Melanie Augst­burg­er, MAS UZH in Real Estate

Balkonverglasung im Stockwerkeigentum

Von | 23. Mai 2019 | Rat­ge­ber Immo­bilien

FRAGEIch bin Stock­w­erkeigen­tümer in ein­er Über­bau­ung mit 15 Woh­nun­gen. Da mein Balkon wind­ex­poniert ist, möchte ich diesen auf eigene Kosten ver­glasen lassen. Der Stock­w­erkeigen­tümer neben mir ist damit ein­ver­standen. Genügt die Zus­tim­mung des direkt angren­zen­den Nach­barn, um die Ver­glasung anzubrin­gen?

ANTWORTNein. Allein das Ein­ver­ständ­nis des einen Nach­barn reicht nicht aus. Bei der geplanten Balkon­ver­glasung han­delt es sich um eine bauliche Mass­nahme an gemein­schaftlichen Teilen der Über­bau­ung. Ein Balkon ist nicht son­der­rechts­fähig. Dem Eigen­tümer wird daher lediglich ein Son­der­nutzungsrecht, das heisst ein auss­chliesslich­es Benützungsrecht, an dieser Fläche eingeräumt. Für das Anbrin­gen ein­er Balkon­ver­glasung muss die Stock­w­erkeigen­tümerge­mein­schaft zus­tim­men. Das Zivilge­set­zbuch unter­schei­det, ob die Mass­nahme notwendig, nüt­zlich oder lux­u­riös ist und schreibt dafür unter­schiedliche Beschlussmehrheit­en vor. Während für notwendi­ge Mass­nah­men die Zus­tim­mung der Mehrheit der Stock­w­erkeigen­tümer genügt, braucht es für nüt­zliche Mass­nah­men das qual­i­fizierte Mehr (Zus­tim­mung der Mehrheit der Eigen­tümer, die zugle­ich über mehr als die Hälfte aller Wertquoten ver­fügt). Bei lux­u­riösen Mass­nah­men ver­langt das ZGB Ein­stim­migkeit. Vor­be­hal­ten bleiben ander­slau­t­ende Bes­tim­mungen im Stock­w­erkeigen­tümer­re­gle­ment.

Die Anbringung ein­er Balkon­ver­glasung ist aus Optik der Gemein­schaft als nüt­zliche, wenn nicht gar als lux­u­riöse
Mass­nahme einzustufen. 

Aus­nahm­sweise kann ein lux­u­riös­es Vorhaben aber auch mit­tels qual­i­fiziertem Mehrheits­beschluss nach Köpfen und Anteilen beschlossen wer­den. Dies näm­lich dann, wenn dem unwilli­gen Stock­w­erkeigen­tümer keine Nachteile erwach­sen und die zus­tim­menden Stock­w­erkeigen­tümer sämtliche Kosten übernehmen.

Da die Balkon­ver­glasung im vor­liegen­den Fall auf eigene Kosten erstellt wird, reicht ein qual­i­fiziert­er Mehrheits­beschluss anlässlich der Stock­w­erkeigen­tümerver­samm­lung. Zu prüfen bleibt, ob das Vorhaben eine Baube­wil­li­gung benötigt.

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