Haus­ärz­te­man­gel in der Schweiz

Ausländische Ärzte sind nicht die Ideallösung!

4. April 2018 | News

Im Zusam­men­hang mit dem Ärz­te­man­gel kom­men immer mehr aus­län­di­sche Ärz­te in unser Land. Des­halb kam es im Aar­gau zu einem Ärz­te­stopp. Nun soll es in näch­ster Zeit zu einer Locke­rung kom­men. Das Ei des Kolum­bus ist das nicht, denn die­se Ärz­te feh­len letzt­lich in ihren Her­kunfts­län­dern. Der Land­an­zei­ger hat sich mit Haus­ärz­ten des Bezirks Aar­au zu einem inter­es­san­ten und auf­schluss­rei­chen Gespräch getrof­fen. Das Ergeb­nis möch­ten wir unse­rer Leser­schaft nicht vor­ent­hal­ten.

Grund­sätz­lich ist man sich in Ärz­te­krei­sen einig: Der Nume­rus clau­sus muss über­dacht wer­den. Es braucht drin­gend mehr Ärz­te, die in der Schweiz aus­ge­bil­det wer­den, denn was macht Deutsch­land, wenn die in Deutsch­land aus­ge­bil­de­ten Ärz­te in die Schweiz kom­men? Die Deut­schen sind ihrer­seits gezwun­gen, Ärz­te aus dem Osten oder ande­ren Regio­nen der Welt anzu­stel­len, mit denen man sich aus sprach­li­chen Grün­den noch nicht ein­mal rich­tig ver­stän­di­gen kann. Die medi­zi­ni­sche Qua­li­tät wird dadurch in Mit­lei­den­schaft gezo­gen.

Kran­ken­kas­sen­un­ter­stütz­te Pra­xen arbei­ten pro­fit­ori­en­tiert

Die Land­an­zei­ger-Arti­kel «Zulas­sungs­stopp traf Ärz­te-Grup­pen­pra­xis Mon­via» sowie «Ärz­te­man­gel ruft nach Kor­rek­tur» bewo­gen eini­ge Ärz­te aus der Regi­on zu den fol­gen­den Gedan­ken: Man müs­se wis­sen, dass Grup­pen­pra­xen, hin­ter denen Kran­ken­kas­sen ste­hen (wie die Mon­via-Pra­xis in Ober­ent­fel­den) nicht mit klas­si­schen Haus­arzt­pra­xen gleich­ge­setzt wer­den kön­nen. War­um nicht? Hin­ter den Pra­xen, die durch Kran­ken­kas­sen betrie­ben wer­den, han­delt es sich um soge­nann­te Inve­sto­ren­pra­xen. Bei die­sen Pra­xen wol­len und müs­sen die Kran­ken­kas­sen mit­ver­die­nen, wäh­rend­dem ein Haus­arzt in ursprüng­li­cher Form selbst Unter­neh­mer ist, aber letzt­lich ganz anders kal­ku­lie­ren muss als die Kran­ken­kas­sen. Es ist auch bekannt, dass es bei etli­chen Inve­sto­ren­pra­xen zu vie­len Wech­seln im Arzt­be­reich kommt, da die Anstel­lungs­be­din­gun­gen in der Regel nicht die besten sind.

33 % aller berufs­tä­ti­gen Ärz­te sind Aus­län­der

Ein Aus­flug in die FMH-Ärz­te­sta­ti­stik 2016 zeigt fol­gen­des Bild: 33 % aller in der Schweiz berufs­tä­ti­gen Ärz­te stam­men aus dem Aus­land, 29 % aus EU- und nur 4 % aus Nicht-EU-Län­dern. Der Gross­teil der aus­län­di­schen Ärz­te stammt dabei aus Deutsch­land (18,7 %), gefolgt von Ita­li­en (2,8 %), Frank­reich (2,1 %) und Öster­reich (2,0 %). Davon aus­ge­hend, dass die Ärz­te aus den genann­ten Län­dern in den ihrer Mut­ter­spra­che ent­spre­chen­den Sprach­re­gio­nen der Schweiz berufs­tä­tig sind, dürf­te es tat­säch­lich kaum sprach­li­che Vor­be­hal­te gegen einen Zuzug die­ser aus­län­di­scher Ärz­te in die Schweiz geben. Auch das Argu­ment, dass aus­län­di­sche Ärz­te «in der Regel» nicht schlech­ter sind als Schwei­zer Ärzte und die Qua­li­tät «in der Regel» gut ist, kann nicht bestrit­ten wer­den.

Der Teu­fel steckt aber bekannt­lich im Detail und «abseits» von «in der Regel» darf das The­ma «aus­län­di­scher Ärz­te» in der Schweiz durch­aus auf ver­schie­de­nen Ebe­nen hin­ter­fragt wer­den. Grund­sätz­lich:

Wir leben in der Schweiz in einer Gesell­schaft, in der eine Lei­stung im All­ge­mei­nen – gemeint ist die Lei­stung an einer oder im Zusam­men­hang mit einer «Sache», z. Bsp. eine hand­werk­li­che oder kauf­män­ni­sche Lei­stung – nur gut ist, wenn sie «weit über­wie­gend», sagen wir «ab 90 % plus» (100 % nicht aus­ge­schlos­sen, erlaubt, erwünscht) gut ist.
Die Qua­li­tät einer Lei­stung im Gesund­heits­we­sen im Spe­zi­el­len – nun nicht mehr an einer oder im Zusam­men­hang mit einer Sache, son­dern an einem Men­schen – unter­schei­det sich hier­von, als die­se über­haupt erst bei «99 % gut» beginnt und nicht nur gut sein darf, son­dern gut sein muss.

Zum The­ma Spra­che: Einer­seits zieht es – neh­men wir die gröss­te Grup­pe aus­län­di­scher Ärz­te in der Schweiz – durch­aus und immer häu­fi­ger auch Ärz­te ande­rer aus Deutsch­land kom­men­der Natio­na­li­tä­ten in die Schweiz. Neben den nicht mut­ter­sprach­lich Deutsch spre­chen­den Mit­tel­eu­ro­pä­ern (u. a. Polen) sind dies vor allem Ost- und Süd­ost­eu­ro­pä­er sowie immer öfter auch Ärz­te aus (Nord-)Afrika und (Vor­der-) Asi­en.

Sprach­li­che Vor­be­hal­te, die gegen eine all­zu schnel­le Zulas­sung im Schwei­ze­ri­schen Gesund­heits­sy­stem aus­ser­halb von Spi­tä­lern spre­chen, kann man sich durch­aus vor­stel­len.

Die Schweiz benö­tigt mehr eige­ne Ärz­te

Fazit: In der Schweiz gibt es ein­deu­tig und zuneh­mend zu wenig Haus­ärz­te. Die­se Lücken mit aus­län­di­schen Ärz­ten zu fül­len, ist ein Fass ohne Boden, denn was machen dann die Her­kunfts­län­der die­ser Ärz­te wohl? Im letz­ten Herbst gab es in der Schweiz 2224 Stu­di­en­plät­ze. 6407 Stu­den­ten haben sich dafür gemel­det. Wer stu­die­ren kann, wird nach dem «Nume­rus-clau­sus-Test» bestimmt.

Bekannt­lich sind bei den Ärz­ten die Frau­en im Vor­marsch. Das ist jedoch ein Pro­blem. Kin­der bekom­men immer noch die Frau­en und die feh­len in den Arzt­pra­xen, wenn sie teil­wei­se oder ganz aus dem Beruf aus­stei­gen. Die Schweiz muss die Zügel etwas lockern, doch muss man eben alles mit­be­rück­sich­ti­gen. Es hat ein­deu­tig zu wenig in der Schweiz aus­ge­bil­de­te Ärz­te und wie die­ser Bericht auf­zeigt ist der Mas­sen­zu­zug aus dem Aus­land kei­ne Lösung. Oder müs­sen unse­re jun­gen Leu­te, die den Beruf des Arz­tes wäh­len, gar im Aus­land stu­die­ren?

MS/DIV. HAUSÄRZTE AUS DEM BEZIRK AARAU