Mari­anne Wehrli, LL.M Rechts­an­wältin

Besser der fal­sche Vater als gar keiner …

Von | 23. Mai 2018 | Rat­geber Recht

FRAGEMeine Frau kon­fron­tierte mich kurz nach unserer Tren­nung im letzten Herbst damit, dass ich nicht der Vater unseres heute sie­ben­jäh­rigen Sohnes sei. Ich war zuerst ungläubig, dann geschockt und fas­sungslos. Erst in den letzten Wochen konnte ich mich wirk­lich mit diesem Thema aus­ein­an­der­setzen und habe mich ent­schlossen, die Vater­schaft aberkennen zu lassen. Wie gehe ich vor?

ANTWORTSie waren im Zeit­punkt der Geburt mit der Mutter ver­hei­ratet und galten des­halb auto­ma­tisch als Vater des Kindes. Stellt sich heraus, dass diese gesetz­liche Ver­mu­tung falsch ist weil in Tat und Wahr­heit ein anderer Mann der bio­lo­gi­sche Vater des Kindes ist, kann der Ehe­mann seine Vater­schaft zwar grund­sätz­lich anfechten. Das Gesetz gibt ihm dafür aber maximal fünf Jahre Zeit ab Geburt des Kindes und die Klage muss spä­tes­tens ein Jahr nachdem der Vater erfahren hat, dass er nicht der Vater ist, ein­ge­reicht werden. Werden diese Fristen ver­passt, ist eine Anfech­tung der Vater­schaft nur noch aus­nahms­weise mög­lich, wenn die Ver­spä­tung mit wich­tigen Gründen ent­schul­digt werden kann, ins­be­son­dere weil der Ehe­mann nie Grund hatte, an seiner Vater­schaft zu zwei­feln. Kommen solche Zweifel auf, muss sofort reagiert und gemäss Bun­des­ge­richt längs­tens inner­halb eines Monats Klage beim Gericht ein­ge­reicht werden. 

Sie wissen nun schon seit meh­reren Monaten, dass Sie unter Umständen nicht der Vater Ihres Sohnes sind. Da Ihr Sohn bereits sieben Jahre alt ist, dürften Sie die Frist für die Anfech­tung des­halb bereits ver­passt haben. Der Gesetz­geber nimmt es dann ein­fach hin, dass ein Kind lieber den «fal­schen» Vater hat als gar keinen. Sie sollten sich umge­hend anwalt­lich beraten lassen, ob eine Klage heute noch Erfolgs­chancen hat. Andern­falls bestünde nur die Mög­lich­keit, dass Ihr Sohn später selbst das Kin­des­ver­hältnis anfechten würde. Seine Kla­ge­frist dauert bis ein Jahr über die Voll­jäh­rig­keit hinaus.

Rechts­fragen können gestellt werden an:

Mari­anne Wehrli, Rechts­an­wältin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch