Die Biber­steiner Aar­fähre ist noch gut in Schuss (Bilder: zVg/​Markus Schenk)

Aar­fähre Biber­stein sucht neuen Kapitän

4. April 2018 | News

Seit Montag ist Käpten Jo’s Aar­fähre geschlossen. Die Wirts­leute möchten in den ver­dienten Ruhe­stand treten. Ihre Liebe zur Aar­fähre ist unge­trübt, wes­halb sie sich wün­schen, einen geeig­neten Käufer zu finden.

Mit der Grün­dung der Aar­fähre Biber­stein war Jo Schupp Pio­nier in der Erleb­nis­gas­tro­nomie. Als eines der ersten Lokale bot man mehr als nur Essen und Trinken. Früher hiess das Lokal Fischer­stube. Nach dem Kauf im Jahre 1969 folgte eine zwei­jäh­rige Umbau­zeit, in der das Lokal in ein grosses Schiff ver­wan­delt wurde – quasi ein Oze­an­riese auf Tro­cken­dock. 1971 eröff­nete Jo Schupp Käpten Jo’s Aar­fähre und rannte damit offene Türen ein.

Sein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Kon­zept kam an und weither kamen die Gäste nach Biber­stein, um die See­manns­ro­mantik in den ver­schie­denen «Abtei­lungen» zu erleben. Früher gehörte sogar noch ein Zoo mit Bären und anderen Tieren dazu. Biber­stein kennt manch einer nur wegen der legen­dären Aar­fähre. Legendär wie die Aar­fähre war der «Pira­ten­frass», ein Gemein­schafts­dinner auf «hoher See» mit Blitz, Donner, See­manns­stim­mung und def­tiger Speise.

Legen­därer Käpten Jo

So legendär das Lokal in Biber­stein ist – so legendär war auch der Gründer Jo Schupp mit bür­ger­li­chem Name Josef Schupp. Den Buchser Koch Josef Schupp zog es in den jungen Jahren auf die hohe See. Dort lernte er das See­manns­leben und die damit ver­bun­dene See­manns­ro­mantik kennen.

Voller Aben­teu­er­lust, Romantik und der Liebe zum Meer, reiste er kreuz und quer um die Welt. Mit viel Schweiss, zäh wie eine Was­ser­ratte, ver­diente er sich die Reisen, indem er auf ver­schie­denen Schiffen anheu­erte. Mit 1000 Ideen, Kennt­nissen von Schiffen, der See und der See­manns­un­ter­hal­tung, sowie einigen Schiffsra­ri­täten und seinem Mas­kott­chen Jimmy (einem jungen Schim­pansen), kehrte er in die Heimat zurück. Kaum zurück­ge­kehrt, richtet er im St. Galler Restau­rant Schö­nenweg sein erstes Unter­hal­tungs­lokal ein. Dies nur für kurze Zeit, denn in der Folge kaufte er den Falken in Ror­schach.

Romantik, Aben­teu­er­lust und grosse Liebe zum Meer ani­mierten den ehe­ma­ligen See­mann «Käpten Jo» die Hafen­kneipe am Bodensee in ein See­manns­lokal umzu­wan­deln. Dieses war bis Ende der Sech­zi­ger­jahre über die Lan­des­grenzen hinaus bekannt. «Täg­lich Wind­stärke 12» lau­tete das Motto.

Im Tage­buch einer Ser­vice­an­ge­stellten aus dem Thurgau von 1965 ist dies belegt: «Ich hatte frei und fuhr das erste Mal alleine mit meinem neuen Freund weg. Wir waren in Ror­schach in der Hafen­kneipe und tranken Wein. Auf der Heim­fahrt küssten wir uns heiss, ver­loren die Beherr­schung und liebten uns. Es war die schönste Zeit, die ich bis jetzt erlebt hatte.» Weniger schön war das Andenken an Jimmy, das Käpten Jo nach seiner Ror­scha­cher Zeit davon­trug.

Der Schim­panse biss seinem Herrn einen Finger ab. Dies war der Grund, warum Sohn Markus Schupp nie alleine mit Jimmy spielen durfte. Schim­panse Jimmy, der zwi­schen 1958 und Ende der Sech­zi­ger­jahre regel­mässig an der Seite von Käpten Jo in der Hafen­kneipe auf­trat, wie sein Herr aus­ge­stattet mit wasch­echten See­mann­s­klei­dern. Nach seiner Ror­scha­cher Zeit sie­delte Käpten Jo nach Zürich um, um dort die Hai­fischbar als Erleb­nis­lokal zu gründen.

Mit von der Partie war natür­lich immer noch der Schim­panse Jimmy, der zusammen mit Jo Schupp auch dort auf­trat. Käpten Jo war übri­gens auch ein guter Hand­werker, fer­tigte er doch zumin­dest teil­weise selbst ein Teil der Deko­ra­tion für seine Kneipen. Er hatte auch immer 1000 Ideen im Kopf und ein Teil davon wurde Rea­lität.

Jimmy | Der Landanzeiger

 

40 Jahre harte Arbeit und Wille sowie Lebens­lust und die Freude am Exklu­siven, ermög­lichten Käpten Jo als­dann seinen Jugend­traum, einen Oze­an­riesen auf Tro­cken­dock zu ver­wirk­li­chen. 1969 erwarb Käpten Jo die Fischer­stube in Biber­stein. Es war genau das Objekt, wel­ches er zur Ver­wirk­li­chung des Traumes vom Oze­an­riesen brauchte. Seine Familie, in der alle für das Wir­te­fach bes­tens geschult sind, stand ihm bei der Erfül­lung seiner Pläne immer treu zur Seite. Sie hat stets an seinen Erfolg geglaubt und standen täg­lich für die Gäste im Ein­satz.

Nach dem Aus­stieg und dem Tod von Käpten Jo führten Sohn Markus und Tochter Irene die Aar­fähre im gewohnten Stil weiter und nun sucht man wieder einen neuen Kapitän, damit es bald wieder heisst «Schiff ahoi!».

MS/​ZVG

Piratenfrass| Der Landanzeiger

Legendär: Der Pira­ten­frass

Käpten Jo mit seinem Jimmy | Der Landanzeiger

Käpten Jo mit seinem Jimmy