Chris­t­ian Stirne­mann, Präsi­dent der Heimatvere­ini­gung Gränichen führte an der Vernissage durch die neue Son­der­ausstel­lung im Dorf­mu­se­um Chorn­hu­us Gränichen (Bilder: hg)

Das Dorfschulhaus im Wandel der Zeit

12. Feb­ru­ar 2020 | News

Die neue Son­der­ausstel­lung im Dorf­mu­se­um Chorn­hu­us in Gränichen ist eröffnet. Während Chris­t­ian Stirne­mann, Präsi­dent der Heimatvere­ini­gung Gränichen, an längst ver­gan­gene Zeit­en erin­nerte, zeigte Architekt Mar­tin Rich­n­er die Schul­haus­sanierun­gen der let­zten Jahrzehnte auf.

Es ist eine Zeitreise, zu welch­er die Besuch­er in der neuen Son­der­ausstel­lung im Dorf­mu­se­um Chor­nu­us ein­ge­laden wer­den. Unter dem Titel «Unser Dorf­schul­haus» wer­den hier Erin­nerun­gen an die eigene Schulzeit wach, es zeigt die Heimatvere­ini­gung Gränichen die inter­es­sante Geschichte des ehrwürdi­gen Schul­haus­es mit Bau­jahr 1890 auf. Alte Bau­pläne, Lese­büch­er in alter Schrift, ein «Lehrstuhl» oder Schul­bänke ver­schieden­er Epochen erzählen Geschicht­en, eben­so die vie­len his­torischen Fotografien. Daneben präsen­tieren ver­schiedene Film­beiträge span­nende Ein­blicke in den Schu­lall­t­ag von heute.

Keine einzige Krei­detafel mehr
Er ken­nt die Gränich­er Schul­häuser, ihr Innen­leben und ihre Geschichte wie kein ander­er, Architekt Mar­tin Rich­n­er. Er hat näm­lich sämtliche Sanierun­gen der Schul­häuser in den let­zten Jahren begleit­et. «In den let­zten 25 Jahren hat die Gemeinde über 10 Mil­lio­nen Franken in die Instand­stel­lung und Mod­ernisierung der Schul­häuser investiert», erk­lärte Mar­tin Rich­n­er an der Vernissage. Er erin­nerte auch an die Schul­häuser Refen­tal oder Rüti­hof, welche heute nicht mehr genutzt wer­den. Die Schul­häuser von damals und heute, das sind Wel­ten. «Eine Krei­detafel etwa, wie wir alle sie noch ken­nen, gibt es heute in keinem einzi­gen Schulz­im­mer mehr!»

Die jüng­ste Sanierung, die er als Architekt begleit­ete, war jene des Dorf­schul­haus­es im ver­gan­genen Jahr. «Zweifel­los ist das eines der schön­sten Schul­häuser im Dorf und auch trotz Mod­ernisierung kon­nte es seinen Charak­ter beibehal­ten.»

Ausstel­lungseröff­nung der beson­deren Art
Für eine Ausstel­lungseröff­nung der beson­deren Art zeigte sich Clown­in Pep­pina ver­ant­wortlich. Mit ein­er ver­spiel­ten, poet­is­chen und zauber­haften Dar­bi­etung sorgte sie für einen wun­der­baren Farb­tupfer an diesem Abend. In Gränichen ist Sab­ri­na Gautschi keine Unbekan­nte.

Wenn die sym­pa­this­che Pep­pina näm­lich nicht in Clown­schuhen und mit rot­er Clown­nase auf der Bühne ste­ht, unter­richtet sie die Kinder im Gränich­er Kinder­garten Winkel.

5 Grad im Schulz­im­mer und 3 Deziliter Wein pro Schüler
In Archiv­en stöbern und alte Zeit­en und Geschicht­en wieder aufleben lassen, das ist die grosse Lei­den­schaft von Chris­t­ian Stirne­mann, Präsi­dent der Heimatvere­ini­gung Gränichen. So hat er sich ein unglaublich­es Wis­sen über die Geschichte von Gränichen und deren Bewohn­er angeeignet. Anlässlich der Vernissage nahm er die Besuch­er mit auf eine Reise in die Ver­gan­gen­heit und liess die Geschichte des Dorf­schul­haus­es Revue passieren. «Um das Geld für den Schul­haus­neubau von der Bank zu erhal­ten, mussten die Orts­bürg­er damals die Hälfte ihres Waldes verpfän­det wer­den», berichtete Chris­t­ian Stirne­mann. «Für die Ein­wei­hung im Früh­jahr 1891 wurde ein Ein­wei­hungskomi­tee mit 13 Mann gegrün­det. Das Bud­get lag bei 500 Franken.» Heute undenkbar ist, dass damals anlässlich der Feier­lichkeit­en ein jed­er Schüler Anspruch auf drei Deziliter Wein hat­te. Im Win­ter gestal­tete sich der Schu­lun­ter­richt nicht ein­fach: «Das Schul­haus war zwar mit Holzöfen aus­ges­tat­tet, doch bei mor­gendlichen 5 Grad im Schulz­im­mer, musste der Unter­richt aus­ge­set­zt wer­den». Im Obergeschoss des Dorf­schul­haus­es war eine Art kleines Gefäng­nis, einge­baut gewe­sen. «Dort wur­den jene Mäd­chen und Knaben der oberen Schul­stufen einges­per­rt, welche sich ver­boten­er­weise im Wäldli getrof­fen haben», berichtete Chris­t­ian Stirne­mann. Eben­falls undenkbar in der heuti­gen Zeit sind die dama­li­gen Klas­sen­grössen. «Die kleineren Schulz­im­mer waren für 50 Schüler, die grösseren für 80 Schüler aus­gelegt, betreut durch einen(!) einzi­gen Lehrer».

Wer sich auf eine inter­es­sante Zeitreise begeben möchte, das Muse­um Chorn­hu­us in Gränichen ist jew­eils am let­zten Son­ntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

HG

Heimatvereinigung Gränichen | Der Landanzeiger
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