein Morgen. So muss der nackte Adam auf die nackte Eva losgestürmt sein, als er ihr zum ersten Mal begegnet ist. Orchestriert von einem virtuosen Sound. Einer Quadrophonie der vier Endrohre. Das Revier dieses Hulks mit Dreiliter-Reihensechszylinder und hochansprechender Biturboaufladung ist der Berg oder die Rennstrecke. Überland geht nahezu alles mit 50, 60 oder 80 – je nachdem, was gilt – ohne die Bremse zu berühren. Dieses Performance Car spielt mit der Physik und ihren Heroen Newton, Planck oder Einstein. Da geht, was gefühlt niemals gehen dürfte! Der M3 Competition klebt auf der Strasse wie Bubble Gum auf heissem Asphalt. Aber natürlich – es gibt auch hier Grenzen. Und das sollte man nie vergessen, trotz all den Fluten von Adrenalin, Dopamin und Phenethylamin, die da in einem bei einer strammen Passfahrt strömen. Je jenseitiger die physikalischen Grenzen eines Automobils sind, desto heftiger schlägt es ein, wenn man überdreht, sprich (sein) Limit ignoriert. Darum:
«doucement» rantasten. Wer sich 510 PS bei einem Gewicht von rund 1800 kg und 3,9 s von 0 auf 100 km/h nicht gewohnt ist, könnte sonst heftig «Aua» abkriegen. Wer es freilich kann, dem oder der frohlockt hier das automotive Halleluja!

Hinterrad-Hurra
Wie gesagt, einfach grandios wie dieser M3, die Gravitation aushebelnd, um die Kurve prescht. Bremse, Lenkung, Dämpfer stehen auf Sport Plus und Sport – alles im Hochleistungsbereich also. Theoretisch gelangen in normalen Fahrsituationen 100 Prozent der Kraft ans Heck. Beim kleinsten Schlupf meldet sich indes die Vorderachse unterstützend zu Wort. Genau wie im M5 und M8 verfügt der Allrad über drei Modi. 4WD ist klar, schaltet man auf 4WD Sport, wird mehr Drehmoment an die Hinterachse geschickt, während 2WD ein reines Hinterrad-Hurra ermöglicht, sofern das ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) ausgeschaltet ist. Um die Bäume und Leitplanken da stehenzulassen, wo sie hingehören, haben die Ingenieure in München ihrem Primus Interpares auch Bremsen mit Scheiben wie Pizzaböden verbaut (380er-Stahlscheiben vorn/370er hinten; optional 400/380 Keramik). Viel Energie will nicht nur blitzschnell aufgebaut, sondern auch blitzschnell und auf den Punkt abgefangen sein. Der Bremspunkt kann eh sehr, sehr weit aussen gewählt werden. So weit aussen, dass sich das an normalen Strassenverkehr gewöhnte Hirn längst dreimal laut schreiend meldet: «Bremsen, Bremsen!»

Champagner im Hubraum
So koexistenziell sinnvoll solche Leistungsapparate sind, so zweckvoll ist die aktuell in Gang befindliche, gänzliche Elektrifizierung der breiten Masse. Allein, im High-Performance Bereich, wo dieser M3 spielt, ist Benzin, das notabene auch synthetisch hergestellt werden kann, quasi der Champagner im Hubraum. Nobel, aphrodisierend, prickelnd. Beim Pimpsaft knallts halt nur aus einem Rohr, beim M3 kommt die Terz aus einem Quartett.

Hier geht es direkt zu einem speziellen Video über den BMW M3 Competition

Text: Michael Schenk | Bild: Joshua Schenk
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