Ein Zug der WSB fährt in den Bahn­hof von Schöft­land ein – End­sta­ti­on einer Bahn, die einst bis Sur­see hät­te rol­len sol­len (Bild: Kas­par Flücki­ger)

Als der Bundesrat die Ausbaupläne der Suhrentalbahn stoppte

12. Sep­tem­ber 2019 | News

Wären vor 100 Jah­ren die Plä­ne für den Bahn­li­nie Basel-Luzern umge­setzt wor­den, könn­te man heu­te von Schöft­land mit dem Zug nach Tri­en­gen fah­ren. Aber auch das Pro­jekt eines Bahn­hofs in Reit­nau kam nie zustan­de. 

Schnell­zü­ge mit Kurs­wa­gen Hamburg–Rom, die an den Häu­sern von Muhen und Reit­nau vor­beisau­sen – ein Traum, den man vor 100 Jah­ren im Suh­ren­tal träum­te. Unrea­li­stisch war die Visi­on nicht. Die -Linie durch das Suh­ren­tal soll­te die «Schaf­matt­bahn» Rich­tung Sursee–Luzern fort­set­zen. Über die Schaf­matt woll­te man Aar­au via Sissach mit Basel ver­bin­den – durch die Stadt Aar­au vehe­ment for­ciert, spä­ter aber von der Hau­en­stein-Line aus­ge­sto­chen.

Von den einst küh­nen Träu­men blieb eine schmal­spu­ri­ge Stras­sen­bahn. Ein ähn­li­ches Gott­hard­pro­jekt wur­de auch im Wynen­tal geschmie­det – auch hier kam es zum Bau einer Tram­bahn, wel­che 1958 mit der Suh­ren­tal­bahn zur WSB fusio­nier­te.

Zurück ins Suh­ren­tal und zur Fra­ge, wes­halb hier die Aar­gau­er Bahn in Schöft­land endet – und nie mit der Luzer­ner Bahn in Tri­en­gen ver­bun­den wur­de? Die dafür nöti­gen Gelei­se woll­te man mehr als ein­mal ver­le­gen las­sen, wovon auch ein Kon­zes­si­ons­ge­such aus dem Jahr 1919 zeugt.

Kon­zes­si­on an zwei Unter­neh­men ver­ge­ben
Die Pro­ble­me, die immer zur Auf­ga­be der Plä­ne führ­ten, waren poli­ti­sche und finan­zi­el­le – vor allem aber tech­ni­sche. Letz­te­re hat­ten ihre Wur­zeln in den ursprüng­li­chen Kon­zes­sio­nen des Bun­des. Statt einer Bahn über­gab die­ser die Strecken Sursee–Triengen und Aarau–Schöftland an zwei Unter­neh­men. Den Aar­gau­ern trau­te die Lan­des­re­gie­rung offen­bar finan­zi­ell nicht ganz über den Weg und sprach sich für ein kosten­gün­sti­ges Tram aus – von Anbe­ginn an elek­trisch betrie­ben.

Ihre Fahr­ten nahm die Bahn 1901 auf. End­sta­ti­on in Aar­au war der Bahn­hof­platz. Von dort führ­ten die Schie­nen via Bahn­hofstras­se vor das Regie­rungs­ge­bäu­de und über eine Spitz­keh­re in Rich­tung Distel­berg. Das blieb bis zur Inbe­trieb­nah­me eines Tun­nels im Jahr 1967 so.
Zurück ins Suh­ren­tal und nach Tri­en­gen. Hier wur­de 1908 eine dampf­be­trie­be­ne, SBB-kom­pa­ti­ble Voll­spur­bahn rea­li­siert.

Wie kann man die­ses System mit einer Tram­bahn ver­knüp­fen? Die Luzer­ner schlu­gen in den 1920er-Jah­ren vor, die Strecke Schöftland–Aarau auf Voll­spur aus­zu­bau­en. Im Gegen­zug for­der­te 1933 – so sehr zog sich die Geschich­te in die Län­ge – der Aar­gau eine durch­ge­hen­de Schmal­spur­bahn mit einem Bahn­hof Reit­nau. Es folg­ten Jahr­zehn­te, in denen ein Gut­ach­ten das ande­re jag­te. 1959 kam fri­scher Wind in die Sache. Die Aar­gau­er und Luzer­ner Regie­rung sowie die 15 Gemein­den des Tals spra­chen sich für die Schmal­spur aus. 1963 erteil­ten die Eid­ge­nös­si­schen Räte die x-te Kon­zes­si­on und beschlos­sen, 50 Pro­zent der auf 21 Mil­lio­nen Fran­ken geschätz­ten Bau­ko­sten aus der Bun­des­kas­se zu über­neh­men. Im Ver­lauf der Pla­nung stie­gen und stie­gen die pro­gno­sti­zier­ten Bau­ko­sten.

Statt der Bahn fah­ren heu­te Bus­se
1970 zog der Bun­des­rat die Not­brem­se und teil­te den bei­den Kan­tons­re­gie­run­gen mit, die Situa­ti­on habe sich seit 1963 grund­le­gend ver­än­dert – «der Bau einer durch­ge­hen­den Suh­ren­tal­bahn lässt sich nicht mehr ver­ant­wor­ten». 1971 wur­de der Per­so­nen­ver­kehr auf der Strecke Triengen–Sursee ein­ge­stellt und durch Bus­se ersetzt – Bus­se, in deren Netz auch Schöft­land ein­ge­bun­den ist. Inzwi­schen ist die­se Strecke zur Kulis­se für histo­ri­sche Eisen­bahn­fil­me gewor­den – sie ist eine der weni­gen Gelei­se­an­la­gen, die ohne Ober­lei­tung ver­blie­ben sind.

BKR

Der Suhrental-Ast der WSB endet in Schöftland | Der Landanzeiger

Der Suh­ren­tal-Ast der WSB endet in Schöft­land

Die Endstation der Suhrentalbahn war vor 1967 auf der Aarauer Bahnhofstrasse (Bild: Archiv WSB) | Der Landanzeiger

Die End­sta­ti­on der Suh­ren­tal­bahn war vor 1967 auf der Aar­au­er Bahn­hofstras­se (Bild: Archiv WSB)