Die Sinn­lich­keit von Form und Farbe

31. Mai 2018 | Wohnen

Gemus­terte Fliesen – Immer mehr Bau­herr­schaften begeis­tern sich für die Gestal­tungs­mög­lich­keiten mit -gemus­terten Fliesen. Diese setzen farb­liche Akzente in Bad, Küche und Entrée und ver­leihen einem Raum seinen ein­zig­ar­tigen Cha­rakter.

Mit Orna­menten lassen sich Räume stim­mungs­voll insze­nieren. Gemus­terte Tex­ti­lien wie Tep­piche, Kissen, Vor­hänge, aber auch Tapeten eignen sich bes­tens als Stim­mungs­ma­cher. Wer sich vom ewigen Weiss defi­nitiv ver­ab­schieden will, der setzt auf gemus­terte Fliesen. Mit ihnen können Bad, Küche oder auch Entrée nach Lust und Laune insze­niert werden. Das Angebot an orna­men­talen Fliesen hat in den ver­gan­genen Jahren stark zuge­nommen, denn offen­sicht­lich ent­spricht es einem Bedürfnis, wieder ver­mehrt mit gra­fi­schen oder flo­ralen Motiven zu gestalten. Eine Viel­zahl von Firmen ist auf den Zug auf­ge­sprungen und hat neue Kol­lek­tionen kre­iert. So etwa der renom­mierte ita­lie­ni­sche Her­steller Bisazza, der Desi­gnern wie Paola Navone, Tom Dixon oder Jaime Haidon eine Carte blanche gegeben hat, um unter dem Namen Bisazza Con­tem­porary Cement Tiles die tra­di­tio­nellen Zement­fliesen neu zu inter­pre­tieren. Nebst den bekannten Namen exis­tieren aber auch zahl­reiche kleine, aber feine Manu­fak­turen, die hoch­wer­tige Pro­dukte in unter­schied­li­chen Mate­ria­lien in Klein­se­rien her­stellen. Ihnen eigen ist eine sinn­liche Aus­strah­lungs­kraft, die in der Unvoll­kom­men­heit der hand­werk­li­chen Fer­ti­gung gründet.

Zement­fliesen – ein Klas­siker wie­der­ent­deckt

Zement­fliesen haben eine lange Tra­di­tion und werden noch heute von Hand gegossen und gepresst. Wie weit ihre Geschichte zurück­geht, weiss man nicht genau, ver­mut­lich bis in die Antike. Ab Mitte des 19. Jahr­hun­derts fanden sie in Frank­reich reis­senden Absatz. Von dort aus ver­brei­teten sie sich nach Spa­nien und Por­tugal und weiter in die Kolo­nien in Übersee. Die damals welt­grösste Manu­faktur ging 1903 in Kuba in Betrieb. Noch heute findet man deren Erzeug­nisse in den zahl­rei­chen präch­tigen Bauten im ganzen Land. In den letzten Jahren hat die Zement­fliese bei uns eine Renais­sance erlebt. Für die Fer­ti­gung wird eine Mischung aus Mar­mor­mehl, Fels­gra­nulat, feinem Sand und Farb­pig­menten von Hand in eine vor­ge­fer­tigte Metall­scha­blone gegossen.

Noch bevor das Mate­rial tro­cken ist, wird die Scha­blone wieder ent­fernt, was für sanfte Über­gänge zwi­schen den ein­zelnen Farben sorgt. Auf diese 3 bis 5 Mil­li­meter dicke, oberste Schicht werden Zement und Sand gestreut. Bei einigen Her­stel­lern ist dies bereits die Trä­ger­schicht, bei anderen kommt eine dritte Schicht hinzu.

Die Platten werden anschlies­send gepresst und wäh­rend rund eines Monats an der Luft getrocknet. Diese Methode ver­leiht den Platten ihre ein­zig­ar­tige sam­tene Haptik. Claudia Pabst ist Expertin für Zement­fliesen.

Seit gut vier Jahren führt sie ihren eigenen «Plat­ten­laden» in Zürich, in dem sie Fliesen aus Marokko, Vietnam und Spa­nien anbietet. Immer wieder ist sie erstaunt, wie unter­schied­lich Räume je nach Farbe und Muster der Wand- oder Boden­platten wirken. Zement­fliesen sind dau­er­haft, aller­dings nicht säu­re­re­sis­tent, und erhalten über die Jahre eine Patina. Nach dem Ver­legen, das übri­gens auch auf einer Boden­hei­zung mög­lich ist, rät Claudia Pabst, den Boden zu imprä­gnieren, damit er weniger emp­find­lich gegen Wasser und Fle­cken ist.

Hand­werk aus dem Aargau

Exklu­sives Hand­werk findet man im aar­gaui­schen Küt­tigen. In ihrer eigenen Keramik-Manu­faktur fer­tigt Sabine Gürber seit 2015 Platten mit ganz unter­schied­li­chen Motiven. Jedes Exem­plar formt und bemalt sie von Hand. «So ent­stehen Uni­kate, die nicht so exakt sind wie maschi­nell gefer­tigte Plättli, genau das macht aber ihren Charme aus», sagt Sabine Gürber. Die Ein­zel­an­fer­ti­gung hat den Vor­teil, dass die Hand­wer­kerin gut auf indi­vi­du­elle Wün­sche ein­gehen kann. Es macht ihr Spass, her­aus­zu­finden, was ihre Kunden wün­schen, und ihnen eine mass­ge­schnei­derte Lösung zu prä­sen­tieren. Viel zu kurz sind die Tage, um all das aus­zu­pro­bieren, was unge­zü­gelt ihrer Krea­ti­vität ent­springt. Bevor sie ihre eigene Manu­faktur für Platten grün­dete, hat Sabine Gürber Ofenk­a­cheln für das Geschäft ihres Mannes gefer­tigt. Im Zuge einer Neu­aus­rich­tung, bedingt durch einen Unfall, hat das Ehe­paar die Palette mit Kera­mik­fliesen erwei­tert. «Ich liebe es, mit Ton zu arbeiten, ein Stück Erde zu formen», sagt die pas­sio­nierte Kera­mi­kerin, die ihr ganzes Herz­blut und viel Erfah­rung in ihre ein­zig­ar­tigen Pro­dukte steckt.

Raku – sinn­liche Kunst aus Japan

Die Raku-Technik stammt aus Japan und wird seit Jahr­hun­derten von Gene­ra­tion zu Gene­ra­tion über­tragen. Diese spe­zi­elle Brenn­technik wurde zuerst für Tee­schalen ent­wi­ckelt, die für die tra­di­tio­nelle Tee­ze­re­monie ver­wendet wurden. Karak ist eine kleine Flie­sen­ma­nu­faktur im grenz­nahen Schlins im Vor­arl­berg, die kunst­volle Raku-Fliesen her­stellt. In ihren Pro­dukten ver­binden sich archai­sches Hand­werk und moderne Gestal­tung. «Wir lieben das Span­nungs­feld zwi­schen der Per­fek­tion und dem Fehler und glauben, dass Objekte, die aus dieser Span­nung ent­stehen, in der Lage sind, uns auf ratio­naler und emo­tio­naler Ebene zu berühren», bringen die drei Gründer ihre Phi­lo­so­phie auf den Punkt. Raku-Fliesen werden nach dem Formen getrocknet, gla­siert und gebrannt. Ihre cha­rak­te­ris­ti­sche, von Rissen gezeich­nete Ober­fläche erhält die Raku-Fliese durch das Räu­chern in Säge­spänen.