Urs Affolter: «Das finanzstarke Aarau und der Kanton sollten endlich das in die Jahre gekommene Hallenbad Telli sanieren!» | Der Landanzeiger
Der Buchser Ammann Urs Affolter gehört seit 20 Jahren dem Gemeinderat an.
Interview mit dem Buchser Gemeindeammann Urs Affolter

Urs Affolter: «Das finanzstarke Aarau und der Kanton sollten endlich das in die Jahre gekommene Hallenbad Telli sanieren!»

Der 63-jährige Urs Affolter lebt seit 33 Jahren in Buchs, ist seit 20 Jahren im Gemeinderat und seit acht Jahren Ammann in der Gemeinde. Im Gespräch mit dem «Landanzeiger» verrät er, wo in Buchs der Schuh drückt, weshalb in Buchs ein Hallenbad kein Thema ist und dass er schon alle vier Buchs in der Schweiz besucht hat. Nebst sportlichen Aktivitäten in seiner Wohngemeinde mag er auch das Engadin sehr. Etwas mehr finanziellen Spielraum für Buchs wünscht er sich von der «guten Fee».

Urs Affolter, es gibt vier Buchs in der Schweiz (AG, LU, ZH und SG). Haben Sie schon alle Buchs einmal besucht?
Urs Affolter: Ich war schon in Buchs ZH, im Furttal, in Buchs, im St. Galler Rheintal, und auch in Buchs Luzern, welches aber seit 2006 von Dagmersellen eingemeindet wurde und keine selbständige Gemeinde mehr ist.

Gibt es einen regelmässigen Austausch zwischen den politischen Behörden der vier Buchs?
Nein, es gibt keinen regelmässigen Austausch. Unser Männerchor veranstaltete aber 2018 zusammen mit dem Sängerbund Buchs SG ein Herbstkonzert und ab und zu helfen wir einem LKW-Fahrer weiter, der bei uns eine Adresse in Buchs SG sucht.

Welches ist das schönste Buchs und weshalb?
Ich glaube, die Bewohner der jeweiligen Gemeinde können das wohl am besten begründen und finden ihr Buchs bestimmt am schönsten.

Welche Sehenswürdigkeiten zeigen Sie Ihren Gästen immer, wenn diese erstmals nach Buchs kommen?
Sehenswürdigkeiten ist in diesem Zusammenhang wohl ein grosses Wort, aber unsere Naherholungsgebiete, der grüne Suhre-Raum, der aktuell vom Kanton weiter aufgewertet wird, und die nahen Wälder sind schon sehr attraktiv.

Was zog Sie vor mehr als 30 Jahren nach Buchs?
Ich zog mit meiner Familie vor gut 33 Jahren aus beruflichen Gründen nach Buchs.

Buchs wächst und wächst. Das müsste Ihnen als Architekt und Raumplaner ja gefallen, doch ist das auch im Sinne des Gemeindeammanns?
Das Bevölkerungswachstum des Kantons Aargau und unserer Gemeinde ist eine Tatsache. Mit dem Räumlichen Entwicklungskonzept (REK) und der sich in der Genehmigungsphase befindenden Bau- und Nutzungsordnung haben wir die planerischen und gestalterischen Rahmenbedingungen formuliert, um diese Entwicklung aktiv und nachhaltig zu steuern. Im Übrigen braucht jede Gemeinde eine gewisse Einwicklung. Die vorhandenen Infrastrukturen werden dadurch besser ausgenutzt und damit pro Kopf günstiger. Ausserdem wird zusätzliches Steuersubstrat generiert.

Das stetige Wachstum bringt auch Probleme und Herausforderungen mit sich. Welche sind das für Buchs?
Herausforderungen stellen sich, wenn die Infrastrukturen eben nicht mehr ausreichen und beispielsweise aufgrund steigender Schülerzahlen zusätzlicher Schulraum bereitgestellt werden muss. Eine andere Seite des Wachstums ist die zunehmende Mobilität, vor allem im Bereich des motorisierten Individualverkehrs.

Erst vor kurzem haben Sie das neue Schulhaus «Risiacher» eingeweiht. Welches Grossprojekt steht als Nächstes an?
Beim Schulraum besteht weiterer Handlungsbedarf. Der Umfang ist aber nach wie vor nicht definitiv geklärt, da er von unterschiedlichen Faktoren, u. a. auch von der Schulraumplanung der Kreisschule Aarau-Buchs, abhängt. Klar ist hingegen, dass wir kurzfristig Raum für eine zusätzliche Kindergartenabteilung benötigen. Ausserdem ist das Projekt «Bärenplatz» gut unterwegs und die Vorbereitungen für den Umzug unseres Werkhofes in den ehemaligen Implenia-Werkhof laufen.

Dank einer Traglufthalle kann das grosse Becken im Schwimmbad künftig auch im Winter genutzt werden. Hat man die Idee eines Hallenbads eigentlich auch geprüft?
Das ist aus räumlichen und finanziellen Gründen keine Option für die Trägergemeinden des Schwimmbades Suhr-Buchs-Gränichen. Die finanzstarke Stadt Aarau und der Kanton sollten endlich ihre diesbezüglichen Hausaufgaben machen und das in die Jahre gekommene Hallenbad Telli sanieren.

Buchs hat alles, oder was würde der Gemeindeammann noch bauen, wenn die Finanzen keine Rolle spielen würden?
Ich würde gerne die Projekte Lebensraum Zentrumsachse (Aarauer- und Mitteldorfstrasse) – das Herz der Gemeinde – und die Gestaltung verschiedener Aussenräume mit Aufenthaltsqualität rascher umsetzen. Insgesamt halt die Aufwertung des öffentlichen Raumes, welcher für die Wahrnehmung einer attraktiven Gemeinde wichtig ist, rascher vorantreiben.

Nun spielen die Finanzen (leider) aber eine grosse Rolle. Die gebundenen Ausgaben steigen auch in Buchs immer mehr. Der Spielraum wird immer kleiner. Wie soll das künftig weitergehen?
Seit 2017 konnten wir gute, stabile Ertragsüberschüsse realisieren. Für 2023 müssen wir leider ein negatives Budget präsentieren. Es ist aber mit wirtschaftlichen Unsicherheiten behaftet. Wenn diese geklärt sind und der Trend negativ ausfällt, werden wir die weitere Finanzstrategie politisch breit diskutieren. Der Gemeinderat ist sich der finanziellen Entwicklung sehr bewusst.

Macht die Arbeit in der Regionalpolitik eigentlich nur Freude oder auch glücklich?
Die politische Arbeit auf der kommunalen Ebene macht nach wie vor mehrheitlich Freude und es lässt sich etwas bewirken. Ab und zu braucht es aber einen «breiten Rücken» und etwas Stehvermögen.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Gemeinde?
Wir haben die Entwicklung der Gemeinde im Räumlichen Entwicklungskonzept bis 2040 dargestellt und das Szenario II, welches auch die kantonalen Wachstumsprognosen abbildet, gewählt.

Was macht Sie in Ihrer Gemeinde besonders stolz?
Dass es bisher – auch in anspruchsvollen Situationen – immer wieder gelungen ist, unsere Gemeinde gemeinsam weiterzuentwickeln und uns zu behaupten.

Wie und wo entspannen Sie sich am besten nach einem intensiven Arbeitsund Polittag?
Am besten gelingt das beim Sport in den nahen Wäldern.

Gibt es einen persönlichen Lieblingsort in Buchs?
Das sind der grüne Suhre-Raum und die nahen Wälder.

Welches ist Ihr liebstes Ferienziel oder welchen Ferienwunsch möchten Sie sich noch erfüllen?
Das Engadin ist zu fast allen Jahreszeiten traumhaft, deshalb sind wir in den Ferien oft dort anzutreffen.

Welches Talent hätten Sie gerne?
Ich bin mit meinen Talenten eigentlich ganz zufrieden.

Was wünschen Sie sich für Ihre Gemeinde, wenn die «gute Fee» Ihnen einen Wunsch erfüllen würde?
Etwas mehr finanziellen Spielraum.


Der aktuelle Gemeinderat

Der aktuelle Gemeinderat
Der Gemeinderat Buchs besteht aus fünf Mitgliedern und ist eine Kollegialbehörde. Normalerweise findet jeweils dienstags die Gemeinderatssitzung im Gemeindehaus statt. Von links: Gemeinderat Tony Süess, Gemeindeschreiberin Cornelia Crouch, Gemeindepräsident Urs Affolter, Gemeinderat Reto Fischer, Vize-Gemeindepräsident Anton Kleiber, Vize-Gemeindeschreiberin Nicole Keusch, Gemeinderat Joel Blunier.


Persönlich

Urs Affolter
Alter: 63
Erlernter Beruf: Architekt und Raumplaner
Beruf: Architekt und Raumplaner
Zivilstand: verheiratet
Partei: FDP
Im Gemeinderat seit: 2002
Gemeindepräsident seit: 2014
Aufgewachsen in: Langenthal
Lebt in Buchs seit: 33 Jahren
Das mag er: ein gepflegtes Essen und ein Glas Wein mit der Familie und guten Freunden.
Das mag er nicht: Nörgeleien

Interview: Raffael Nadler | Bilder: Foto Basler
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