Thermoablation: Tumore mit feiner Nadel verbrennen| Der Landanzeiger
KSA Radiologie

Thermoablation: Tumore mit feiner Nadel verbrennen

Mit einer feinen Nadel und grosser Hitze können Tumore auf schonende Weise zerstört werden. Die Thermoablation bietet eine vielversprechende Alternative oder Ergänzung zu chirurgischen Eingriffen.

Dass Fieber dem Körper dabei hilft, In- fektionen zu bekämpfen, ist kein Geheimnis. Dass mit künstlich erzeugter Hitze auch Tumore sicher vernichtet werden können, ist vielen jedoch noch nicht bekannt. Was genau passiert bei der sogenannten Thermoablation? Während bei einem chirurgischen Eingriff der Tumor mit einem Skalpell entfernt wird, braucht es für die Thermoablation nur einen kleinen Schnitt von rund zwei Millimetern, um eine Nadel kontrolliert durch Computertomographie oder Ultraschall von aussen durch die Haut in den Tumor einzuführen. An der Spitze erreicht das feine Instrument je nach Technik eine Temperatur von über 150° Celsius und kann das Tumorgewebe so verbrennen.

Verfahren eignet sich für kleine Tumore
Die Behandlungsmethode kommt im Kantonsspital Aarau bei bösartigen Tumoren, insbesondere der Leber und der Niere, zum Einsatz. Die Thermoablation eignet sich allerdings auch für die Behandlung kleinerer Tumore in anderen Organen wie zum Beispiel der Lunge, des Knochens oder der Schilddrüse. «Manche Tumore sind chirurgisch zur kompletten Entfernung nur schwer zugänglich. In solchen Fällen können wir mit einer feinen Sonde in diese Bereiche vordringen und das Gewebe durch Hitze zerstören», erklärt Dr. med. Hans Martin Gissler, Leiter der Interventionellen Radiologie und Standortleiter Spital Menziken.

Eine computergesteuerte Navigation hilft den Expertinnen und Experten dabei, auch schwerzugängliche Orte zu erreichen. «Es gibt verschiedene Techniken, wie man Organe umgehen und die Nadel so im Tumor platzieren und ihn zerstören kann, dass bei der Behandlung kein gesundes Gewebe beschädigt wird», ergänzt Dr. med. Christophe Hälg, Leitender Arzt Radiologie und Interventioneller Radiologe mit einem Schwerpunkt auf Interventioneller Onkologie und Leiter Qualität und Sicherheit.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass beispielsweise bei bis zu drei Zentimeter grossen Tumoren oder Metastasen in der Leber, die Thermoablation gleich erfolgreich ist wie ein chirurgischer Eingriff. Bei der Behandlung grösserer Lebertumore empfiehlt es sich, die Ablation mit anderen Behandlungsmethoden zu kombinieren. «Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie Tumore behandelt werden können. Tatsächlich kann die Thermoablation auch in Kombination mit anderen onkologischen Verfahren, wie etwa einer Chemotherapie oder einer operativen Entfernung sinnvoll eingesetzt werden», so Dr. Hälg.

Thermoablation bringt viele Vorteile für Patientinnen und Patienten
Ob eine Thermoablation sinnvoll ist oder nicht, darüber berät am Kantonsspital Aarau ein interdisziplinäres Tumorboard. Ist ein solcher Eingriff empfehlenswert, ergeben sich für Patientinnen und Patienten zahlreiche Vorteile. Der Wichtigste: Sie benötigen lediglich einen kurzen Spitalaufenthalt und haben kaum Schmerzen. «Das Verbrennen des Tumors wäre aufgrund der Hitze tatsächlich schmerzhaft. Deshalb geschieht der Eingriff unter Vollnarkose.

Nach dem Aufwachen sind dann die meisten Patientinnen und Patienten schmerzfrei», erklärt Dr. med. Christophe Hälg. Je nach Eingriff verbringen die Patienten auch wenn sie keine Beschwerden haben, zur Sicherheit ein bis zwei Nächte zur Überwachung im Spital. Aufgrund des minimalinvasiven Eingriffs sind auch die damit verbundenen Risiken sehr gering. «Blutungen und Infektionen sowie anderweitige Gewebeschädigungen durch den Eingriff sind äusserst selten», bestätigt Dr. med. Hans Martin Gissler.

Thermoablation: Tumore mit feiner Nadel verbrennen | Der Landanzeiger
Thermoablation: Tumore mit feiner Nadel verbrennen | Der Landanzeiger
Thermoablation: Tumore mit feiner Nadel verbrennen | Der Landanzeiger

Wir tun alles gegen Krebs und für Betroffene
Krebs ist vielschichtig in Ursache, Verlauf und Therapie – und für Betroffene und Angehörige immer ein Schicksalsschlag. Auf unserer Themenseite stehen unsere Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt. Sie erzählen ihre Krankheitsgeschichten, berichten über den Umgang mit der Erkrankung, Behandlungserfolge und die Rückkehr ins normale Leben; angereichert mit Wissenswertem und Spannendem rund um das Thema Krebs.

Mehr erfahren: krebs.ksa.ch

Hyperthermie:
Mit Hitze gegen Krebs

Das Radio-Onkologie-Zentrum KSA- KSB bietet als Zentrum mit der schweizweit grössten Erfahrung die Hyperthermie in Kombination mit klassischer Strahlentherapie in der Krebsbehandlung an. Krebszellen ertragen Hitze nur sehr schlecht. Bei der Hyperthermie wird der Tumorbereich mithilfe eines Hyperthermie-Geräts auf 41 bis 43 Grad Celsius erhitzt. Durch die Hitze werden die Krebszellen empfänglicher für die darauffolgende Bestrahlung. Wird eine klassische Strahlen- oder Chemotherapie mit einer Hyperthermie-Behandlung kombiniert, verbessert sich der Therapieerfolg, insbesondere bei lokal fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Tumoren. Die Hyperthermie kommt bei verschiedenen Tumorarten wie Brustkrebs, Sarkomen (bösartige Tumoren des Binde- und Stützgewebes), Darmkrebs oder Blasenkrebs dann zum Einsatz, wenn Tumoren weder erfolgversprechend operiert noch durch Bestrahlung alleine zerstört werden können.

Mehr zum Thema Hyperthermie im Video

Bild: ZVG
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on print