Organspender und potenzielle Organspender

Seit der Rekrutenschule – und das ist bei mir nun doch schon einige Jahre her – gehöre ich zu den regelmässigen Blutspendern in unserem Land. Meine Blutgruppe sei ein sehr willkommener Saft, heisst es. Auch wenn ich jeweils die Augen zudrücke und mich abwende, wenn die Helferin mit der Nadel in meinen Arm sticht, so ist es doch immer ein gutes Gefühl, Blut gespendet zu haben. Wegen der belegten Brote und dem Gratis-Orangensaft mache ich es jedenfalls nicht.

Seit einigen Jahren habe ich nun auch eine Organspendekarte. Als erste Organe spende ich mein Doppelkinn und etwas von der Polsterung aus der Bauchgegend, sag ich jeweils, wenn wir im Freundes- oder Bekanntenkreis auf dieses Thema kommen. Meist ist das Eis dann schnell gebrochen und wir können uns dem Thema ernsthaft widmen.

In der Schweiz warten viele Menschen auf ein Organ. Mit meinem Ja zur Spende kann ich Leben retten. Alleine im vergangenen Jahr haben 462 Patientinnen und Patienten mindestens ein Organ aus einer postmortalen Organspende erhalten. Eine spendende Person kann bis zu sieben Menschen helfen. Wenn Lunge und Leber zur Transplantation geteilt werden, können sogar maximal neun Menschen von einem einzigen Spender Organe erhalten. Transplantationen ermöglichen oft nicht nur das Überleben, sondern verbessern die Lebensqualität eines Menschen massiv. Manche Leute warten bis zu drei Jahre auf eine Organspende.

Zwar gibt es immer noch viel zu wenig Organspender und solche, die es werden wollen. Auf der andern Seite sind gerade in den Wintermonaten viel zu viele «potenzielle Organspender» unterwegs. Gemeint sind damit Velofahrer die nachts ohne Licht unterwegs sind. Oder freihändig über Kreuzungen brettern. Aber auch dunkel gekleidete Fussgänger, die statt auf die Strasse, auf ihr Handy starren oder E-Trottinett-Fahrer, die mit aufgesetztem Kopfhörer, aber ohne Helm, jeglichen Bezug zum Strassenverkehr verlieren. Sie alle setzen sich grossen Gefahren aus und fühlen sich oft fälschlicherweise im Recht. Auf diese Art von «Organspender» kann ich gut verzichten. Auch habe ich eigentlich wenig Lust, fahrlässigen Menschen meine Organe zu spenden. Zum Glück muss ich das dann aber nicht mehr selbst entscheiden.

Von «Day» zu «Day»

Irgendwann letzte Woche habe ich den Überblick verloren. Kein Wunder bei all den Angeboten. Black Friday, Cyber Monday, Singles Day – ein «Day» folgt in der Vorweihnachtszeit dem nächsten «Day». Es nerve langsam, schrieb auch schon eine Zeitung.

Normalerweise mache ich einen grossen Bogen um diese Verkaufs-Events. Mir hat es dort zu viele Leute. Eine gute Bekannte, die etwas abgelegen im oberen Suhrental wohnt und eher selten in der Stadt ist, war unbeabsichtigt dort und beschreibt es mir folgendermassen: Sie brauchte dringend warme Socken. Also fuhr sie in einen Outlet-Store in der Nähe von Aarau, und wurde von der Black Friday-Week überrascht. Der ganze Laden schwarz dekoriert. Sie fand das völlig super, weil schwarz ihre Lieblingsfarbe ist, wie man unschwer an ihrem Kleidungsstil erkennt. Aber dann kommts: Sie erhielt dort ihre Socken für den Winter mit satten 40 Prozent Rabatt. Das freute sie natürlich sehr. Aber nur kurz, dann kippte bei ihr die Stimmung. Weil ihr ein Licht aufging: «Das heisst doch, dass man normalerweise viel zu viel bezahlt für die Ware, die müssen ja das Jahr durch eine Wahnsinns-Gewinnmarge haben!», schimpft sie noch Tage später.

Die Sache beschäftigt mich. Ich schlafe schlecht und träume von chaotischen Zuständen beim shoppen. Im Traum muss ich am Socken-Wühltisch mit Händen und Füssen um das Zehnerpack schwarzer Socken für nur 1 Franken kämpfen. Mit zerfetzten Kleidern und blutigem Gesicht wanke ich aus dem Geschäft und lege mich gleich ein paar Meter nebenan in die Rabatten – um zu schlafen. Die Schlacht um die fettesten Rabatte endete in meinem Albtraum blutig in den Rabatten.

Am nächsten Morgen lese ich in der Zeitung, dass die «Days» shoppingtechnisch bloss das Aufwärmen seien für das darauffolgende Weihnachtsgeschäft. Es begann am 11.11. mit dem «Singles Day», der seinen Ursprung in den 1990er-Jahren in Asien hat. Morgen folgt der «Black Friday», den es in der Schweiz erst seit 2015 gibt und der heute schon der wichtigste Einkaufstag für die Branche sei. Obwohl auch hier der Trend wieder leicht zurückginge, so lese ich. Es scheint, dass sich bereits viele wieder davon abwenden. Vielleicht liegt dies auch an der Farbe. Schwarz ist in der dunklen Vorweihnachtszeit vielleicht nicht gerade dazu angetan, unsere Lebensfreude positiv zu beeinflussen. Da ist mir persönlich ein lichter- und farbenfroher Weihnachtsmarkt lieber.

Sie spinnen

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

Fürchten Sie sich vor Ratten, Schlangen oder Wespen? Ich habe gar keine Probleme mit diesen Tieren. Dafür aber mit Spinnen. Mit ihren langen, haarigen Beinen bewegen sie sich abrupt, schnell und scheinbar unkontrolliert. Mit Hilfe ihrer Fäden nähern sie sich geräuschlos von oben. Uuuähh, wenn ich mir das schon nur vorstelle. Einfach grauenhaft!

Vergangene Woche – es war bereits dunkel, es regnete und war nass – hab ich meinen gelben Friesennerz angezogen und schlüpfe in die Gummistiefel, um mit dem Hund Gassi zu gehen. Draussen ziehe ich mir die Kapuze über den Kopf und schnüre sie mit den Bändeln enger zu.

Mein Hund und ich hatten vielleicht die Hälfte der Strecke hinter uns, als mein Horrorszenario begann: Der Regen prasselt laut auf meine Jacke, als ich plötzlich sehe, wie sich eine Spinne von meiner Kapuze her genau vor mein Gesicht abseilt und vor meinen Augen innehält. Jetzt bitte nur kein Windstoss, bete ich und konzentrier mich gleichzeitig darauf, ja nicht zu doll einzuatmen. Ich bin wie versteinert. Die Gedanken kreisen. Die Kapuze kann ich unmöglich runterziehen, dann hätte ich sie im Gesicht. Anfassen will ich sie auch auf gar keinen Fall. Mein Herz pocht.

Also schlüpfe ich ganz vorsichtig und sachte aus meinen Ärmeln und positioniere meine Hände über meinen Schultern. Mit einem Ruck ziehe ich mir nun den ganzen Friesennerz über den Kopf hinweg aus, schüttle ihn und mich wie wild ab. Ein wilder Tanz, während der Regen weiter auf mich hinabprasselt.

Hätte mich in diesem Moment jemand beobachtet, so wild herumhüpfend in T-Shirt und Gummistiefeln, die Regenjacke herumschwingend, jeder hätte gedacht, die spinnt. Dabei bin es ja gar nicht ich, die spinnt. Die Spinne spinnt! Nicht ich! Als ich dann aber zu meinem Hund schaue und er mich verwirrt, den Kopf auf die Seite gedreht, anblickt, merke ich, wie absurd und verrückt die Situation wirklich aussehen muss. Ich lache, streiche mir meine nass gewordenen Haare aus dem Gesicht, klopfe meine Jacke sicherheitshalber noch einmal ab, öffne ihren Reissverschluss und ziehe sie wieder an. Die Kapuze wage ich mir nun aber nicht erneut über meinen Kopf zu ziehen. Ja, wahrscheinlich spinnen wir wirklich beide.

Was bedeutet Glück für Sie?

Jeder Mensch definiert Glück anders. Die einen sind glücklich, wenn sie am Morgen schmerzfrei aufstehen können, andere, wenn sie etwas Feines zu essen bekommen, und wieder andere, wenn sie im Lotto gewinnen. Für mich ist Glück, wenn ich mit meiner Familie oder meinen Freunden etwas unternehmen kann, das Spass macht, und wir gemeinsam Zeit verbringen können. Früher war das bei mir auch anders, da hätte auch ich den Lottogewinn einem Familienausflug vorgezogen …

Der Duden definiert Glück als eine «angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat». Es sei ein «Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung».

Obwohl das menschliche Hirn, laut Forschern, gar nicht darauf ausgelegt ist, ständig glücklich zu sein, ist es süchtig, nach Glück zu streben. Deshalb erstaunt es nicht, dass der Mensch seit jeher die verrücktesten Dinge unternimmt, um auf spezielle Art und möglichst lange glücklich zu sein.

Spätestens beim Auspacken der Weihnachtsgeschenke stelle auch ich öfters fest: Es sind nicht Konsum und Materielles, die uns langanhaltend glücklich machen. Ein tolles Fest mit Freunden, ein Besuch bei Verwandten und ein gutes soziales Umfeld sorgen vielfach für längere und innigere Glücksmomente. Auch der jährlich erscheinende Weltglücksbericht der UNO zeigt, dass eine erfüllende Tätigkeit, Demokratie, Sicherheit in der Gesellschaft, politische Beteiligung und gute Regierungsführung Menschen zufriedener machen.

In der Umwelt Arena Spreitenbach startet morgen Freitag eine Ausstellung zum Thema «Global Happiness: Mit Nachhaltigkeit zum Glück». Die Ausstellung ruft Besuchende dazu auf, sich Gedanken zu machen, inwiefern ihr persönliches Glück mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit verträglich ist. Sie erforscht aber auch Glückskonzepte aus der ganzen Welt. Zudem können die Besucher auch ihr eigenes Glücksniveau messen. Was dabei wohl alles an den Tag kommt?

Ich brauche keinen Computer, der mir sagt, wie ich glücklich werden kann. Ich halte mich an einen weisen Spruch meines Grossvaters: «Teile Deine Sorgen – denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Und: Teile Dein Glück, denn geteiltes Glück ist doppeltes Glück.»

Erstaunlich: Beim Winterschwimmen ist man meist allein

Vor ein paar Jahren bin ich zum Winterschwimmer geworden. Die Saison hat also eben begonnen und dauert ungefähr bis Mitte April. Dann füllen sich Strände und Ufer wieder – so richtig Spass macht es dann nicht mehr. Wo immer ich in der Schweiz unterwegs bin: Wenn ein See in der Nähe ist, tauche ich darin ein. Inzwischen habe ich auch ein Thermometer dabei, um zu sehen, was mich erwartet. Letztes Wochenende lag der Luganersee bei 19 Grad, also quasi noch hochsommerlich warm. Die angenehmste Schwimmtemperatur ist 14 Grad; einerseits schön erfrischend, aber doch noch genug warm, um eine ordentliche Weile im Wasser zu bleiben. Unter 10 Grad wird es «giftig». Die kälteste gemessene Schwimmtemperatur lag bei 2,7 Grad. Gemütlich ist anders.

Viele denken, Winterschwimmen sei eine Art Hochleistungssport. Ist es aber nicht. Nur schlichte, simple Gewöhnung. Nichts ist einfacher, als zum Winterschwimmer zu werden: Man hört einfach im Spätsommer damit nicht auf. September und Oktober sind geschenkt. Im November muss man ein wenig beissen, im Dezember sitzt die Gewöhnung schon so tief, dass man auf das kühle Bad nicht mehr verzichten möchte. Möge der Januar kommen – man ist bereit!

Es gibt keine sportliche Betätigung, die günstiger und effizienter wäre. Die Ausrüstung kostet fast nichts; ich empfehle eine Sicherheitsboje und Schwimmschuhe, um Verletzungen zu vermeiden. Bequeme Einstiege gibt es an jedem See; die Parkplätze davor sind spätestens ab November praktisch leer. Der Zeitaufwand hält sich in engen Grenzen, die Wirkung auf Körper und Geist ist dennoch phänomenal. Der Fettstoffwechsel zündet wie eine Rakete. Die Gedanken werden sofort kristallklar. Stress und Sorgen lösen sich blitzartig im frischen Wasser auf – und bleiben dort. Jedes Mal entsteigt man dem See als neuer Mensch.

Die erstaunlichste Tatsache am Winterschwimmen ist, dass man damit meist allein ist. Man steigt aus dem See und denkt: Wenn die Menschen wüssten, was sie beim Winterbad verpassen, wäre hier mehr Betrieb als im höchsten Hochsommer.

Falls Sie das für übertrieben halten: Jetzt ist der beste Slot, um in die Welt des Winterschwimmens einzutauchen. Sie werden sehen, ich habe recht.

Als man Aroma noch mit «t» schrieb

Oliver Schweizer, Online-Redaktor der ZT Medien AG | Der Landanzeiger

Die besten Tomaten aller Zeiten habe ich vor gut 20 Jahren in einem kleinen Restaurant im Verzascatal gegessen. Sie waren lediglich mit einigen milden Zwiebelringen belegt, mit etwas Olivenöl beträufelt und ganz leicht gesalzen. Seither bin ich chronisch enttäuscht, wenn ich in einem Restaurant einen Tomatensalat bestelle. Der Geschmack der Tomaten stimmt einfach nie mehr mit jenem überein, der in meinem Oberstübchen abgelegt ist.

Genau gleich geht es mir mit dem Weissweinrisotto. In dieser Sparte hat meine Tante aus dem Misox die Messlatte so hoch gelegt, dass es zum Verzweifeln ist. Egal, welchen Risottoreis ich in unzähligen Versuchen verwendete, welchen Weisswein ich brauchte, ob ich Bouillon oder nur Meersalz nahm, Olivenöl oder Butter oder beides, ob Parmesan oder Bergkäse – kein einziges Mal klingelte der Jackpot in meinen Geschmacksknospen.

Als ich kürzlich wieder ins Misox fuhr, war ich fest entschlossen, das Geheimnis des Risottos meiner Tante zu lüften. Ich könne das Risotto ja gleich selber zubereiten, fand sie, als die Mittagszeit näherrückte. Dann stellte sie ganz gewöhnlichen San-Andrea-Risottoreis neben den Herd, reichte mir eine Zwiebel, ein Stück Butter, ein Gläschen mit «falschem» Safran und eine Flasche des selber produzierten Weissweins. Ich dünstete die Zwiebel an und den Reis, bis er glasig war, löschte auf Geheiss der Tante mit wenig Weisswein ab und schüttete gesalzenes Wasser mit Safran nach. Als sich der Reis dem idealen Garpunkt näherte, holte die Tante ein grosses Stück Parmesan aus dem Keller und rieb etwas davon in den Risotto. Ich probierte. Es schmeckte ziemlich akzeptabel.

Der Weisswein aus dem Misox war definitiv mitentscheidend für den Geschmack, so viel war mir klar. Darum goss ich, als die Tante abgelenkt war, noch mehr davon in den Reis und probierte später wieder. Nicht schlecht. Aber nicht das, was ich in Erinnerung hatte. Dann probierte die Tante und nickte zufrieden.

Irgendetwas fehlt, sagte ich und war mir sicher: jetzt kommt das Geheimnis!
Ich mache am Ende ein wenig Aromat rein, meinte die Tante, aber sonst fehlt sicher nichts.

Herrgott! Aromat!! Diesen elenden Glutamat-Bomber hatte ich bereits seit Jahrzehnten aus meiner Küche verbannt. Und ich würde lieber meine Geschmacksknospen neu kalibrieren, als dieses Zeugs wieder in meinem Essen zu haben. Und die Tomaten aus dem Verzascatal werden sofort aus meiner kulinarischen Erinnerung gestrichen. Weiss der Teufel, ob da wirklich nur Salz drauf war …

Nach der «Köga» ist vor der «Buga»

Kennen Sie die Gewerbebetriebe Ihres Wohnortes? Wissen Sie, ob es in Ihrem Ort jemand gibt, der Ihnen eine Solaranlage aufs Dach montiert? Gibt es einen Schreiner, ein Heizungs- und Sanitärgeschäft, einen kompetenten Elektriker, eine Apotheke, ein Fahrradgeschäft, eine Bäckerei, einen Dorfladen, eine Garage, einen Gastrobetrieb, Hausarzt, Zahnarzt, Tierarzt?

Können Sie 10 dieser Geschäfte in Ihrem Wohnort aufzählen? Gut, falls Sie in Aarau wohnen, sollte dies kein Problem sein, in Wiliberg wirds gar nicht möglich sein. Falls Sie Köllikerin oder Kölliker sind und am Wochenende die Gewerbeausstellung «Köga» besucht haben, dann können Sie wahrscheinlich locker 10 dieser Geschäfte aufzählen. Hand aufs Herz: Haben Sie gewusst, was die Kölliker Betriebe, die Sie zuvor vielleicht nur von aussen wahrgenommen haben, alles können und anbieten? Waren Sie darüber auch ziemlich erstaunt, erfreut oder sogar begeistert?

Genau dafür hat das Kölliker Gewerbe die «Köga» organisiert. Trotz einer gewissen «Planungsunsicherheit» wegen Corona sind 53 Aussteller das Wagnis eingegangen – und wurden für ihren Mut belohnt. Viel zum Erfolg der «Köga» beigetragen hat das offene Standkonzept. Nicht durch Wände getrennte Einzelstände, sondern offene, ineinander überfliessende Stände mit Nachbarn, die durchaus zusammengehören. So entstand exakt das «metenand – fürenand», welches die «Köga» zum Motto hatte.

Wenn dies die Köllikerinnen und Kölliker angesteckt hat und sie nun statt online im Internet vermehrt die lokalen und regionalen Betriebe berücksichtigen, dann hat nicht nur das lokale Gewerbe gewonnen, sondern das ganze Dorf und die Region. Stichwort Arbeitsplätze. In Kölliken darf man stolz sein auf sein Gewerbe. Denn es hat gezeigt, was es drauf hat.

Nach der «Köga» ist vor der «Buga». Das Buchser Gewerbe steht mit der «Buga» (vom 28. bis 30. Oktober) bereits in den Startlöchern. So ist es auch in Staffelbach, wo man sich übermorgen Samstag bei der gemeinsamen Gewerbeschau der Hauri AG und der Fischer Kies + Beton AG mit Beteiligung von rund 20 Staffelbacher Firmen informieren kann.

All diese gewerblichen Leistungsschauen sind immer auch halbe Dorffeste mit schönen Begegnungen, Geselligkeit, Musik und Kulinarik.

Von Susis und Strolchen

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

«Strolchenfahrt endet mit Unfall», titelt die Kantonspolizei eine Medienmitteilung, die unsere Redaktion vergangene Woche erreichte. Zwei 15-Jährige aus der Region Baden haben sich mitten in der Nacht in einen weissen Range Rover gesetzt und machten eine Spritztour.

Doch die «Strolchenfahrt» blieb nicht unbemerkt. Bei einer Verkehrskontrolle wollte eine Patrouille der Stadtpolizei Baden den weissen Range Rover anhalten. Doch der Lenker wendete kurz vor der Kontrollstelle und flüchtete mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Baden und verschwand ausser Sicht der Polizei. Nach kurzer Zeit erhielt die Notrufzentrale dann eine Meldung aus Turgi über einen weissen SUV, welcher nach einer Kollision mitten auf der Fahrbahn stehe. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um den gesuchten, nun stark beschädigten Range Rover. «Die beiden Burschen konnten noch in derselben Nacht unverletzt am Wohnort angehalten werden», heisst es in der Mitteilung der Polizei. Nun müssen sich die beiden Minderjährigen vor der Jugendanwaltschaft verantworten. Und damit haben die beiden noch richtig Schwein gehabt. Der Range Rover ist zum Glück der Einzige, der Schaden genommen hat. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was in dieser Nacht noch alles hätte passieren können. Das war einfach richtig dumm!

Richtig dumm, aber ehrlich gesagt irgendwie auch mutig. Klar, ich hätte mich mit 15 schon aus Vernunft nicht hinters Steuer gesetzt, aber ich mach es auch heute mit 30 Jahren nicht. Zwar besitze ich die Fahrerlaubnis, der Mut zum Autofahren fehlt mir aber. Es machte mich schon immer total nervös, wenn ich wusste, dass ich Auto fahren musste. Angstschweiss, Eiseskälte, total verkrampft. Im Gegensatz zu den Strolchen bin ich ein richtiges Susi, wenns ums Autofahren geht. Seit Jahren hab ich mich nicht mehr ans Lenkrad getraut.

Aber wie die Geschichte der Strolche zeigt, erspart man sich als Susi ganz schön viel Ärger. Ganz zu schweigen von den Kosten, die die Strolche verursacht haben. Da bin ich lieber Susi und gebe mein Geld doch lieber für die Bahn- und Busfahrkarte aus. Die kosten einiges weniger als ein neuer Range Rover und das Benzin dazu. Und der Umwelt tu ich damit ebenfalls noch einen Gefallen.

Kalter Kaffee

Plötzlich hat mein Freund Fredy viel Zeit. Können wir uns treffen, fragt er mich. Es ginge ihm auch tagsüber. Hoppla, was ist da los, frage ich ihn. «Ich habe gekündigt!», erklärt er knapp. Eine Stunde später sitzen wir im Café, rühren im Kaffee, obwohl gar kein Zucker drin ist (bei Fredy) oder er sich schon längst aufgelöst haben müsste (bei mir).

Fredy druckst herum. Okay, er hat seinen Job gekündigt: Nachtdienst beim Teletext. Man muss wissen, Fredy ist nach Ueli Maurer der grösste Teletext-Fan, den es gibt. «Wieso kündigst du den Traumjob?», frage ich, «sag, dass das nicht wahr ist!» – «Doch», sagt er, immer noch im Kaffee rührend. Der Teletext gehört zur News-Abteilung vom Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Eine von Fredys Aufgaben im Nachtdienst war, die Internet-Kommentare der Leserinnen und Leser zu den SRF-Newsmeldungen zu lesen und freizuschalten. Fredy erklärt mir, es gäbe genau definierte Spielregeln. Es wird nichts zensiert, betont er. Aber auch die freie Meinungsäusserung habe Grenzen. Die Grenze sei dort, wo Hasskommentare, Drohungen und üble Nachrede anfingen.

Fredy hat jeweils versucht, den Leuten zu erklären, weshalb ihr Kommentar nicht veröffentlicht werden kann. «Manchmal habe ich sie gebeten, dies oder jenes anders zu formulieren, damit wir es bringen können, manchmal machten dies die Leute und bedankten sich hinterher sogar.» Aber in letzter Zeit sei alles gehässiger geworden. Einer der Kommentar-Schreiber habe herausgefunden, wie er heisst und wo er wohnt. Fredy hatte Post im Briefkasten. Mit einer Drohung.

Seitdem schlief Fredy schlecht. In einer dieser schlaflosen Phasen hat er sich hingesetzt und seine Kündigung geschrieben. «Das ist es echt nicht wert, da ist eine Grenze überschritten worden», sagt er und ich nicke verständnisvoll. In ein paar Wochen wird er zum zweiten Mal Vater. Da verschieben sich die Prioritäten.

Er werde sich jetzt neu orientieren, seufzt Fredy. «Irgendetwas ohne Medien», sagt er und versucht ein Lächeln. Die nächste Viertelstunde verbringen wir mit heiterem Fredy-Beruferaten, was er alles machen könnte: Umschulung zum Kellner in der Gastronomie, Hilfskraft im Gesundheitswesen, Fahrer beim Roten Kreuz. Das wäre genau das Richtige für Fredy: ein Einsatz für mehr Frieden und weniger Hass.

«Aber schau», sage ich, «jetzt ist unser Kaffee kalt geworden.»

Das Militär und sein Wandel

Als ich neulich eine Infanterie-Rekrutenschule besuchte, staunte ich nicht schlecht. Die jungen Armeeangehörigen sind massiv besser ausgerüstet als wir damals. So ist jeder Durchdiener mit Pistole und Sturmgewehr ausgerüstet, trägt eine kugelsichere Weste, ein Nachtsichtgerät und angenehme Kampfstiefel. Der ständig baumelnde Kämpferrucksack ist einem verstellbaren, wasserdichten Nylonrucksack gewichen. Auch der neue Kampfanzug ist besser auf die jungen Militaristen zugeschnitten als das alte «Vierfrucht-Pyjama», wie wir den «Kämpfer» nannten.

An den ungeliebten Reaktionsübungen, dem kräftezehrenden Sturmgewehrturnen und der Zugschule hat sich kaum etwas geändert. Ausser dass die jungen Soldaten bei allem, was sie tun, entweder eine Schutzbrille oder eine Militärsonnenbrille und robuste Arbeitshandschuhe tragen. Die Vorgesetzten schreien zwar immer noch sehr laut rum, sind aber alle viel jünger als unsere Vorgesetzten von damals.

Zu den Schiessplätzen werden die Durchdiener der Infanterie heute gefahren, nicht nur am Besuchstag. Das alte Rackrohr ist schon länger einer modernen Panzerfaust – einer RGW 90 – gewichen und auch leichte Maschinengewehre gehören bei jedem Zug mehrfach zur Ausrüstung. So auch Radschützenpanzer und grössere Mannschaftstransporter.

Die Kippscheiben, Sackpanzer und fahrbaren Ziele, auf die wir damals schon auf dem Schiessplatz «Gehren» ob Erlinsbach unsere ersten Leuchtspurgeschosse abgefeuert haben, sind auch heute noch im Einsatz. Ja, die «Gehren» waren für viele Infanteristen eine Art zweite Heimat. Hier kannte man jeden Zentimeter Land wie den Inhalt seines eigenen Hosensacks oder des Sackbefehls. Unzählige Schiess-, Gefechts- und Nachtübungen, aber auch Leistungstests wurden hier «überlebt». Auch dank dem guten Essen aus unserer Kompanieküche.

Das ist heute völlig anders: Die Küchencrew trägt keine Kämpferhosen mehr, das Essen kommt von ausserhalb der Kaserne. Wenns klappt, gibt es drei Menüs: eines für Fleischesser, eines für Muslime und eines für Vegetarier. Suppe und Kaffee aus dem Beutel kann mit heissem Wasser angerührt werden.

Bei allen Änderungen in der Schweizer Armee, eines ist geblieben: Die Hoffnung, das Militärhandwerk nie im Ernstfall einsetzen zu müssen.

Adieu Frau Künzli, Grüezi Frau Moll

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

Mein Telefon klingelt in meiner Jackentasche. Einmal, zweimal, dreimal … Angestrengt krame ich es hervor und halte es mir ans Ohr. «Ja, Sarah Kü … ähm ich meine Sarah Moll.» Es ist nicht das erste und bestimmt auch nicht das letzte Mal, dass ich meinen alten Nachnamen nenne beziehungsweise schreibe. Vor rund vier Wochen habe ich geheiratet und den Nachnamen meines Mannes angenommen.

M, O, Doppel-L – simpel, kurz und im Gegensatz zu Künzli auch in einer Fremdsprache einfach auszusprechen. Das Buchstabieren wird nun ebenfalls viel einfacher. Nein, nicht Kuenzli und auch nicht Küenzli. Und schon gar nicht: «Losed Si Frau Küenzi, bitzli gwaggle müend Si.» Das alles hab ich schon zur Genüge gehört und langsam einfach satt. Es ist Zeit für ein neues Kapitel. Das Moll-Kapitel.

Eine weitere Unangenehmheit kann ich mit neuem Nachnamen ebenfalls umgehen. Ich werde nun nicht mehr als «die Tochter von», «die Enkelin von» oder sogar «die Urenkelin von» identifiziert. In Oberentfelden, wo ich herkomme, kennt man die Künzlis eben seit Generationen. Und ich liebe zwar meine Familie sehr, aber stets über sie definiert zu werden, hat man nach 30 Jahren irgendwie auch satt.

Ja, ich mag meinen neuen Nachnamen. Daran gewöhnt habe ich mich aber noch lange nicht. 30 Jahre Künzli sind noch zu stark in meinem Kopf verankert. Und während ich mir meinen eigenen Namen noch versuche einzuprägen, erkläre ich gleichzeitig anderen, dass beim Landanzeiger keine neue und keine andere Sarah arbeitet, sondern sie einfach nur geheiratet hat. Personen, mit denen ich schon seit Ewigkeiten per Du bin, siezen mich nun plötzlich wieder, weil sie Frau Moll am Telefon nicht erkennen.

Hab ich mir den ganzen Namenswechsel etwas zu einfach vorgestellt? Wahrscheinlich. Bereue ich ihn? Ganz bestimmt nicht. Zwar ist der ganze Papierkram, den der Namenswechsel mit sich bringt, mühsam, aber der Grund, weshalb ich das alles machen muss, ist wunderschön: die Liebe. Und wenn ich es mal leid bin, meinen Namenswechsel am Telefon erklären zu müssen, wundern Sie sich nicht, wenn ich abhebe und einfach sage: «Hier ist Sarah vom Landanzeiger.» Denn schliesslich bin ich immer noch ich. Die gleiche Person, egal welchen Nachname ich trage.

Wenig Vertrauen in Journalisten

Schweizerinnen und Schweizer vertrauen Feuerwehrleuten mehr als Ärzten und Bankern weniger als Taxifahrern. Auch Journalisten stehen im unteren Teil der Rangliste. Das zeigt eine neue Studie vom unabhängigen Online-Vergleichsdienst moneyland.ch.

Die vertrauenswürdigste Berufsgruppe der Schweiz ist die Feuerwehr. 74 Prozent der 1500 Befragten haben grosses bis sehr grosses Vertrauen in Feuerwehrleute. Damit geniessen Angehörige der Feuerwehr in der Schweiz fast gleich viel Vertrauen wie Familienmitglieder (78 Prozent) und Freunde (76 Prozent). Insbesondere auch medizinische Berufe geniessen grosses Vertrauen, allen voran Krankenpflegende (66 Prozent), gefolgt von der Ärzteschaft (64 Prozent) sowie den Apothekern (61 Prozent).

Auch Piloten (63 Prozent) und Chauffeure im öffentlichen Verkehr (57 Prozent) geniessen bei der Bevölkerung überdurchschnittlich grosses Vertrauen. Im Gegensatz dazu ist das Vertrauen in Taxifahrer (27 Prozent) merklich niedriger. Mit Abstand am schlechtesten schneidet die Werbebranche ab: Lediglich 10 Prozent der Bevölkerung hat grosses bis sehr grosses Vertrauen in diese Berufsgruppe.

Auf die Werbebranche folgen Fussballspieler und die Schweizer Politik. Männer sind wesentlich eher bereit, Fussballern Vertrauen zu schenken. Politikerinnen und Politiker ernten auch von Frauen etwas mehr Skepsis als von Männern. Im Gegensatz zur Politik allgemein schneiden die Bundesrätinnen und Bundesräte besser ab: Nur 14 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer vertrauen den hiesigen Politikern, während 34 Prozent sagen, dass sie in die Bundesräte grosses bis sehr grosses Vertrauen haben.

Auch der Finanzsektor steht eher schlecht da: Sowohl Versicherungsund Finanzberater als auch Banker geniessen bei jeweils über 40 Prozent der Befragten wenig oder gar kein Vertrauen. Das Misstrauen in Banker ist besonders bei den Männern stark ausgeprägt. Fast die Hälfte von ihnen (47 Prozent) haben kaum oder gar kein Vertrauen in diese Berufsgruppe.

Weit unten in der Vertrauensrangliste sind auch die Medien zu finden: 38 Prozent der Befragten trauen Journalistinnen und Journalisten kaum oder gar nicht. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es noch immer viele Wohlfühlmagazine gibt, die versprechen, dass man auf einfachste Art in sieben Tagen zehn Kilo abnehmen kann.

Lasset uns feiern

Seit dem Ende der Sommerferien ist an jedem Wochenende irgendwo in der Landanzeiger-Region eine richtig grosse Festhütte in Betrieb. Schon vorbei sind 800 Jahre Schöftland, 100 Jahre Wald Aargau, je 50 Jahre Badi und Cevi Entfelden. Und das fröhliche Feiern geht weiter mit 150 Jahre Turnverein Teufenthal am Weekend.

So planen wir Zeitungsleute an Sitzungen, wer wohin geht und was wir dort unbedingt fotografieren müssen. Wir lesen uns durch die Festprogramme und fangen an zu vergleichen. Warum gibt es hier eine Festansprache und dort keine? Wo kommt ein Regierungsrat und wo nicht? Was gibt es zu essen? Und für die Kinder?

Schon fast Festprofis geworden, fallen uns auf der Redaktion ein paar Dinge auf. Aha, hier kann man einfach vorbeigehen und mitfeiern. Ein «niederschwelliges» Festangebot also. Zum Beispiel bei 100 Jahre Wald Aargau. Da konnte man einfach ins Festgelände hineinmarschieren und sich das anschauen, was interessierte, oder sich ins Festzelt setzen, um etwas zu essen, oder sich an einem der Essensstände «fliegend» verpflegen.

Völlig anders bei 800 Jahre Schöftland. Da waren die Schöftlerinnen und Schöftler die Zielgruppe der Organisatoren. Eintritt ins Festgelände gab es nur per Ticket. Diese gab es vorgängig auf der Gemeinde und die Einheimischen erhielten die (kostenlosen) Tickets vor allen anderen. «Schöftland zuerst», lautete hier die Devise. Erst ab einem gewissen Datum durften sich auch Auswärtige restliche Tickets abholen. So war garantiert, dass die Schöftlerinnen und Schöftler «ihr» Jubiläum bevorzugt feiern konnten. Was dann auch ziemlich gut funktioniert hat.

Man muss den Organisatoren all dieser grossen Jubiläumsfeiern ein Kränzchen winden. Nebst einer teilweise langen Planung gibt es an jedem Fest Dinge, die sich schlecht oder gar nicht planen lassen: Wetter, Stimmung oder Anzahl Festbesucher. In einem Fall wurde auch ziemlich kurzfristig alles umorganisiert. Als die Cevi Entfelden die benachbarte Badi informierte, sie würden Anfang September das 50-Jahr-Jubiläum feiern, und die Badi antwortete: «Wir auch!», kratzte man sich kurz am Kopf, tat sich dann zusammen und feierte gemeinsam am gleichen Wochenende – sehr zum Vorteil der Festbesucher, die mit einem Besuch doppelten Festspass erhielten.

Unser Fazit: Wir sind super im Feiern!

Mittendrin statt nur dabei

Wer Grossanlässe wie Open Airs, Turnfeste oder gar das ESAF liebt und gerne festet, der sollte einmal beim Auf- oder noch besser beim Abbau dabei sein und mitarbeiten. So spürt man am eigenen Körper, was alles hinter einem Grossanlass steckt.

Ich meldete mich vor Kurzem freiwillig für den Abbau des Heitere Open Airs in Zofingen. Als erstmaliger Helfer erlebte ich eine Woche Aktivferien mit Bonuspaket. Gleich zu Beginn wurde mir das Räumen und Reinigen der «24-Stunde-Bar» übertragen. Neulinge sollen schliesslich etwas erleben. Was hier in den letzten rund 100 Fest-Stunden gefeiert und konsumiert wurde, konnte ich buchstäblich vom Fussboden ablesen und die hartnäckigen Resten, mit gütiger Mithilfe, «wegkärchern».

Beim Zusammenlesen des Abfalls überlegte ich mir, welche Art von Freude das Vergraben von Aludosen im Festgelände bereitet oder das Zerschlagen von Glasflaschen auf dem Zeltplatz. Oder, oder, oder. Einzig beim Wegputzen von Erbrochenem leuchtet mir sofort ein, es muss erleichternd gewesen sein.

Kunststoff-Wabenplatten eignen sich bestens, um den Boden des Festgeländes zu schonen. Sie zusammenzuräumen und zu stapeln ist ein Knochenjob, der nie zu enden scheint. Bei der 2394. Platte höre ich mit Zählen auf. Die Arbeit dauert ja noch einige Tage …

Die Sonne brennt, bis am Mittag habe ich schon vier Liter Mineralwasser getrunken, am Nachmittag kommen weitere Liter dazu. Das Mittagessen geniesst die ganze Abbau- und Aufräumcrew gemeinsam. Es jammert niemand, die Stimmung ist gut. Ein Grossteil ist schon seit über zehn Jahren dabei. Ich leide still vor mich hin. Bewundere gleichzeitig eine zierliche junge Frau, die als Einzige im Gerüstbauteam schuftet und nicht geschont wird.

Als eine Art Erholung darf ich die grossen PET-, Alu- und Glas-Container sortieren. Mit einem Greifer fische ich die jeweils falschen Gegenstände raus und entsorge sie richtig. Lesen müsste man können, denke ich mir öfters. Auch mit 2 oder mehr Promille.

Am Sonntagabend sehne ich mich dem Ende meines einwöchigen Einsatzes und meinem Job im Büro entgegen. Nun weiss ich nicht nur, was hinter einem Grossanlass steckt, sondern auch, wie sich die Aufräumcrews am Oktoberfest oder am Ballermann fühlen.

Verwundertüten

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger

Hurra, Hurra, die Pakete sind da! Ein Blick in mein Mail-Posteingang verrät mir, dass die Dinge, die ich vergangene Woche übers Internet bestellt habe, heute Morgen abgeliefert wurden und nun beim Hauseingang stehen sollten. Voller Vorfreude eile ich also nach unten. Dort warten fünf teils kleinere, teils grössere Pakete auf mich.

Girlanden im Vintage-Look, 15 Einwegkameras, ein grosses Tischtuch und 15 Sprühflaschen, um die Wespen fernzuhalten – das alles pack ich, zurück in meiner Wohnung, mit einem pochenden Herzen aus. Denn ich brauch diese Dinge für die grosse Waldhausparty am Wochenende, auf die ich mich so sehr freue. Aber was ist das?! Im fünften und letzten Paket, das ich öffne, finde ich einen Barttrimmer. Weshalb soll ich denn sowas bestellt haben? Die müssen was Falsches geliefert haben. Ein Blick auf das Etikett am Paket lässt mich erblassen: Ich habe das Paket eines Nachbarn geöffnet. Mist, Mist, Mist, Mist, Mist. Was soll mein Nachbar nur von mir denken? Dass ich mir einfach fremde Pakete schnappe und mir nehme, was ich brauchen kann? Aber so bin ich doch gar nicht!

Panisch überlege ich mir, wie ich meinen Fehler verbergen könnte. Das Paket einfach zurückstellen? Nein, geht nicht. Ich habe das Paket mit der dafür vorgesehenen, perforierten Lasche geöffnet. Man erkennt genau, dass das Paket schon mal geöffnet wurde. Krieg ich es hin mit Doppelklebstreifen, die Lasche wieder zu befestigen? Oder vielleicht bringe ich meinen Hund dazu, etwas auf dem Paket herumzunagen, damit es aussieht, als wäre ein Fuchs drangewesen. Oder ich weiche das Paket etwas mit Wasser auf, damit es aussieht, als hätte der Regen das Paket kaputtgemacht.

Es bleibt mir nichts andres übrig, als zu meinem Versehen zu stehen. Und so steh ich einige Minuten später vor der Haustür meines Nachbarn. Er öffnet die Tür und wird bei meinem Anblick ganz blass. Ich ziehe hinter meinem Rücken sein Paket hervor und entschuldige mich aus tiefstem Herzen. Er lacht, geht etwas weiter in seine Wohnung rein und kommt mit einem geöffneten Paket zurück. «Und ich dachte schon, du bist deswegen hier», sagt er und streckt mir das Paket mit Wimpeln hin. «Sorry, hab versehentlich dein Paket für meins gehalten und geöffnet.» Wir lachen und tauschen die Pakete. Von jetzt an, schau ich immer ganz genau, an wen die Post adressiert ist.

Wer die Wahl hat …

Wer kennt sie nicht: die Qual der Wahl: Wohin in die Ferien? Wohin am Freitagabend? Auf welche Party? Welchen Film im Kino? Was kochen? Was anziehen? Für die einen sind diese Fragen eine echte Qual, für die anderen jedoch ein Kinderspiel. Eine gute Bekannte von mir schafft es nur mit Müh und Not, sich nur schon bei der kleinsten Alltagsfrage zu entscheiden. Einmal blieb sie in den Ferien sogar zu Hause, nur weil sie sich nicht entscheiden konnte, wohin es gehen sollte. Für sie gilt ganz besonders: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Morgen Freitag zum Beispiel. Der 19. August. Unsere Region wird zur grossen Festhütte: 100 Jahre Wald Aargau in Unterentfelden. Die ganze Woche lang. Erwartet werden insgesamt über 10’000 Zuschauer. Ein Super-Programm auch morgen Freitag. Bei freiem Eintritt wird auf dem grossen Festgelände rund um das Waldhaus Lättweiher (Shuttlebus ab SBB-Bahnhof Oberentfelden) vieles geboten, unter anderem ein Feierabendbier mit der Schweizer Holzhauerei-Nati und später der Behörden-Holzerwettkampf Aarau, Unterentfelden, Oberentfelden, Eppenberg-Wöschnau, Schönenwerd, Suhr und Muhen. Dann: Partytime mit der Liveband «Chue Lee».

Oder aber, ebenfalls morgen Freitag: 800 Jahre Schöftland! Kein Geringerer als Bligg wird dort am Abend die Bühne rocken. Der beliebte Volksrapper wird seine «Rosalie» nicht in irgendeinem Festzelt besingen, sondern im «Das Zelt», welches am Wochenende in Schöftland auf dem Kiesplatz beim Leerau Park stehen wird. Auch hier ist der Eintritt gratis. Jedoch mussten die Tickets bis und mit Montag auf der Gemeindekanzlei während den regulären Öffnungszeiten abgeholt werden. Gemäss den Organisatoren gibt es keine Abendkassen.

Tja, schwierige Entscheidung. 100 Jahre Wald Aargau in Unterentfelden oder 800 Jahre Schöftland? Wer gut planen kann, schafft morgen Freitag beide Events locker, geht zum Beispiel zuerst in den Wald und pendelt später per Shuttlebus und WSB nach Schöftland. Was vielleicht helfen könnte bei der Entscheidungsfindung: Beide Events sind mehrtägig. Man könnte am Freitag hierhin und am Samstag dorthin. Und schon haben wir sie wieder: die Qual der Wahl. Zumal an diesem Wochenende noch viele andere tolle Anlässe zur Auswahl stehen.

Egal, wie Sie sich morgen und an allen anderen Tagen entscheiden: Alles ist gut, was uns weg vom Sofa bringt.