Achtsam morden

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Wo waren Sie am Sonntagabend zwischen 20.00 und 21.30 Uhr? Vielleicht lautet bei Ihnen die Antwort auf diese typische Fernseh-Kommissaren-Frage gleich wie bei mir: Na, den Tatort geschaut im Schweizer Farbfernsehen! Auf dem Programm stand die Premiere des neuen Ermittler-Duos aus Zürich.

Der Tatort, das letzte Lagerfeuer im Fernsehen, läuft bei uns jeden Sonntagabend nach einem festen Ritual ab. Bei der Titelmelodie wird an einer bestimmten Stelle zu einem Sofa-Hüpf-Tänzchen gestartet. Dann wird die Lautstärke am TV auf Stufe 34 aufgedreht und bei einem schönen Gläschen und Knabberzeug zugeschaut, wie ein Mord passiert, der pünktlich um 21.30 Uhr aufgeklärt wird. Herrlich! Was uns jedoch in letzter Zeit öfters passiert, ist, dass wir später, kurz vor dem einschlafen, fragen: «Du, wer war jetzt eigentlich der Mörder?»

Am letzten Sonntag hatte der neue Schweizer Tatort Premiere. Für den abgesetzten Luzerner Ermittler Reto
Flückiger – der mir immer gefallen hat, weil er halt auch Flückiger heisst – hat das neue Zürcher Frauenduo Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler seinen Einstand gegeben. Die Ermittlerinnen Isabelle Grandjean und Tessa Ott hatten in «Züri brännt» überzeugen können.

In der Zeitung las ich im Vorfeld, dass der Zürcher Tatort umweltfreundlich und nachhaltig produziert wird. Das ist etwas Neues in der langen Geschichte des Tatorts. So radelt die Ermittlerin Tessa Ott mit dem Velo kreuz und quer durch Zürich. Ein Polizeiauto war am Sonntag nicht zu sehen. Es ist ein grün produzierter Tatort, der beim Drehen ein Viertel wenier CO2 produziert, als beispielsweise der Luzerner Tatort.

Alles schön und gut. Nur der Mord war weder achtsam noch umweltfreundlich. Bei der Brandleiche war viel Benzin im Spiel. Das geht gar nicht! Haben die Schweizer Tatortmacher denn nicht den Krimi-Bestseller «Achtsam morden» von Karsten Dusse gelesen? Dort wurde gezeigt, wie es geht, Leute umweltverträglich und vor allem nach allen Regeln der Achtsamkeit um die Ecke zu bringen. So was in der Richtung wäre am Sonntag ziemlich cool gewesen.

Aber immerhin schaffte es der Tatort aus dem hektischen und pressanten Zürich, sich gegen Schluss etwas zu entschleunigen: Die Ermittlerin Tessa Ott sang Mani Matters «Zündhölzli». Eine singende Kommissarin, das war ein schöner Schlusspunkt.

Falls Sie den Tatort auch gesehen haben: Wer war jetzt eigentlich der Mörder?

Geh Bier holen, du Hund!

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

Der Wind pfeift um die Häuser, die dicken, schwarzen Wolken verhindern jedes Durchkommen von Licht. Vorbei ist er, mein geliebter Sommer. Stattdessen ist es nass, grau, kalt und einfach richtig eklig. Am liebsten würde ich das den ganzen Tag machen: mich auf dem Sofa einkuscheln, Filme schauen und mit meinem Hund … «Nein, Hund, ich will jetzt eben nicht nach draussen!» Sein Kopf nimmt eine Schieflage ein, seine grossen Augen betteln mich an. Natürlich werde ich schwach und wir gehen zusammen ins nasse Kalt hinaus.

Tja, mit dem Hund nach draussen zu gehen, egal bei welchem Wetter, daran komme ich halt nicht vorbei. Vor allem weil ich auch keinen Garten zur Verfügung habe. Das heisst dreimal täglich Jacke zu und durch. Und dem Hundi, diesem Egoisten, ist es egal, ob Frauchen friert. Von wegen «der beste Freund des Menschen», wer wohl auf so einen Blödsinn kam? Würde er sich wenigstens in anderen Belangen nützlich machen, Wäsche waschen, einkaufen gehen, Wohnung putzen, dann würden wir wenigstens beide voneinander profitieren. Aber nein … oder … einen Moment mal … das ist die Lösung! Frauchen will nicht draussen erfrieren, klein Wauwau braucht Beschäftigung, aber es soll trotzdem eine für Frauchen sinnvolle Beschäftigung sein.

Ich bringe meinem Hund nun über die kalte Jahreszeit bei, mir ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen. So haben wir beide, was wir wollen! Wie, Sie finden diese Idee doof? Meine Mama ging als Kind noch für ihren Vater Zigaretten kaufen, da find ich ja meine Idee mit dem Hund und dem Bier um einiges vertretbarer. Und vor allem macht ihm das Training richtig Spass. Ein paar Leckerlis können auch echt überzeugend sein. Der Kühlschrank wird bereits super geöffnet und auch eine Bierdose nimmt Hundi in den Mund. Der Ablauf muss noch etwas verfeinert werden, aber Sie werden sehen, bis zum Ende der dunklen Tage bringt mir mein Hund mein Bier.

Dumm nur, dass das mit dem Kühlschrankschliessen momentan noch nicht so wunderbar funktioniert. Denn seit er den Kühlschrank öffnen kann, friere ich nicht nur draussen sondern auch in der Wohnung. Auch hier drinnen wird es allmählich nass, vermehrt grau, kalt und richtig eklig. Vielleicht war das mit dem Bier holen doch nicht die allerbeste Idee. Aber wir können ja immer noch auf das Wäschewaschen wechseln. Was soll da schon schief gehen?

Wird der Bundesrat vom Volk gewählt?

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger

Die vielen Wahlplakate entlang der Stras-sen führen dazu, dass sich unsere beiden Kinder (10 und 8 Jahre alt) spielerisch mit der Politik befassen. Sind wir im Auto, werden viele Plakate kommentiert. «Alex kenne ich», so meine Tochter, «er war der OK-Chef des Turnfests in Aarau». Tobias erkennt sie auch, er hat uns mit seiner Wahlempfehlung auch ein Säcklein «Gummibärli» mitgeschickt. Auch Karin erkennen die Kinder, sie haben wir in den Skiferien getroffen. Und Robert ist ihr Velomechaniker, wenn Mama oder Papa nicht mehr helfen können.

Die Kinder schauen genau auf die Plakate. «Ist Suzanne nicht falsch geschrieben, Papa», will mein Sohn wissen. «Dürfen auch Kinder gewählt werden?», fragt die Tochter. Sorry Nico! «Nein, die Kandidaten müssen am Wahltag 18 Jahre alt sein. Viele sind gar viel älter», erkläre ich. «Warum hat es so wenig Frauen?», fragt die Kleine fast vorwurfsvoll. Darauf habe ich so auf die Schnelle keine plausible Antwort. «Der Dieter hat am meisten Plakate», sind sich unsere beiden Kinder für einmal einig. «Der muss bestimmt viel Geld haben».

Am Abend geht die Staatskunde in eine weitere Runde. Wir füllen gemeinsam am Esszimmertisch die Wahlunterlagen aus. Mit Leuchtstiften kreisen die Kinder die Kandidierenden, die sie kennen, oder wiedererkennen, auf den Prospekten der Parteien ein. «Sind das alles Schweizer?», will mein Sohn wissen. Ich kann ihn beruhigen, es sind alles Schweizer. «Auch die, mit Namen, die uns nicht oder noch nicht geläufig sind.» 

Stolz präsentieren die Kinder eine Liste ihrer Kandidatinnen und Kandidaten, die sie gerne wählen würden. Was folgt, ist die grosse Enttäuschung: In unserem Wohnbezirk hat es nur Platz für 15 Kandidierende auf der Liste. Das grosse Feilschen beginnt. Zählt das Können des Velomechs mehr als die Gummibärli des Arztes, löst die Ferienbekanntschaft mehr Emotionen aus, als die Mutter eines Schulfreunds? Unfair sei es, finden beide Kinder, dass 15:2 nicht aufgeht und sie so nicht gleichviele Frauen und Männer auswählen können.

Als Papa noch etwas von «streichen» und «doppelt auf die Liste schreiben» erzählte, schlägt der Sohn vor, das aufs nächste Mal zu verschieben. Zufrieden kleben die Kinder «ihr» erstes Wahlcouvert zu und werfen es in den Gemeindebriefkasten. «Wird der Bundesrat eigentlich auch von uns gewählt?», will die Tochter auf dem Nachhauseweg wissen. «Nein», muss ich sie enttäuschen. «Auch wenn es einige Wähler in unserem Land nur allzugerne tun würden.»

Easy Rider im Kleinformat

Morgens um viertel nach 6 Uhr, der Wecker klingelt. Es braucht zuerst einen kalten Waschlappen, um einige meiner Lebensgeister in Bewegung zu bringen. Mit einem Kaffee und einer «Ankeschnitte» mit Erdbeer-Rhabarber-Konfi wecke ich auch den Rest der Geister, die lieber weiter schlafen würden. Muss das sein, höre ich sie jammern? Ja, es musste!

Ich habe mir das Ziel gesteckt, noch in diesen Sommerferien das Geld für ein Töffli zu verdienen. Wir schreiben das Jahr 1972, ich bin 14-jährig und die Ferien haben gerade erst begonnen. Von wegen Sommerferien. Harte körperliche Arbeit ist angesagt. In der Kölliker Ziegelhütte beseitige ich kaputte Lehmziegel, die schwer wie Blei sind. Putze Fensterscheiben, die seit mehr als 20 Jahren keinen feuchten Lappen mehr gesehen haben und erledige weitere unangenehme Arbeiten. Aber was tut man nicht alles, wenn man ein Ziel vor Augen hat.

Drei Wochen später. Mit zitternden Händen nehme ich mein erstes «Zahltagssäckli » entgegen. Bereits einen Tag später bin ich stolzer Besitzer eines «Puch Velux 30», zwar Occasion, aber das spielt keine Rolle. Der chromglänzende Tank, die in der Sonne glitzernden Speichenräder, der hohe Lenker und die leuchtende Goldfarbe des Rahmens sagen mir, ab sofort bist auch du ein Easy Rider. Wenn auch nur im Kleinformat. Im Dorf sind wir bald als «Töfflibuebe» bekannt.

Schon eine Woche nach dem Kauf meines «Pfupferlis» gehts mit meinen Kollegen «Hänsu» und «Petu» auf grosse Tour. Gotthard, Nufenen, Furka, Susten und Brünig sind angesagt. Das alles in drei Tagen. Bereits in Brunnen machte «Petus » Puch schlapp. Kurzerhand gibt es auf der Strasse eine Motorrevision. Neue Kolbenringe werden eingebaut. Es geht flott weiter. Auf dem Weg zum Nufenen übernachteten wir zum ersten Mal in der Herberge von Al Aqua. Das war ein Fest. Nufenen und Furka schaffen wir mit links. Auf dem Weg Richtung Sustenpasshöhe befreien wir morgens um halb sechs Uhr eine Gämse aus einem Drahtzaun. Das Tier wehrt sich wie wild, ist dann aber doch froh, als wir es in die Freiheit entliessen. Über den Brünig geht es zügig zurück nach Hause.

Heute fahre ich diese Tour mit meinem grossen Töff in ein paar Stunden. Mehr Emotionen weckt das allerdings nicht. Die «Töfflibuebe» von damals sind heute alle rund ein halbes Jahrhundert älter, grauer und auch einiges schwerer. Leider fehlen auch schon einige von ihnen. Die, die noch da sind, sind aber heute noch richtige «Töfflibuebe».

Die Zeitung hat noch lange nicht ausgedient

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger

Im Computerzeitalter sind handgeschriebene Briefe eine seltene, aber willkommene Abwechslung. Auch auf der Redaktion. Noch gibt es Leserinnen und Leser, die uns Einsendungen auf dem Postweg zukommen lassen. So wie Lotti Dätwyler aus Chavannes-près-Renens im Kanton Waadt. Sie hat uns in einem gelben A3-Umschlag eine gut erhaltene Ausgabe des Landanzeigers vom Freitag, 27. August 1943 geschickt. Die Zeitung diente ihr über mehrere Jahrzehnte in einem Wandkasten als Auskleidung.

In der vierseitigen Ausgabe, die während dem zweiten Weltkrieg erschien, sind keine Fotos zu finden. Dafür Inserate, die einem zum Schmunzeln bringen, andere zum Nachdenken. So heisst es in einer Anzeige: «Gesucht, 12- bis 15-jähriger, gesunder Knabe, zu Landwirt, bei guter Behandlung». Wir fragen uns auf der Redaktion, wird hier ein junger Knecht gesucht oder ein Verdingkind? Weiter unten: «Auf Anfang September könnte ein kräftiger, intelligenter Jüngling, nicht unter 16 Jahren, mit guten Schulzeugnissen, unter günstigen Bedingungen, eine Lehrstelle als Sattler oder Tapezierer antreten.» Wir fragen uns, musste hier der Jüngling Geld bringen, damit er die Lehre absolvieren kann? Heute unvorstellbar.

Zum Schmunzeln brachte uns Coiffeur E. Fuhrer aus Oberentfelden, er schrieb: «Ich bitte meine verehrte Kundschaft, während meiner Abwesenheit, das Haare schneiden an Samstagen zu unterlassen. Höfliche Empfehlung.» Oder die Apotheke A. Schwyter in Schöftland inserierte: «Übermässiger Fussschweiss und Achselschweiss sind lästig. Fusspuder, Formalinlösung oder Fussbadesalz beseitigen diese unangenehmen Erscheinungen rasch und »ohne Schaden«. Erstaunliches bot auch die Drogerie K. Tuchschmid aus Oberentfelden zum Kauf an. »Mist ohne Vieh: 5 Kilo Fr. 3.40, 10 Kilo Fr. 5.70. «Herausgestochen sind auch die vielen Inserate, die zum Tanze riefen, sei es in die »Herberge« nach Teufenthal, in den »Bären« Holziken, ins »Rössli« Kölliken oder ins Alkoholfreie Restaurant »Striegel« nach Safenwil.

Ob sich die Tanzfreudigen heute auch noch in der Zeitung informieren, «wo der Bär tanzt»? Ich glaube nicht. «Die Zeitung stirbt aus, Digital gehts in die Zukunft», bekomme ich von Jüngeren öfters zu hören. Dabei hat die Zeitung so viel Vorteile. Nach dem Lesen kann man sie zum Anfeuern benutzen, kann damit die Katzenkiste auskleiden, kann nasse Schuhe stopfen. Oder die in diesem Sommer besonders lästigen Wespen tot schlagen. Versuchen Sie das mal mit dem Laptop oder dem Computer-Tablet.

Vom Händeschütteln auf dem Land

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Kennen Sie das auch: Sie treffen jemanden, den Sie gut mögen und den Sie vielleicht schon längere Zeit nicht mehr gesehen haben. Echt erfreut und mit einem strahlenden Lächeln, das vom Gegenüber ebenso freudig erwidert wird, gehen Sie auf diese Person zu, begrüssen sich mit einem kräftigen Händeschütteln – bis Sie beide merken: Hoppla! Ganz vergessen: Corona! Händeschütteln ist in diesen Zeiten nicht angesagt.

Was nun? Mir ist es vor ein paar Tagen passiert. Wieder passiert, muss ich gestehen. Also, was nun: Weiterschütteln oder abbrechen? Bei uns war es so, dass wir es beide gleichzeitig gemerkt hatten. Wir brachen das Händeschütteln mitten in der Bewegung ab, schauten uns etwas verdutzt an, liessen los, mussten nach einem kurzen Moment beide lachen, dann winkten wir ab und fingen nochmals von vorne an mit Händeschütteln. Corona hatten wir in diesem Moment beide für einen Moment ganz bewusst beiseite geschoben.

«Wir sind ja hier auf dem Land», versuchte uns mein Gegenüber aus der Affäre zu ziehen. Corona gäbe es ja fast nur noch in den grossen Städten, behauptete er. Ob dies auch tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen.

Etwas ähnliches erlebte ich vor ein paar Wochen: Im Dorf war ich an einen Anlass eingeladen, wo sich alle nicht etwa per Ellbogen oder Faust begrüssten, sondern die «wie früher» die Hand schüttelten und die Frauen sogar mit den drei Küsschen begrüsst wurden. Da wurde mir ehrlich gesagt ein bisschen mulmig.

Natürlich haben wir alle dieses Corona längst satt. Ein bisschen Normalität tut gut. Ich weiss nicht, wie es in der Stadt läuft, aber offenbar werden wir hier auf dem Land immer mehr zu Corona-Verdrängern.

Ein bisschen verdrängen tut gut, das wusste schon Sigmund Freud. Das ist der Mann, der die Psychoanalyse erfunden hat und nebenbei auch die «Freudschen Versprecher». Das ist, wenn Silben und Laute ihren Platz wechseln und es so zu ungewollten Wort- und Satz-Neuschöpfungen kommt wie «Reinen Tisch einschenken », oder «Eine Krähe wäscht die andere», oder «ins Grab beissen» – ja, bei Freudschen Versprechern kommt oft «Peinliches zum Vorschwein».

Aber ich bin abgeschweift vom eigentlichen Thema. Im Sinne einer Entschuldigung rufe ich Ihnen auf gut Freudsch zu: «mein Geist war willig, doch mein Fleisch war flach.»

Man müsste Asterix oder Bud Spencer sein

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

Treffen sich zwei Freunde am Montag nach Feierabend auf ein Bier. Sagt der eine zur anderen: «Könntest du heute bezahlen? Habe mein Portemonnaie vergangenen Freitag verloren.» «Ach, das tut mir leid», bekundet die andere ihr Mitleid. Darauf erwidert er: «Nein, nein. Nicht so schlimm. Es liegt seither auf dem Fundbüro.» «Wo liegt dann das Problem?», fragt die andere. «Durch meine Arbeitszeiten und deren Öffnungszeiten kann ich es erst am Donnerstag holen.»

Was für ein schlechter Witz, denken Sie jetzt wahrscheinlich. Auch mir kam dieser Gedanke, als mir mein bester Freund von seiner Portemonnaie-Geschichte erzählte. Fast eine ganze Woche war er ohne sein Portemonnaie und damit auch ohne Geld, ohne Ausweis und ohne Bahn-Abonnement unterwegs. Und das obwohl seine verloren gegangene Brieftasche so nah war. Doch wenn man Arbeitszeiten bis um fünf Uhr nachmittags hat, dann reicht es halt einfach nicht, bis um fünf Uhr nachmittags im Fundbüro zu sein.

Am Donnerstag kam dann seine Erlösung. Denn dann hat das Fundbüro ausnahmsweise bis 19 Uhr geöffnet. Doch die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Ja, er kann zwar wieder Geld abheben und er fährt seither auch wieder mit seinem Bahnabo zur Arbeit. Aus Sicherheitsgründen wurde aber seine ID entwertet. Sie ist ungültig und muss ersetzt werden, wie er beim Fundbüro informiert wurde.

Also geht es für ihn zum Passamt. Allerdings erst am Montag darauf, denn auch die haben nur an einem Tag länger geöffnet. Auf dem Passamt aber dann die Nachricht: «Sie müssen zuerst auf der Verwaltung ein Formular ausfüllen.» Darauf hat man ihn beim Fundbüro nicht hingewiesen. Also geht es für ihn am Donnerstag zurück zur Verwaltung und dann erneut am Montag aufs Passamt.

Bei diesem ganzen Hin und Her kommen mir Szenen aus dem Zeichentrickfilm «Asterix erobert Rom» oder «Banana Joe» mit Bud Spencer in den Sinn. Auch dort werden die Hauptfiguren bürokratisch beinahe in den Wahnsinn getrieben. Nun hat mein bester Freund aber leider weder einen Zaubertrank wie Asterix noch die Kampfeskraft und Sturheit von Bud Spencer. Er muss wohl oder übel einfach da durch.

Und doch frag ich mich, muss es wirklich so kompliziert sein? Gibt es keine flexiblere Lösung? Wie sieht der Trick aus, den man anwenden muss? Ich habe keine Ahnung.Haben Sie mir einen

Bremsen statt hupen

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger

Am Neujahrstag habe ich mir den Vorsatz gefasst, mein Verhalten im Strassenverkehr etwas zu entschleunigen. Nun ist es an der Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen: Schweren Herzens gebe ich es zu, es ist nicht so einfach, wie gedacht. Ich habe noch Luft nach oben. Trotzdem, das kleine Post-it am Armaturenbrett mit der Aufschrift «bremsen statt hupen» hat seine Wirkung nicht verfehlt. Öfters lass ich nun anderen Verkehrsteilnehmern den Vortritt, bremse regelmässig am Fussgängerstreifen, überhole Velofahrer mit grossem Abstand, gebe nicht mehr extra Gas, wenns gelb wird oder schenke anderen auf der Strasse ein Lächeln. Es wirkt Wunder.

Doch wie gesagt, es gelingt auch mir nicht immer. Neulich an der Kreuzung Schönenwerderstrasse/Engelplatz in Oberentfelden. Die WSB naht, ich will schleunigst vom Geleise, doch niemand lässt mir eine Lücke. Ich erzwinge den Vortritt. Der Fahrer einer grossen, schwarzen Limousine schwäbischer Bauart hupte kräftig. Er macht Handbewegungen und imitiert Wesen aus der Tierwelt. Gebremst hat er erst, als wir weiter vorne gemeinsam vor der Barriere stehen. Ich steige aus. Er auch. Seine Augen werden gross. Seine Halsmuskeln verkrampfen, seine rechte Faust ballt sich. «Es tut mir leid», sagte ich zu meinem Gegenüber, «es war mein Fehler. Sorry.» Der Mann beruhigt sich, nickt, richtet seine Goldketten um den Hals und steigt wieder ins Auto. Als er abzweigt, winkt er mir zu. Zwar nicht freudig, aber immerhin. «Bremsen statt hupen» lese ich einmal mehr auf dem in der Zwischenzeit etwas vergilbten Zettelchen.

Auf meinem Heimweg von der Arbeit fahre ich gern Überland. Auf dem «Bottensteiner », einem Übergang zwischen Bottenwil und Zofingen gibt es eine Stelle, dort äsen regelmässig Wildtiere am Waldrand. Bremsen und abblenden ist angesagt. Aber notfalls auch hupen und auf weitere Tiere gefasst sein, das rät jeder Wildhüter.

In Kürze entscheiden fünf Gemeinden in unserer Region, ob sie sich zum Zukunftsraum Aarau, der elftgrössten Stadt des Landes, zusammenschliessen wollen. Lange wars verdächtig ruhig, nun kommt Bewegung in den Abstimmungskampf. In den Leserbriefspalten malen die einen den (Fusions)-Teufel an die Wand, die anderen erzählen das Blaue vom Himmel. Der Ton wird rauer und lauter, die Argumente selten stichfester, je näher die Abstimmungen kommen. Nicht nur rund um den Zukunftsraum. Dabei wäre gerade in der heissen Abstimmungsphase öfters angebracht: Entschleunigen und bremsen statt hupen.

Wenn aus Schöftland Schottland wird

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Die heutigen Computer erleichtern uns das Leben ungemein – aber manchmal sind sie auch richtig gemein: So korrigieren sie automatisch und einfach so Wörter, die wir gerade am Schreiben sind. Mein Laptop zum Beispiel macht folgendes: schreibe ich «Schöftland», korrigiert er es postwendend auf «Schottland». Manchmal merke ich es nicht und dann meldet sich unser rasender Reporter und fragt: Willst Du mich jetzt allen Ernstes nach Schottland schicken, um dort ein paar Fotos von der schönen Landschaft zu machen? Will ich nicht.

Oder letzte Woche: Da bat ich per Mail die Gemeindekanzlei Schöftland, uns ein aktuelles Gruppenfoto vom Gemeinderat zu schicken. In der Betreff-Zeile des Mails stand dann: «Bitte um ein Bild des Gemeinderats Schottland». Zum Glück hat uns der Gemeindeschreiber dann doch ein Bild des Schöftler Gemeinderats geschickt.

Weil die Autokorrektur längst auch auf unseren Smartphones ihr Unwesen treibt und zwar nicht nur bei Ihnen und bei mir, gibt es bereits Bücher mit Sammlungen der lustigsten Autokorrektur-Fehlern. Drei Bände sind bisher erschienen.

Zum schreien komisch ist diese Auflistung, was die Autokorrektur anderen Menschen schon für Streiche gespielt hat. Wenn es einen nicht selber betrifft, dann kann man sich köstlich amüsieren darüber, dass aus «Eleganz» plötzlich «Elefant» wird («Schatz, bewegst du deinen Elefanten Körper heute zu mir?»), oder wenn Dir jemand schreibt: «wie wärs mit Karaoke?» und Du antwortest: «oh ja, ich liebe Karola», worauf drei Fragezeichen zurückkommen und Du merkst: «upps, nein: K a r a o k e!»

Eigentlich wäre es ganz einfach: Man kann die Autokorrektur ausschalten. Egal ob Texte und Mails auf dem Computer, SMS oder WhatsApp auf Smartphones, egal welches Betriebssystem: das Internet ist voll von Beschreibungen, wie man die Autokorrektur wieder los wird.

Aber will ich das? Obwohl ich mich oft darüber ärgere, läuft die Autokorrektur immer noch auf all meinen Geräten, beruflich und privat, munter weiter. Im besten Fall bewahrt sie mich tatsächlich vor echten Schreibfehlern und anderenfalls im zweitbesten Fall für den einen oder anderen Lacher beim Empfänger (aus «Flückiger» wird «Flockingen»).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bei der Lektüre unserer Sonderseiten über Schottland auf den Seiten 16 bis 19 viel Vergnügen.

Und ich dachte, es sei Samstag

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

Wann merken Sie, dass Sie so richtig entspannt sind? Wenn Sie vor dem Fernseher einnicken? Wenn Sie an einem heissen Tag im Schatten sitzen und einen Drink schlürfen? Oder wenn Sie einfach einmal nichts tun und an nichts denken? Wenn ich so richtig entspannt bin, verliere ich komplett den Überblick über die Zeit. Und in den letzten paar Wochen war ich sowas von entspannt. Sowas gabs schon lange nicht mehr! Morgen oder Abend, der Wochentag oder das Datum – alles verschwommen, es spielte keine Rolle mehr und ich hatte richtig Ferien im Kopf.

Ich musste aber merken, dass es auch ungünstige Momente gibt, um diese totale Entspannung zu erreichen. So zum Beispiel wenn man eine Ferienwohnung gebucht hat und dort den Überblick über die Zeit verliert. Sie ahnen es, genau das ist mir passiert. Ich war der festen Überzeugung, ich hätte mich vom Dienstag, 4. August bis am Samstag, 7. August in Grächen eingemietet. Nach dem Auschecken am Samstag würde ich mich in Kandersteg mit einem Kollegen treffen. Nun ja, so war jedenfalls der Plan. Auf jeden Fall mache ich mich deswegen an diesem Freitagmorgen bereit für die letzte Wanderung in Grächen. Ich streiche gerade Brote und packe meinen Rucksack, als sich eben dieser Kollege meldet. Er verspäte sich und könne erst in einer halben Stunde losfahren, schreibt er mir. Ich bin verwirrt. Heute ist doch erst Freitag. Wir haben uns doch für den darauffolgenden 7. August verabredet. Der Blick auf den heutigen Wochentag und das Datum treiben mir Schweissperlen auf die Stirn. Ja, wir haben uns für den 7. August verabredet, nur ist das nicht der Samstag sondern der heutige Freitag. Schnell checke ich meine Buchung. Und auch da: gebucht bis FREITAG, 7. August. Ich klatsche mir mit der Hand an die schweissnasse Stirn. Und ich Dummerchen dachte tatsächlich es sei bis Samstag.

Als ich eilig mein Zimmer räume, male ich mir aus, was hätte geschehen können. Ich käme abends erschöpft in meine Ferienwohnung zurück und die wäre schon von anderen besetzt. Was hätte ich da sagen sollen? Sorry, ich war zu entspannt, um mir den Wochentag zu merken? Oder ‘tschuldigung, ich dachte, der 7. August sei Samstag? Bei dieser absurden Entschuldigung muss ich lauthals loslachen. «Ich dachte, es sei Samstag» war damals nämlich meine beliebteste Ausrede, um meinen Lehrern zu erklären, warum ich nicht in der Schule aufgetaucht bin. Nein, das würde heute wohl kaum noch klappen. So packe ich meine Sachen fertig und mache mich etwas weniger entspannt an einem Freitag anstelle von einem Samstag auf den Weg nach Kandersteg.

Ferien in der Schweiz

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger

Ein «richtiger» Schweizer gehorcht dem Bundesrat und macht, was dieser ihm ans Herz legt. Wenigsten ab und zu. So erinnere auch ich mich bei meiner Ferienplanung an die markigen Worte von Bundesrat Ueli Maurer: «Machen Sie in diesem Jahr Ihre Ferien in der Schweiz, geben Sie ihr Geld hier aus.»

Um mich ideal auf meine Feriendestinationen vorzubereiten, kaufe ich regel-mässig Reiseführer. Auch in diesem Jahr. Drei Ratgeber für die Schweiz schleppte ich nach Hause. Schönste Farbbilder der Kappelbrücke in Luzern, dem Matterhorn, dem Landwasserviadukt der Rhätischen Bahn, dem Schilthorn und der Berner Altstadt motivieren mich, dieses schöne Land noch besser kennenzulernen und es zu bereisen. Zwischen einer festlich geschmückten Schweizer Milchkuh und einer Gruppe glücklicher Fondue-Esser warnt mich aber plötzlich ein fetter Zwischentitel vor der «schlimmsten Touristenfalle der Schweiz»: Den Preisen von Käse und Schokolade in Souvenirläden. Der Autor eines anderen Reiseführers rät, die Höchstgeschwindigkeiten auf Schweizer Strassen einzuhalten: «Verstösse werden streng geahndet. Die Grenzen nach oben sind offen und reichen bis zur Beschlagnahmung des Au-tos …» Der dritte Ratgeber entpuppt sich auch als Sprachführer: Zur Begrüssung sagt man in der Schweiz «Grüezi» und nicht «Grützi». Vom Schweizerdeutsch wird eh wärmstens abgeraten. Versuche von Ausländern, Schweizerdeutsch zu sprechen, wirken auf das Gegenüber meist peinlich, heisst es. Auch Scherze über Schwarzgeld, Minarettverbot und Mohrenköpfe seien beim ersten Smalltalk mit Schweizern zu vermeiden. Schnell blättere ich weiter. Bilder von Schokolade, Käse, Taschenmessern, Banken und Bergen stimmen mich -wieder milde.

Ähnliche Bilder – einfach viel weniger an der Zahl – gab es schon 1793 im ersten Reiseführer über die Schweiz. Mich erstaunt es, dass sich die Touristikbranche auch heute noch diesen traditionellen und etwas verstaubten Klischees bedient. Das führt dazu, dass viele ausländische Gäste diese angeblich so typischen Schweizer Symbole in unserem Land suchen und mit einem völlig falschen Bild in unser Land reisen. Dabei wirbt die Schweiz seit den 70er-Jahren vermehrt auch für sanften, umweltfreundlichen Tourismus und für Ferien mit Ruhe und Erholung. Viele Orte richteten sich darauf aus und konnten dadurch neue Gäste empfangen. Warum legt die Schweizer Tourismusbranche nicht grös-seren Wert darauf, auch in Reiseführern unser Land moderner zu vermarkten?

Könnte es sein, dass wir die wirklich schönen Orte in unserem Land lieber selber geniessen, als sie mit Touristen zu teilen?

Was wäre die Schweiz ohne seine 65’000 km Wanderwege?

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Ja, die Schweiz! Schon Jahre vor «Corona» habe ich meine Ferien am liebsten in unserem Land verbracht. Obwohl einzig das Meer fehlt, haben wir das grosse Glück, in einem der schönsten Länder der Welt zu wohnen. Unsere Landschaft ist eine einzige, riesengrosse und prächtige Postkarte. Und wir leben mittendrin.

Vor ein paar Jahren wanderten wir von zu Hause aus quer durch diese Postkarte ins Toggenburg, wo Verwandte wohnen. Dieser Moment, als wir mit Wanderschuhen, Rucksack und Hund die Haustüre abschlossen und losmarschierten, werde ich nie vergessen. «Jetzt sind wir bereits in den Ferien», frohlockte ich schon nach wenigen Schritten meiner Frau zu, unser Daheim noch in Sichtweite. Die Ferien begannen direkt vor der Haustüre, wir mussten nicht erst stundenlang zu einem Ferienort fahren oder gar fliegen.

Das Toggenburg haben wir auch ohne Ortskenntnis gefunden. Denn die Schweiz hat ein dichtes Netz an Wanderwegen, auf denen man durchs ganze Land wandern kann. Immer den gelben Schildern nach. Das Netz umfasst sagenhafte 65’000 Kilometer. Ein solches Wanderwegnetz ist einzigartig in der Welt. Zum Vergleich: das Schweizer Radwegnetz misst 3337 beschilderte Kilometer.

Dies ist nur möglich, dank dem Verein Schweizer Wanderwege und seinen 26 kantonalen Sektionen. Wenn Sie einmal umblättern, finden sie auf Seite 5 eine wunderbare Reportage von Sandra Bruhin vom Verein Aargauer Wanderwege. Sie hat den Routenbetreuer Valentin Schmid einen Tag lang auf seiner Tour begleitet. Der Aarauer ist einer von 85 ehrenamtlichen Helfern, die allein im Aargau dafür sorgen, dass alle gelben Markierungen am richtigen Ort sind, alle Wegweiser gut im Schuss sind (und in die richtige Richtung zeigen) und dass wir schlussendlich eine Woche später auch tatsächlich im Toggenburg landen.

Wegen «Corona» wanderten wir auch dieses Jahr oft von zu Hause aus. Und wir staunten! Das Ruedertal ist ja der «Hammer» – wild, abgelegen und hügelig fast wie das Emmental – herrlich! Aber auch die Wanderung von Kölliken über die Hügel nach Zofingen oder die Tour über den Wannenhof zum Schloss Liebegg bot landschaftliche Schönheiten, da muss man gar nicht meilenweit per Auto irgendwo hinfahren.

Und weil auch das Schweizer Radwegnetz super ist, werden wir hoffentlich noch viele Jahre tolle Touren und schöne Ferien in unserem Land erleben, egal ob zu Fuss oder mit dem Velo.

Der Mann kann auch mal nichts tun und an nichts denken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger

Sommerferien und der Jahresbeginn haben eine grosse Gemeinsamkeit: Man nimmt sich viele gute Vorsätze: Bücher lesen, mehr Sport treiben, das Geschäft vergessen, sich der Familie widmen und dann auch Mal einfach nichts tun.

Was verlockend tönt, ist gar nicht immer so einfach. Doch warum genau, kommt es zwischen Mann und Frau gerade auch in den Ferien oft zu Spannungen oder gar Streit? Es liegt daran, dass das Hirn von Frauen und Männern optisch zwar gleich aussieht, aber völlig anders funktioniert, erzählte mir neulich ein guter Freund auf einer mehrstündigen Wanderung im Engadin.

Diese Erkenntnis war mir nicht neu. Gespannt war ich hingegen auf seine weiteren Ausführungen. Das männliche Hirn bestehe aus vielen kleinen Boxen und Schachteln, die sich nicht berühren, erzählte er weiter. Der Mann verfüge zum Beispiel über eine Auto-Box, eine Job-Box, eine Geld-Box, eine Familien- Box, eine Sport-Box und eine Stammtisch-Box. Gedanklich sortierte ich schon Mal meine Boxen im Hirn und fand noch einige mehr.

Das Hirn der Frau sei hingegen völlig anders strukturiert. Es sei wie ein grosser Knäuel aus Drähten. Und alles sei mit allem verbunden: Das Geld mit dem Auto, das Auto mit dem Job, der Job mit der Familie, die Familie mit der Freizeit und die Freizeit mit dem Geld… Das sei einer der Gründe, warum Frauen dazu neigen, sich an alles zu erinnern. «Wenn dann noch Emotionen dazu kommen, dann brennt sich das in ihr Gedächtnis ein und sie werden sich immer daran erinnern», analysiert mein Freund weiter.

Der Grund, weshalb wir Männer das aushalten sei unsere Lieblingsbox: die leere Box. Diese ermögliche es uns, einer völlig öden Beschäftigung nachzugehen, über Stunden gar nichts zu tun oder an absolut gar nichts zu denken. «Und das ohne schlechtes Gewissen», freut sich mein Begleiter spitzbübisch.

Anders sei es bei den Frauen, zeigt sich mein Freund überzeugt: Sie schalten den Verstand nie ab. Und sie kennen diese leere Box der Männer nicht. Das treibe sie zum Wahnsinn. «Nichts lässt den Puls einer Frau mehr ansteigen, als zuzusehen, wie ein Mann nichts tut», sagt mein Freund abschliessend.

Vom schlechten Gewissen geplagt, griff ich am nächsten Tag zum Rasenmäher und waltete meines Amtes. Dass ich dabei über längere Zeit in der «leeren Box» verweilte, störte niemanden.

Einer von 600 Millionen

Erst seit wenigen Wochen steht ein Schwarz-Weiss-Fernseher in unserer Stube. Es knistert und rauscht aus dem Lautsprecher. Gebannt, ungläubig und kaum mehr atmend vor Spannung schaue ich auf das Bildgewusel, das da in unsere Stube flimmert. Plötzlich sehe ich die Mondoberfläche, die immer näher kommt. Zwischendurch sind Funksprüche der Astronauten zu hören, dann wieder Bruno Stanek, der zusammen mit Charles Raedersdorf im Fernsehstudio sitzt und das unglaubliche Ereignis kommentiert.

Ich höre Stanek sagen, Astronaut Neil Amstrong habe Computerprobleme, er werde die Landung per Handsteuerung vornehmen müssen. Die Spannung steigt. Dann eine Staubwolke, kurze Zeit später der Funkspruch: «Beep. Houston the Eagle has landet. Beep.»

Selbst als erst 11-Jähriger wusste ich, dass in diesem Moment etwas ganz Grosses geschehen war. Am 20. Juli 1969 um 21.17 landeten die ersten Menschen auf dem Mond. Am kommenden Dienstag, sind es 51 Jahre her. Über 600 Millionen Fernsehzuschauer konnten damals das unglaubliche Geschehnis live am Bildschirm verfolgen. Ich nur darum, weil ich an diesem Abend nicht schon um 20 Uhr im Bett sein musste.

Schlafen konnte ich in dieser Nacht nicht. Ich lehnte mich aus dem Zimmerfenster, suchte den Mond ab und war der Überzeugung, doch etwas sehen zu müssen. Aber selbst Vaters Jagdfeldstecher nutzte nichts. Gut sechs Stunden nach der Landung, betraten mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin die ersten Menschen den Mond, während Michael Collins, Pilot der Kommandokapsel, in dieser Zeit den Mond umkreiste.

Erst in einer Aufzeichnung sah ich, wie Armstrong die Leiter herunterkletterte. «Es sieht aus wie Puder», sagt er. Dann der kleine Sprung ab der Leiter und Armstrongs Worte, die in die Geschichte eingingen: «Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Sprung für die Menschheit.» Auch wie die Flagge gehisst wurde und wie die Männer auf dem Mond herumhüpften, verfolgte ich erneut total fasziniert.

Vier Tage nach der Landung auf dem Mond kamen die drei Astronauten in ihrer Kapsel zurück auf die Erde. Sie landeten sicher im Pazifik. Die Mission der Apollo 11 war geglückt. Gerne hätte ich mir das Ganze noch einmal mit Originalkommentar angesehen. Doch leider hat das Schweizer Fernsehen diese Aufzeichnungen von damals gelöscht. Den Verantwortlichen müsste man dafür auf den Mond schiessen! 

Maske richten und los geht die öV-Reise

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

Verkrampft versuchen meine Mitfahrer irgendwie Abstand zu den anderen zu bekommen. Das Atmen fällt bei diesen Temperaturen und bei diesem Gedränge schwer. Unter der Schutzmaske scheint sich ein dünner Schweiss-Flaum um meinen Mund gebildet zu haben. Meinem Gegenüber läuft bei jedem Ausatmen die Brille etwas mehr an.

Seit Montag heisst es Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Nein, auch ich bin kein Fan der Maskenpflicht, habe mich aber bereitwillig darauf eingelassen: «Ist halt nun mal so. Da müssen wir jetzt durch», hab ich mir gesagt. Meine beste Freundin aber ärgert sich: «Da stecken sich Menschen in Clubs an und wir werden nun im öV dafür bestraft und werden gezwungen, Masken zu tragen?! Ist das eine logische Konsequenz? Das ist doch nicht fair!» Ich verstehe ihren Missmut. Im Gegensatz zu meiner täglichen halben Stunde im öV ist ihr «Leidensweg» über zwei Stunden lang. «Meine Coiffeuse meinte, man gewöhne sich sehr schnell an das Tragen der Masken», versuche ich sie zu besänftigen. Unter ihrer Maske hervor murmelt sie etwas wie: «Nützen wirds trotzdem nichts».

Eine Weile schweigen wir uns an. Ich blicke noch einmal durch den vollgestopften Bus. Den richtigen Abstand zu halten, wäre hier einfach nicht möglich. «Hast du nicht auch gemerkt, dass du, seit der Lockdown zu Ende ist, unvorsichtiger geworden bist?», frage ich sie vorsichtig. Sie überlegt und nickt schweigend. «Und nun, wenn du all diese Leute mit Maske siehst, wird dir verdeutlicht, dass wir noch lange nicht aus der Krise raus sind. Wir müssen wieder vorsichtiger werden.» Wieder nickt sie. «Wenn wir schon nur einen Mitfahrer mit der dem Tragen der Maske schützen können, haben sich die Strapazen schon gelohnt. Und auch wenn es nichts bringen würde, schaden tut es uns ganz sicher nicht.» Nun blickt auch sie durch die Menschenmenge im Bus.

Der Bus hält, alle steigen aus. Sie alle höre ich ganz tief einatmen, endlich wieder etwas frische Luft. Ich verabschiede mich von meiner besten Freundin und verziehe mich in eine einsame Ecke auf dem Bahnhofplatz. Dort erlaube ich mir die Maske unter meine Nase zu ziehen, um ebenfalls tief durchzuatmen. Ich beobachte all die Maskenträger. Schon krass, wie das Coronavirus wieder so nah scheint, wieder so präsent ist, nachdem ich es schon fast vergessen hätte. Gut, wird es mir wieder vor Augen geführt. Noch einmal tief einatmen, Maske richten und ich trete den Rest meiner öV-Reise an.

Wir sind wieder dicker geworden

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Mein Freund Freddy ist am Jammern. Er habe in der Corona-Zeit mehr als fünf Kilo zugenommen. Freddy, der auf ein Feierabendbier vorbeigekommen ist, klopft sich auf den Bauch, um seine Aussage zu bestätigen. Wie das komme, frage ich ihn. Nun, er sei im Homeoffice halt öfters zum Kühlschrank gegangen und hätte mehr als sonst gegessen. Nicht so gesunde Sachen halt. Aber eben, die viele freie Zeit und die Sorgen wegen Corona hätten zu einer «Frust-Futterei» geführt, wie er es nennt. Er solle doch mehr Sport treiben, fordere ich ihn auf. «Du hättest heute mit deinem schicken Bike zu mir fahren können. Aber der bequeme Herr nahm ja das Automobil.» 

Freddy nickt, murmelt etwas von Zeitnot und nimmt einen Schluck von seinem «Birra Moretti». Dann wechselt er das Thema: Ob ich gewusst hätte, dass «Moretti » das italienische Wort für Mohr oder Mohrenkopf sei, fragt er. Wusste ich nicht. Aber als wir zwei Nicht-Rassisten eine Zeit lang schweigend Herrn Moretti auf der Bierdose angeschaut hatten, fällt mir etwas auf. «Erinnerst Du Dich an Kommissar Rex, der mit dem Hund?», frage ich. «Natürlich», sagt er. «Nun, der Schauspieler, der den Kommissar spielt, heisst auch Moretti, Tobias Moretti, findest Du nicht, der hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Herrn auf der Bierdose? » «Jetzt, wo Du es sagst, sehe ich es auch, wobei der Bier-Moretti dicker ist.» 

«Wir sind auch wieder dicker geworden! », fällt es mir ein. Freddy ist irritiert: «Wer ist wir?», will er wissen. «Ja wir, der Landanzeiger! Wir haben jetzt wieder viel mehr Seiten! Letzte Woche freuten wir uns alle wie Kinder, dass wir wieder eine Zwei-Bund-Zeitung geworden sind.» Das freue ihn sehr, aber was soll daran gut sein, fragt er. 

Ich erkläre ihm, dass mehr Seiten bedeuten, dass wieder mehr Inserate gebucht werden. Veranstaltungen! Kinos! Restaurants! Geschäfte! War ja alles geschlossen. Jetzt kommt alles wieder ins Laufen. Der Landanzeiger flattert deshalb gratis ins Haus, weil wir – im Gegensatz zu Abo-Zeitungen – voll durch Inserate finanziert sind. Die letzte Zeit war für uns ähnlich hart wie für viele unserer Inserenten. «Für euch gilt also: je dicker desto besser!», lacht Freddy und klopft sich nochmals auf seinen Bauch. Er hat unser Geschäftsmodell offenbar verstanden. 

Die Kunden und wir, so erkläre ich ihm, wir gehen sozusagen gemeinsam durch dick und dünn! «Also genau so wie wir zwei», entgegnet er. «Genau so wie wir zwei! Mein lieber Freund Freddy, jetzt spendier ich uns noch ein Moretti!»