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Bäume im Winter schneiden?

26. Okto­ber 2018 | Gar­ten

Bäu­me wer­den heu­te noch vor allem im Win­ter geschnit­ten, denn tra­di­tio­nell wird der Obst­baum­schnitt von Bau­ern und der Zier­baum­schnitt von Gärt­nern zu die­ser Jah­res­zeit durch­ge­führt, weil bei­de Berufs­zwei­ge wäh­rend der Vege­ta­ti­ons­pe­ri­ode von Früh­jahr bis Herbst mit andern Arbei­ten beschäf­tigt sind.

In den 1970er Jah­ren wur­den von der Wis­sen­schaft die baum­ei­ge­nen Abwehr­me­cha­nis­men gegen Schä­den und Krank­hei­ten im Holz erkannt. Es fand ein Wan­del in der Baum­pfle­ge statt: Kro­nen­schnitt­mass­nah­men sol­len nach baum­bio­lo­gi­schen Kri­te­ri­en zum best­mög­li­chen Zeit­punkt für den Baum aus­ge­führt wer­den, also dann, wenn die Abwehr­me­cha­nis­men am effek­tiv­sten wir­ken.

Wann ist der Win­ter­schnitt von Vor­teil?

Es gibt ein­zel­ne Fäl­le, in denen ein Baum vor­zugs­wei­se im Win­ter geschnit­ten wird: Bei Nadel­höl­zern wie Kie­fer (Pinus) und Fich­te (Picea) tre­ten beim Som­mer­schnitt an den Wund­flä­chen gros­se Men­gen an Harz aus, das tem­pe­ra­tur­be­dingt dünn­flüs­sig ist. Der Unter­grund wird mit­un­ter stark ver­tropft, die schnei­den­de Per­son und ihre Aus­rü­stung ver­klebt. Im Win­ter erfolgt der Harz­fluss schwä­cher und viel zäh­flüs­si­ger, den­noch wird die Schnitt­flä­che des Hol­zes mit dem anti­mi­kro­bi­ell wirk­sa­men Harz ver­schlos­sen und vor Pilz­in­fek­tio­nen weit­ge­hend geschützt.

Zu Gun­sten der Aus­füh­ren­den, Anwoh­ner und Pas­san­ten emp­fiehlt sich auch der Kro­nen­schnitt bei Pla­ta­nen (Pla­ta­nus) im laub­lo­sen Win­ter­zu­stand.

Das Pla­ta­nen­blatt ist unter­seits von einer flau­mi­gen Behaa­rung bedeckt, die sich leicht ablöst und bei vie­len Men­schen Haut- und Schleim­haut­rei­zun­gen aus­löst.

Wel­che Vor­tei­le hat der Som­mer­schnitt?

Aus baum­bio­lo­gi­scher Sicht ist bei den Laub­bäu­men der Som­mer­schnitt dem Win­ter­schnitt vor­zu­zie­hen. Die Begrün­dung lässt sich wie folgt zusam­men­fas­sen: Im Som­mer set­zen sofort baum­ei­ge­ne Abwehr­me­cha­nis­men ein, die das Gewe­be im Ver­let­zungs­be­reich vor Luft­ein­tritt und ein­drin­gen­den Fäu­leer­re­gern schüt­zen. An der Schnitt­stel­le beginnt sich ohne Ver­zö­ge­rung Wund­holz zu bil­den, um die Ver­let­zung rasch­mög­lichst zu über­wach­sen. Da der Baum erst an der Bil­dung neu­er Reser­ve­stof­fe ist, treibt er weni­ger stark nach, womit der gewünsch­te Licht­ge­winn län­ger anhält.  An den Schnitt­stel­len tritt viel weni­ger bis gar kein Blu­tungs­saft aus, der einen Sub­stanz­ver­lust für den Baum dar­stellt.  In der Regel erfol­gen die Schnitt­mass­nah­men sanf­ter, da sich mit jedem ent­fern­ten Ast der zuneh­men­de Licht­ge­winn erken­nen lässt.

ZVG