Die Pub­lic­i­tas war einst der grösste und ange­se­hen­ste Wer­bev­er­mit­tler. Nach sein­er Aus­blu­tung hat er Konkurs angemeldet. Die Schweiz­er Medi­en­häuser schreiben viel Geld ab  (Bild: zVg)

Der Nieder­gang der Pub­lic­i­tas trifft auch den Lan­danzeiger empfind­lich

Der Landanzeiger Opfer krimineller Machenschaften?

2. August 2018 | News

Der Konkurs des tra­di­tion­sre­ichen Wer­bev­er­mit­tlers Pub­lic­i­tas trifft die Schweiz­er Medi­en­szene hart – vor allem ein­mal mehr die Kleinen – darunter auch den Lan­danzeiger. Dieser muss wohl einen höheren fün­f­stel­lige Betrag «ans Bein stre­ichen». Bit­ter ist die Tat­sache, dass die Pub­lic­i­tas für die Zeitun­gen bes­timmte Inser­aten­gelder nicht an die Ver­lage weit­er­gab, son­dern selb­st ein­sack­te. Das entspricht dem Tatbe­stand ein­er Verun­treu­ung von Geldern, die dem Unternehmen gar nicht gehören, entspricht folgedessen ein­er krim­inellen Hand­lung.

Der Lan­danzeiger ist zwar sehr erfol­gre­ich unter­wegs und doch gibt es nicht immer Pos­i­tives zu ver­melden. Dieser Artikel erscheint aber vor allem deshalb, weil die Bevölkerung ein Anrecht hat, über grobe Ver­fehlun­gen informiert zu wer­den. Noch vor 25 Jahren arbeit­eten die Zeitun­gen mit drei grossen Inser­aten­ver­mit­tlern zusam­men.

Auf dem Platz Aarau waren dies die ASSA, die Pub­lic­i­tas und die OFA (Orell Füssli AG). Schliesslich über­lebte nur die Pub­lic­i­tas. Das Unheil begann aber dann, als die Mut­terge­sellschaft Pub­li­groupe das Print-Wer­begeschäft verkaufte. Nach zwei Besitzer­wech­seln in zwei Jahren meldete die einst so stolze Pub­lic­i­tas schliesslich Konkurs an.

Vom hohen Ross gefall­en

Zu «harzen» begann es bere­its let­zten Som­mer, als die Ver­lage immer länger aufs Geld warten mussten. In diesem Früh­jahr spitzte sich dann das Ganze zu. Die Pub­lic­i­tas macht­en den Ver­la­gen den dubiosen Vorschlag, Inser­ate nach wie vor zu disponieren, aber diese erst im näch­sten Jahr zu bezahlen.

Und dies zu einem Zeit­punkt, als die Ver­lage schon län­gere Zeit auf viel Geld warteten. Die Ver­lage lehn­ten ab, worauf die Pub­lic­i­tas den Konkurs anmeldete. Die «P», wie sie in Ver­lagskreisen genan­nt wurde, war endgültig vom hohen Ross gefall­en. Sie fungierte lange Zeit als «Bank der Ver­leger» und kon­nte dank dem ein­träglichen Pacht­sys­tem Druck auf die Ver­lage ausüben. Doch diese Zeit­en änderten sich.

Der Nieder­gang Pub­lic­i­tas hat­te auch mit dem Rück­gang der Zeitungswer­bung zu tun. Die Wer­begelder flossen immer stärk­er in Rich­tung Online und die elek­tro­n­is­che Medi­en. Die Print­me­di­en haben im Ver­gle­ich zum Höch­st­stand zur Jahrtausendwende rund die Hälfte ihrer Wer­beein­nah­men ver­loren. Die grossen Ver­lage haben sich allerd­ings längst Zweit- und Drit­tbeine geschaf­fen.

Pacht­sys­tem als ein­stiges Erfol­gsmod­ell

Das vor 128 Jahren gegrün­dete Unternehmen Pub­lic­i­tas pachtete Inser­at­er­aum in vie­len Zeitun­gen und verkaufte ihn an Wer­beauf­tragge­ber und Kleinin­ser­atekun­den weit­er. Das brachte regelmäs­sige Ein­nah­men für Zeitungsver­leger und für die Wer­beauf­tragge­ber brachte es den Vorteil, dass sie es nur mit einem einzi­gen Geschäftspart­ner zu tun hat­ten und nicht mit jed­er einzel­nen Zeitung über jedes einzelne Inser­at ver­han­deln mussten.

So waren es vor allem Grossverteil­er und grös-sere Fir­men, die ihre Inser­ate via Pub­lic­i­tas schal­teten und diese auch an dieses Unternehmen bezahlten. Die Pub­lic­i­tas ihrer­seits zahlte die Gelder nach Abzug der Kom­mis­sion an die Ver­leger weit­er. Noch Anfang dieses Jahrhun­derts spielte die Pub­lic­i­tas eine zen­trale Rolle auf dem Schweiz­er Zeitungs­markt. Ihr Anteil an der Pressewer­bung betrug hohe 65 %.

Dem Mil­liar­denkonz­ern wur­den die Filet­stücke her­aus­geschnit­ten

Aus der Pub­lic­i­tas wurde schliesslich die Pub­li­groupe. Diese Pub­li­groupe wurde zu einem börsenkotierten Mil­liar­denkonz­ern mit mehreren tausend Angestell­ten. Mit der Dig­i­tal­isierung ging auch die Zeitungswer­bung zurück und die Ver­lage began­nen ihre Inser­ate zunehmend sel­ber zu ver­mark­ten. Der Lan­danzeiger beispiel­sweise set­zt heute auf 250 Stel­len­prozente im Verkauf – vor 25 Jahren kamen die Inser­ate entwed­er direkt von der Pub­lic­i­tas, der OFA oder der ASSA gegen eine angemessene Kom­mis­sion ver­ste­ht sich. Der Pub­li­groupe gelang es in der Folge nicht rechtzeit­ig, sich auf die neuen Real­itäten einzustellen. Sie wurde schliesslich an die Swiss­com verkauft und aufgeteilt.

Verkauf der Pub­lic­i­tas nach Deutsch­land endet mit Fiasko

2014 verkaufte die Pub­li­groupe das langjährige Kerngeschäft, die Pub­lic­i­tas, zu einem tiefen Preis an die deutsche Beteili­gungs­ge­sellschaft Aure­lius. Inzwis­chen wur­den bere­its zahlre­iche Geschäftsstellen in der Schweiz geschlossen. 2014 zählte der Wer­bev­er­mit­tler immer­hin noch 700 Mitar­beit­er. Die Aure­lius hat­te das Poten­zial jedoch offen­bar über­schätzt und über­gab die Pub­lic­i­tas Ende 2016 dem Man­age­ment. Es ging weit­er abwärts und der Per­son­albe­stand wurde zuse­hends klein­er. Grössere Ver­lage haben inzwis­chen ihre hau­seigene Wer­bev­er­mark­tung aus­ge­baut, sich unab­hängiger gemacht und frühzeit­ig abgesichert. Sie haben zudem mit­tler­weilen eine Auf­fangge­sellschaft gegrün­det, um die grossen Wer­beum­sätze unter sich aufzuteilen. Tat­sache ist auch, dass vom Nieder­gang der Pub­lic­i­tas vor allem die Tame­dia und die Swiss­com prof­i­tierten, die 2014 das lukra­tive Erbe der Pub­li­Groupe – die Verze­ich­nis­di­en­ste – über­nah­men. Die einst so stolze Pub­lic­i­tas wurde so buch­stäblich aus­ge­blutet. Und nun ste­hen viele Klein­ver­lage, die es son­st schon schw­er haben, mit zusät­zlichen Ver­lus­ten da. Unter ihnen auch der Lan­danzeiger.

Krim­inelle Machen­schaften?

Die Summe der Forderun­gen seit­ens der Ver­lage ist sehr hoch, da die Pub­lic­i­tas die ihnen von Inser­ataufträ­gen bezahlten Gelder nicht an die Ver­lage weit­er­leit­ete, son­dern selb­st ein­steck­te. Der Tatbe­stand der Verun­treu­ung dürfte somit erfüllt sein. Der Lan­danzeiger ist zum Glück kernge­sund und wird den Ver­lust über­leben. Den­noch ist es beson­ders bit­ter, nach108 Jahren den grössten Abschreiber in der Geschichte ver­buchen zu müssen – und das erst noch durch die Machen­schaften eines Unternehmens, dem man jahrzehn­te­lang die Stange gehal­ten und auch ver­traut hat. Machen kann man nichts mehr, doch die Öffentlichkeit und vor allem die involvierten Inser­enten haben Anrecht auf eine saubere Aufk­lärung. Das ein­stige Erfol­gsmod­ell Pub­lic­i­tas, das prak­tisch als Haus­bank der Medi­en diente, hat endgültig Schiff­bruch erlit­ten.

MS