Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Achtsam morden

Wo waren Sie am Sonntagabend zwischen 20.00 und 21.30 Uhr? Vielleicht lautet bei Ihnen die Antwort auf diese typische Fernseh-Kommissaren-Frage gleich wie bei mir: Na, den Tatort geschaut im Schweizer Farbfernsehen! Auf dem Programm stand die Premiere des neuen Ermittler-Duos aus Zürich.

Der Tatort, das letzte Lagerfeuer im Fernsehen, läuft bei uns jeden Sonntagabend nach einem festen Ritual ab. Bei der Titelmelodie wird an einer bestimmten Stelle zu einem Sofa-Hüpf-Tänzchen gestartet. Dann wird die Lautstärke am TV auf Stufe 34 aufgedreht und bei einem schönen Gläschen und Knabberzeug zugeschaut, wie ein Mord passiert, der pünktlich um 21.30 Uhr aufgeklärt wird. Herrlich! Was uns jedoch in letzter Zeit öfters passiert, ist, dass wir später, kurz vor dem einschlafen, fragen: «Du, wer war jetzt eigentlich der Mörder?»

Am letzten Sonntag hatte der neue Schweizer Tatort Premiere. Für den abgesetzten Luzerner Ermittler Reto
Flückiger – der mir immer gefallen hat, weil er halt auch Flückiger heisst – hat das neue Zürcher Frauenduo Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler seinen Einstand gegeben. Die Ermittlerinnen Isabelle Grandjean und Tessa Ott hatten in «Züri brännt» überzeugen können.

In der Zeitung las ich im Vorfeld, dass der Zürcher Tatort umweltfreundlich und nachhaltig produziert wird. Das ist etwas Neues in der langen Geschichte des Tatorts. So radelt die Ermittlerin Tessa Ott mit dem Velo kreuz und quer durch Zürich. Ein Polizeiauto war am Sonntag nicht zu sehen. Es ist ein grün produzierter Tatort, der beim Drehen ein Viertel wenier CO2 produziert, als beispielsweise der Luzerner Tatort.

Alles schön und gut. Nur der Mord war weder achtsam noch umweltfreundlich. Bei der Brandleiche war viel Benzin im Spiel. Das geht gar nicht! Haben die Schweizer Tatortmacher denn nicht den Krimi-Bestseller «Achtsam morden» von Karsten Dusse gelesen? Dort wurde gezeigt, wie es geht, Leute umweltverträglich und vor allem nach allen Regeln der Achtsamkeit um die Ecke zu bringen. So was in der Richtung wäre am Sonntag ziemlich cool gewesen.

Aber immerhin schaffte es der Tatort aus dem hektischen und pressanten Zürich, sich gegen Schluss etwas zu entschleunigen: Die Ermittlerin Tessa Ott sang Mani Matters «Zündhölzli». Eine singende Kommissarin, das war ein schöner Schlusspunkt.

Falls Sie den Tatort auch gesehen haben: Wer war jetzt eigentlich der Mörder?