Dr. Lorenz Stre­bel, Rechts­an­walt und Notar

Erbrecht während der Scheidung?

Von | 6. Sep­tem­ber 2018 | Rat­ge­ber Recht

FRAGEVor Jah­ren habe ich einen gros­sen Casi­no-Gewinn gemacht und das Geld gut ange­legt. Zudem ver­die­ne ich beruf­lich über­durch­schnitt­lich. Vor zwei Jah­ren habe ich gehei­ra­tet. Kurz dar­auf bemerk­te ich, dass die Frau nicht mich, son­dern mein Geld woll­te. Ich habe die Schei­dung ein­ge­reicht. Sie ver­zö­gert jetzt alles. Wir haben weder einen Ehe- noch einen Erb­ver­trag. Ich habe eine Freun­din, und wer­de bald das erste Mal Vater. Stimmt es, dass mit der Geburt des Kin­des mei­ne Noch-Frau kein Erbrecht mehr hat, und alles an mein Kind geht, falls ich ster­be?

ANTWORTNein. Ihre Frau ist erb­be­rech­tigt, bis die Ehe rechts­kräf­tig geschie­den ist. Rechts­kräf­tig heisst, dass Sie nicht nur das Schei­dungs­ur­teil in den Hän­den hal­ten, son­dern auch, dass die Frist zur Anfech­tung des Urteils unge­nutzt abge­lau­fen ist. Der gesetz­li­che Erb­teil Ihrer Frau beträgt aktu­ell ¾ des Nach­las­ses. ¼ erhal­ten Ihre Eltern. Wenn Sie Vater wer­den, dann bekom­men Ihre Eltern nichts, dafür erhält Ihr Kind ½ der Erb­schaft und die Noch-Ehe­frau ½. Bis Sie geschie­den sind, kön­nen Sie das Erbrecht Ihrer Ehe­frau aber ein­schrän­ken,

indem Sie sie auf den Pflicht­teil set­zen. Es resul­tiert eine «freie Quo­te». Sie kön­nen bestim­men, dass bei Ihrem Tod wäh­rend der noch nicht geschie­de­nen Ehe die­se Quo­te an Ihr Kind geht, falls es leben­dig gebo­ren wird, andern­falls (z. B.) je hälf­tig an Ihre Eltern.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an: Dr. Lorenz Stre­bel, Rechts­an­walt und Notar, Bahn­hofstras­se 86, Post­fach 4039, 5001 Aar­au, E-Mail: kontakt@strebel-recht.ch