Dr. Lorenz Stre­bel, Rechts­an­walt und Notar

Diebische Elster oder freier Vogel?

Von | 6. Febru­ar 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGE | Ich woh­ne in einem Mehr­fa­mi­li­en­haus. Zu Weih­nach­ten schenk­te mir mein neu­er Freund ein Set aus Kasch­mir- Müt­ze, -schal, -pull­over und -hand­schu­hen. Nach dem ersten Waschen habe ich die Klei­dungs­stücke in den all­ge­mei­nen Trock­nungs­raum zum lang­sa­men Trock­nen gelegt. Nach drei Tagen waren sie weg. Ich bin sicher, dass mei­ne Nach­ba­rin sie hat ver­schwin­den las­sen. Dies, um mir eins aus­zu­wi­schen: Mein neu­er Freund war bis vor sechs Mona­ten mit ihr zusam­men. Sie hat es nie ver­wun­den, dass er ihr den Lauf­pass gege­ben hat. Dar­um habe ich sie ange­zeigt. Nun habe ich eine «Nicht­an­hand­nah­me­ver­fü­gung » erhal­ten. Was bedeu­tet das?

ANTWORT | Der Erlass einer Nicht­an­hand­nah­me­ver­fü­gung bedeu­tet, dass die Staats­an­walt­schaft zum Schluss gekom­men ist, dass der von Ihnen ange­zeig­te Straf­tat­be­stand des Dieb­stahls «ein­deu­tig nicht erfüllt ist».

Gemäss Begrün­dung haben die poli­zei­li­chen Abklä­run­gen erge­ben, dass Ihre Nach­ba­rin in der frag­li­chen Zeit in Ber­lin auf einer fünf­tä­gi­gen Städ­te­rei­se war (Flug­ticket, Hotel­quit­tun­gen). Daher kommt sie als Die­bin nicht in Fra­ge.

Recht­lich ist eine Nicht­an­hand­nah­me gleich­be­deu­tend mit einem Frei­spruch. Falls Sie aber neue Bewei­se dafür fin­den, 

dass Ihre Nach­ba­rin in Wahr­heit gar nicht in Ber­lin war, oder dass sie z.B. jeman­den zum Dieb­stahl ange­stif­tet hat, kann das Straf­ver­fah­ren gegen Ihre Nach­ba­rin wie­der auf­ge­nom­men wer­den.

Eine Beschwer­de gegen die Nicht­an­hand­nah­me­ver­fü­gung dürf­te auf­grund der jet­zi­gen Beweis­mit­tel hin­ge­gen kaum Chan­cen haben.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Dr. Lorenz Stre­bel, Rechts­an­walt & Notar, Bahn­hofstras­se 86, Post­fach, 5001 Aar­au
E-Mail: kontakt@strebel-recht.ch