Das waren noch Zeit­en: Die Safen­wiler Rad­quer-Strecke mit der leg­endären Treppe beim «Chele­hoger» zog jew­eils zahlre­iche Zuschauer an (Bild: MS)

Rad­sport

Als sich Safenwil für die Radquer-WM bewarb

12. Feb­ru­ar 2020 | Sport

An der Rad­quer-WM in Düben­dorf gewann der Nieder­län­der Math­ieu van der Poel einen weit­eren WM-Titel. Gerne hät­ten auch die Organ­isatoren der Safen­wiler Rad­quer-Ren­nen vor Jahren ein­mal WM-Medaillen vergeben. Geklappt hat es lei­der nicht. Der dama­lige Pressechef blickt zurück.

Es waren Per­sön­lichkeit­en wie der mehrma­lige Welt­meis­ter Albert Zweifel oder der «ewige Zweite» Peter Frischknecht, die ab den 80er-Jahren einen grossen Rad­quer-Boom in der Schweiz aus­lösten. Dass aus­gerech­net Safen­wil plöt­zlich auch in der Szene mit­mis­chte, war kein Zufall. Der 18-jährige Safen­wiler Bern­hard Woodtli – mit­tler­weile in die Dominikanis­che Repub­lik aus­ge­wan­dert – gewann an der Rad­quer-WM 1980 in Wet­zikon die Bronzemedaille bei den Junioren und ret­tete damals die Schweiz­er Ehre. Das war die Ini­tial-zün­dung für den VMC Safen­wil, mit
der Organ­i­sa­tion von inter­na­tionalen Rad­quer-Ren­nen zu begin­nen.

Tre­f­fen der Wel­telite
Der dama­lige Gemein­deam­mann Walde­mar Mäder über­nahm das erste Amt als OK-Präsi­dent, was der Beginn ein­er lan­gen Erfol­gs­geschichte war. Safen­wil machte sich schnell einen aus­geze­ich­neten -Namen in der Rad­quer­szene. Hier traf regelmäs­sig die Wel­telite aufeinan­der – auch dank treuen Spon­soren. «Wir woll­ten nicht nur ein oder zwei Zugpferde, son­dern zehn bis zwölf starke Fahrer», erk­lärt Markus Schenk, der damals als Pressechef im OK tätig war. Der Umstand mit den vie­len finanziellen Unter­stützern sei «aussergewöhn­lich» gewe­sen, sagt Schenk weit­er.

So gaben sich in Safen­wil die Welt­meis­ter buch­stäblich die Klinke in die Hand. Rad­quer­fans erin­nern sich an die regelmäs­si­gen Safen­wil-Starter Albert Zweifel (Welt­meis­ter 1976 bis 1979 und 1986), Roland Liboton (1980 und 1982 bis 1984), Hen­nie Stam­sni­jder (1981), Klaus Peter Thaler (1985), Pas­cal Richard (1988), Dan­ny De Bie (1989), Radomir Simunek (1991), Milos Fis­era (Ama­teur-Welt­meis­ter 1981 und 1982), Mike Kluge (1992), Daniele Pon­toni (1997), Vito di Tano (Ama­teur-Welt­meis­ter 1979), Didi Runk­el (1995), Ama­teur-Welt­meis­ter Fritz Sal­adin aus dem Basel­bi­et und natür­lich der unver­wüstliche Ostschweiz­er Beat Breu. Er war bere­its vor sein­er grossen Strassenkar­riere als Quer­fahrer unter­wegs.

Sie alle waren regelmäs­sig Gäste in -Safen­wil bei einem der bedeu­tend­sten Ren­nen der Schweiz, das jew­eils auch als Teilaufze­ich­nung im Fernse­hen aus­ges­trahlt wurde. Die bis zu 8000 Zuschauer erlebten span­nende Ren­nen mit pack­enden Kämpfen auf ein­er höchst anspruchsvollen Strecke.

Bekan­nt war auch der Speak­er, der leg­endäre Rad­sportjour­nal­ist Hans Juck­er. «Ich denke gerne an diese schöne Zeit zurück», sagt Markus Schenk, «die vie­len Zuschauer und die Fan­klubs der Schweiz­er Ath­leten sind mir heute noch in bester Erin­nerung.»

Safen­wil blitzte ab
Das Jahr 1988 hätte für Safen­wil der absolute Höhep­unkt wer­den sollen. Die Safen­wiler kan­di­dierten für die Aus­tra­gung der Rad­quer-Welt­meis­ter­schaften 1988. Sie hat­ten die Rech­nung aber ohne Hägen­dorf gemacht. Die Solothurn­er Del­e­ga­tion über­steigerte jene der Safen­wiler beim Auswahlver­fahren in Zürich mit Geld, das sie, wie es sich später zeigte, gar nicht hat­ten. Geschla­gen und ent­täuscht waren die Safen­wiler – zu Recht, denn Hägen­dorf hat­te keine -Erfahrung in der Organ­i­sa­tion von Quer­ren­nen. Zudem tauchte der Finanzchef wenige Tage vor dem Ren­nen mit allen Ein­nah­men unter. Das Ren­nen kon­nte nur dank gross­er Unter­stützung des Mil­itärs rei­bungs­los durch-geführt wer­den. Geld beka­men nur die Landbe­sitzer, die im Voraus entschädigt wur­den …

Hier zu leicht, dort zu schw­er
Später erhielt Safen­wil als «Wiedergut­machung» die Schweiz­er Meis­ter­schaft zuge­sprochen und let­ztlich sog­ar ein Weltcupren­nen. Danach fol­gte ein Zwist mit dem Rad­sport-Weltver­band UCI. Den Ver­bands-Ver­ant­wortlichen war die Strecke in Safen­wil viel zu hart, dabei liebten nicht nur die Zuschauer die leg­endäre Strecke rund um den «Chele­hoger». Weil keine Eini­gung zus­tande kam, zogen die Safen­wiler 2001 einen Schlussstrich unter die erfol­gre­iche Rad­quergeschichte.

Dass die Zusam­me­nar­beit mit der UCI nicht so ein­fach ist, mussten auch die Organ­isatoren der diesjähri­gen WM in Düben­dorf fest­stellen: Ihre Strecke wurde anfänglich von Fahrern und Funk­tionären als zu leicht eingestuft und kri­tisiert. Nach der windi­gen und kalten Schlamm­schlacht rund um das mit Schutzwällen und Brück­en ge-spick­te Flughafen­gelände, sprach aber nie­mand mehr von ein­er «zu leicht­en WM-Strecke». Tim­on Rüegg, der beste Schweiz­er im Elite-Feld, belegte Rang 13.

PKA/MS/RAN