Architek­tonisch inter­es­sant: das Van­cou­ver Con­ven­tion Cen­tre (Bilder: Nico Zobrist)

Schluss­bericht vom Aus­tausch­jahr in Van­cou­ver (CAN) von Nico Zobrist

«Die Schweiz und BC könnten von einander lernen»

8. August 2019 | News

Zehn Monate lebte ich auf der anderen Seite des Atlantiks, an der West­küste Nor­damerikas, in Van­cou­ver. Ich bin Nico Zobrist, besuche nor­maler­weise die Kan­ton­ss­chule in Aarau und habe ger­ade ein Aus­tausch­jahr absolviert. Hier nun mein drit­ter und let­zter Bericht aus dem fer­nen Kana­da.

In Van­cou­ver habe ich eine öffentliche «Sec­ondary School» besucht und bei ein­er Gast­fam­i­lie gelebt. Wie ein Grossteil der nor­damerikanis­chen Bevölkerung waren auch die Vor­fahren mein­er Gast­fam­i­lie Ein­wan­der­er, ursprünglich aus Indi­en. Van­cou­ver ist sehr mul­ti­kul­turell, 47 Prozent der Bevölkerung gehören ein­er soge­nan­nten sicht­baren Min­der­heit an, die Stadt weist auch die höch­ste Rate an interkul­turellen Ehen in Kana­da auf.

Begeg­nung mit dem Waschbär
Den Kon­trast zur Grossstadt find­et man in den zahlre­ichen, riesi­gen Stadt­parks. Neb­st dem welt­bekan­nten Stan­ley Park bieten auch der grosse Pacif­ic Spir­it Region­al Park oder der Queen Eliz­a­beth Park sehr viel. In den Wohn­quartieren von Van­cou­ver gibt es viel Natur: Bäume, Grün­flächen und auch Tiere habe ich oft gese­hen. Fast jeden Mor­gen begleit­eten mich Eich­hörnchen zur Schule, in der Däm­merung begeg­nete ich mehreren Kojoten und Waschbären.

Früher war die Stadt ein Mek­ka der Hip­pies, auch Green­peace wurde in Van­cou­ver gegrün­det und noch heute liegt die Natur vie­len Men­schen am Herzen. Nur eine halbe Stunde vom Stadtzen­trum ent­fer­nt liegen die Berge Cypress Moun­tain, Grouse Moun­tain und Mount Sey­mour. Im Win­ter bin ich dort Ski gefahren, im Som­mer gibt es viele Moun­tain­bik­er und Wan­der­er. Nur eine Stunde ent­fer­nt, etwa in der Mitte zwis­chen Van­cou­ver und Whistler, liegt auch die Kle­in­stadt Squamish. Im Win­ter startete ich von dort aus auf Ski­touren, im Som­mer ging ich dort klet­tern.

Vor dem Nor­damerikanis­chen Fes­t­land liegt auch Van­cou­ver Island, Van­cou­ver Island ist ganze 32’134 Quadratk­ilo­me­ter gross und die grösste Insel der West­küste von Ameri­ka! Mit der Fähre erre­icht man Van­cou­ver Island in rund zwei Stun­den, beson­ders gefall­en hat mir auch ein Aus­flug nach Gabri­o­la Island, ein­er winzi­gen Insel zwis­chen dem Fes­t­land und Van­cou­ver Island.

Steigen­der Meer­esspiegel wird zum Prob­lem
Auch die Innen­stadt von Van­cou­ver ist fast voll­ständig von Wass­er umgeben, es gibt ver­schiedene Fähren und viele Brück­en zwis­chen Innen­stadt und Wohn­quartieren. Dieses Wass­er ist zwar wun­der­schön, stellt Van­cou­ver mit dem steigen­den Meer­esspiegel aber auch vor grosse Gefahren. Da Van­cou­ver im sog. «Ring of Fire» und nahe ein­er tek­tonis­chen Plat­ten­gren­ze liegt, gibt es rel­a­tiv viele, schwache Erd­beben. Vor einem extrem starken Erd­beben fürchtet man sich hier schon lange.

Noch vor zehn Monat­en kan­nte ich hier nie­man­den, glück­licher­weise kon­nte ich in diesem Jahr aber viele neue Fre­unde gewin­nen, auch in den let­zten Monat­en durfte ich mit diesen extrem viel unternehmen. Am Anfang hat­te ich Heimweh, dieses wich dann aber vie­len neuen Erfahrun­gen, Lebenslehren und viel Spass. Anfang Juni war es dann soweit und ich ver­ab­schiedete mich von all meinen neuen Fre­un­den, um via USA zurück in die Schweiz zu kom­men. Der Abschied erwies sich als schwieriger, als gedacht.

Wenn das Wass­er nicht mehr gratis ist
Zuhause angekom­men, ist mir beispiel­sweise aufge­fall­en, dass Wass­er bei uns nicht selb­stver­ständlich schon gratis auf dem Restau­rant­tisch ste­ht, so wie ich es in Nor­dameri­ka erlebt habe. Auch die soziale Mis­chung in Quartieren scheint hier glück­lich­er-weise gröss­er zu sein. Unsere Städte sind fre­undlich­er für Fuss­gänger und Velo­fahrer. Ich denke, die Schweiz und British Colum­bia kön­nten von einan­der viel ler­nen. Wir kön­nten zum Beispiel den Umstieg vom Auto aufs Elek­troau­to beschle­u­ni­gen, bess­er mit Gross­raubtieren zusam­men­leben, Vielfalt feiern anstatt zu bekämpfen und British Colum­bia sollte den ÖV ausserorts aus­bauen, Sozial­sys­teme stärken und Städte vom Verkehr ent­las­ten.

Ich hoffe, sie kon­nten durch meine drei Artikel an meinem Aus­tausch­jahr teil­haben. Infos: www.nicozobrist.ch

NZ

Bunte Hausboote in einer Bucht in Vancouver | Der Landanzeiger

Bunte Haus­boote in ein­er Bucht in Van­cou­ver

Das Convention Centre im Hintergrund | Der Landanzeiger

Das Con­ven­tion Cen­tre im Hin­ter­grund

Nico Zobrist ist wieder daheim | Der Landanzeiger

Nico Zobrist ist wieder daheim